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Radio Luxemburg 1973-07-22 - 008

Ewald Frank

calendar_month 22. 7. 1973

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Radio-Predigt Nr. 8
22. Juli 1973

Verehrte Hörer! Ich grüße Sie herzlich in dem teuren Namen des Herrn mit dem Wort aus 1. Kor. 12,28:

„ … Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens die einen zu Aposteln, zweitens zu Propheten, drittens zu Lehrern.“

Nachdem Paulus unter der Leitung des Heiligen Geistes die neun Geistesgaben beschreibt und den Leib Jesu Christi als die Gemeinde in der Vielfalt dar* stellt, geht er dazu über, die Dienste und Ämter in der Gemeinde einzuordnen. Es muß erneut darauf hingewiesen werden, daß die Heilige Schrift nicht eine christliche Gemeinschaft oder religiöse Bewegung, nicht eine Kirche oder Freikirche, sondern die Gemeinde des lebendigen Gottes beschreibt.

Ein Knecht Gottes ist keiner Glaubensgemeinschaft verpflichtet, wohl aber allen Gotteskindern, die in den verschiedenen Gemeinden zerstreut sind. Sie müssen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, herausgerufen werden, um die Gemeinde Jesu Christi zu bilden, die entrückt werden wird. Alle, die zur Gemeinde des Herrn gehören, respektieren die göttliche Ordnung und erkennen den Dienst eines von Gott gesandten Knechtes an. Ob es sich um das Amt eines Apostels, um den Dienst eines Propheten oder Bibellehrers handelt, immer geht es um die Auferbauung der Gemeinde. Allgemein wird der Dienst eines Hirten und Evangelisten anerkannt, anders aber sieht es mit den drei ersten Diensten aus. Doch Gott hat alle Ämter für den Aufbau der Gemeinde als notwendig befunden.

Tn Apg. 13 von Vers 1 lesen wir:

„In Antiochien wirkten damals in der dortigen Gemeinde folgende Propheten und Lehrer…“

Sie werden namentlich aufgeführt. Während eines Gottesdienstes sprach der Heilige Geist:

„Sondert mir doch Barnabas und Paulus für das Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.“

In den heutigen Gottesdiensten spricht entweder der Prediger oder der Pfarrer, während es damals der Heilige Geist war. Zu beachten ist noch, daß in Vers 4 geschrieben steht:

„So zogen denn die beiden, vom heiligen Geist ausgesandt…“

Männer Gottes, deren Berufung und Auftrag durch den Heiligen Geist in der Gemeinde offenbart und bestätigt wird, können im Segen ausziehen.

In Eph. 4,11 lesen wir, daß Gott in der Gemeinde eingesetzt hat

„ … erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, Evangelisten und Hirten.“

Die Begründung für die Einsetzung der fünf Dienste finden wir gleich im folgenden Vers. Hier steht:

„ … um die Heiligen tüchtig zu machen für die Ausübung des Gemeindedienstes, für die Erbauung des Leibes Christi.“

Hier wird uns gezeigt, in welch einer Weise die Gemeinde Jesu Christi auferbaut wird. Wo diese fünf Ämter nicht sind, kann von der Ausübung des Gemeindedienstes und der Erbauung des Leibes Christi keine Rede sein. Oft hört man heute den Ausspruch:

„Wir haben Christus und das Wort, deshalb brauchen wir weder Apostel noch Propheten.“

Soll damit gesagt sein, daß die urchristliche Gemeinde Christus und das Wort nicht hatte? Hat Gott deshalb Apostel, Propheten und die anderen Dienste eingesetzt? Ist damit gesagt, daß die Gemeinde zu Antiochien Christus nicht erlebt hatte, weil dort Propheten und Lehrer unter der Leitung des Heiligen Geistes ihren Dienst verrichteten? Hat nicht gerade dort der Heilige Geist während dem Gottesdienst gesprochen?

