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# 2005-03 - Rundbrief

## Zu Punkt 3

Zu Punkt 3:

Dass hohe Würdenträger der katholischen Kirche, allen voran Papst Johannes Paul II. in seinem jetzt erschienenen Buch, Abtreibung mit dem Holocaust vergleichen, hat nicht nur bei jüdischen Organisationen, sondern bei allen denkenden Menschen Empörung ausgelöst.

Ganz offen wird überall die Frage gestellt: Was hat eine Schwangerschaftsunterbrechung, die eine Frau in einer Notlage in den ersten drei Monaten vornimmt, wie es vom Gesetzgeber als legitim und straffrei festgelegt wurde, mit der grausamen, gesetzlosen Entwürdigung, Qual und Kremierung von Millionen Juden gemeinsam? Es geht nicht darum, Abtreibung zu verharmlosen, doch muss es Frauen und Mädchen, die z. B. vergewaltigt werden, wie es beim Einmarsch der Sowjettruppen 1945 millionenfach geschehen ist, zugestanden werden, dass sie für sich entscheiden. Manche fragen sogar: „Gibt es den Massenmord des ,ungeborenen Lebens‘, über den seit Jahren in der Geistlichkeit und den Laien-Organisationen diskutiert wird, überhaupt?“ Wie kann man, so wird gefragt, vom „Töten des ungeborenen Lebens“ sprechen und Millionen Frauen pauschal als „Kindermörder“ bezeichnen und dann noch mit den Millionen Juden, die im Holocaust umgebracht wurden, vergleichen? Andere wollen dem Vergleich direkt widersprechen und fragen weiter: „Gibt es ein ‚werdendes‘ Leben? Oder gibt es den werdenden, sich bildenden Leib?“ Darüber wird heftig gestritten. Es ist ein schwieriges Thema. Die Hauptfrage ist, was mit einer solchen „Moral“ bezweckt wird. Sollen Menschen dadurch geknechtet und zu einem bösen Gewissen verurteilt werden?

Was sagt die Heilige Schrift dazu? Gemäß 1. Mose 1, 26-28 schuf Gott Adam in Seinem Bilde. Dann formte Er seinen natürlichen Leib aus Erde und hauchte ihm den Lebensodem in die Nase, und so wurde Adam zu einer lebendigen Seele (1. Mose 2, 7). Jedes Kind entsteht seit der Befruchtung im Mutterleib entsprechend der göttlichen Schöpfungsordnung — „Seid fruchtbar und mehret euch!“ —, bis es vollständig ist. Mit der Geburt und dem ersten Atemzug, so wird auch behauptet, beginnt das bewusste eigene Seelenleben des Neugeborenen als Person. Jeder Mensch, so wird argumentiert, tritt in sein persönliches Leben auf Erden mit seinem ersten Atemzug ein und beendet es mit dem letzten Atemzug. Bei der Beerdigung wird nur der Leib zu Grabe getragen, der Mensch selbst, der darin wohnte, hat ihn längst verlassen und ist im Jenseits. Ich und ihr alle, die mit dem Problem nie selbst konfrontiert worden sind, können Gott nur danken. Allen, die damit Not hatten, soll durch diese Ausführungen geholfen und der Friede Gottes in ihre Seele gebracht werden. Wer nicht betroffen ist, hat weder als Institution noch als Einzelner ein Mitspracherecht bei anderen. Die Art der Pharisäer ist leider auch heute noch verbreitet, hilft aber keinem. Im Übrigen ist Vergebung für alle, die zum HERRN kommen, solange die Gnadenzeit währt.

Was sehr nachdenklich stimmt, ist, dass ein solches Buch zu einer Zeit veröffentlicht wurde, wo zum Beispiel in den USA die Millionen-Dollar-Grenze an Wiedergutmachung für über 11000 Fälle von Kindes-Missbrauch durch 4000 Priester der katholischen Kirche überschritten wird. Es werden Prozesse gegen Priester geführt, die sich in den verschiedenen Diözesen schuldig gemacht haben. Wie soll die Weltöffentlichkeit damit fertig werden? Soll es eine Ablenkung sein, Abtreibung mit dem Holocaust zu vergleichen, um damit die widernatürliche Praxis der Pädophilie und der Homosexualität, die dafür sorgt, dass keine Erdenbürger zur Welt kommen können, elegant zu verschonen? Es darf unter keinen Umständen geschehen, dass Irreführung unter religiösem Mantel bei Gläubigen Zustimmung findet! Sonderbar ist doch, dass die Bibel überhaupt nicht zitiert wird.

Es muss gestattet sein, 1. Tim. 4, 1-3 zu erwähnen, wo das Zölibat, das Eheverbot, als Lehre der Dämonen bezeichnet wird, denn es ist gegen die Schöpfungsordnung, die Satan selbst durcheinander bringt! Diese Lehre wurde von der Kirche im Jahre 1079 für ihre Priesterschaft eingeführt. Wer die natürlichen Regeln, wie sie der Schöpfer selbst festlegte, außer Kraft setzt, der landet automatisch in einem ungeregelten, widernatürlichen, gegen die Schöpfungsordnung handelnden Dasein. Das war schon so in den Tagen Sodoms und Gomorrhas — Paulus behandelt dieses Thema in Röm. 1, 18-32 — und es ist auch für die Endzeit angekündigt worden (Luk. 17, 22-37).

Gerade der polnische Papst, der in dem Dorf Wadowice nahe der Stadt Krakau geboren wurde und als junger Priester nur einen Steinwurf weit vom Todeslager Auschwitz/Oswiecim entfernt lebte, wird doch sicher etwas davon gewusst haben. In seinem Buch werden die Nazis und der Kommunismus angeprangert und vieles mehr beanstandet, doch es ist kein Wort über die Haltung und das Schweigen des „Kriegspapstes“ Pius XII. und der katholischen Kirche sowie ihre Verantwortung am Holocaust zu finden. Was für einen Wert hatte dann das große „Mea Culpa“ (Schuldbekenntnis)? War die Bitte um Vergebung für die Judenverfolgungen der Christen im „Jubeljahr 2000“ nur ein Lippenbekenntnis? Die Kirche Roms hat im Laufe der Jahrhunderte, so beanstanden es aufmerksame Schreiber, um das geborene Leben, um Menschen, die existierten, millionenfach nichts gegeben. Sie hat sich als alleinseligmachend präsentiert, Menschenrechte anderer nicht respektiert, Glaubens- und Redefreiheit nicht gestattet, Menschenwürde gab es für sie nicht. Und dann wird jetzt vom „Schutz und der Würde des ungeborenen Lebens“ gesprochen! Ist das nicht ein Paradox? Oder hat es doch einen Denkprozess gegeben?


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