Ein Apostel ist ein Mann von Gott gesandt mit der Gesamtübersicht und der göttlichen Verantwortung für die Gemeinde des Herrn. Das Wort ,Apostel’ bedeutet ein ,Gesandter’. Der Dienst eines Apostels besteht darin, die Gemeinden biblisch zu gründen und Älteste einzusetzen. In Apg. 14,23 steht von Paulus und Barnabas, die in Vers 14 als Apostel bezeichnet werden:

„Sie erwählten ihnen für jede Gemeinde Älteste und befahlen diese unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren“.

Paulus betonte diesen Dienst, indem er schrieb:

„Wir sind nun Botschafter an Christi statt.“

In Eph. 2,20 lesen wir, daß die Gemeinde

„ … auferbaut ist auf dem Grund der Apostel und Propheten, bei welchem Jesus Christus selber der Eckstein ist.“

In Apg. 2,42 lesen wir:

„Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel.“

Der Dienst eines Propheten in der neutestamentlichen Gemeinde besteht vorwiegend darin, das prophetische Wort in der göttlichen Bedeutung darzulegen. In 1. Kor. 14,29 steht:

„Propheten sollen gleichfalls nur zwei oder drei sprechen und die anderen sich ein Urteil darüber bilden.“

Jesus Christus selbst gab die Verheißung in Matth. 23,34:

„Ich sende zu euch Propheten…“

Dieses sagte Er, nachdem der Dienst der alttestament-liehen Propheten und der Dienst Johannes des Täufers beendet waren. In Matth. 10,41 sprach der Herr:

„Wer einen Propheten aufnimmt, eben weil er ein Prophet heißt, der wird dafür den Lohn eines Propheten empfangen.“

Diese Verheißung wäre völlig unberechtigt, wenn der Herr keine Propheten in der Gemeinde eingesetzt hätte.

Der Dienst eines Bibellehrers ist eng mit dem Amt des Apostels und des Propheten verbunden. Ein von Gott gesandter Lehrer hat die Fähigkeit, die Dinge, die durch die Apostel und Propheten geoffenbart wurden, der Gemeinde im einzelnen darzulegen. Der Dienst eines Bibellehrers gehört in die Gemeinde des lebendigen Gottes und nicht auf ein Prediger-Seminar, denn es steht geschrieben:

„Gott hat gesetzt in die Gemeinde…“

Der Dienst eines Evangelisten ist uns gut bekannt, doch muß gesagt werden, daß die modernen Evangelisten dieser Zeit wenig mit dem Dienst eines biblischen Evangelisten gemeinsam haben. Ein von Gott berufener Evangelist hat kein eigenes Unternehmen. Sein Dienst entfaltet sich in der Gemeinde des lebendigen Gottes im Zusammenhang mit den anderen Diensten. In Apg. 8 lesen wir von Philippus, durch den eine mächtige Erweckung in Samarien ausbrach, und auch von den Aposteln Petrus und Johannes, die nach Samarien gingen, um mit den Gläubiggewordenen zu beten, daß sie den Heiligen Geist empfingen. Die Gemeinde Jesu Christi kennt keinen einseitigen Dienst, sondern hat einen Gesamt-Anteil an allen Diensten, die Gott eingesetzt hat.

Der Dienst eines Hirten besteht darin, die lokale Gemeinde als die Herde Christi zu weiden. Ein Hirte hat die von Gott gegebene Fähigkeit, der Gemeinde das zu bringen, was zu ihrer Auferbauung nötig ist. Er trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der Gemeinde und weiß, welch eine geistliche Speise der ,Gute Hirte’ für Seine Schafe bestimmt hat.

Verehrte Hörer! Wir haben hier nur die Möglichkeit, die einzelnen Dienste anzudeuten und in Kürze darauf einzugehen. Es ist unser Bestreben, zu zeigen, in welch einer göttlichen Harmonie und Einheit der Aufbau der Gemeinde des lebendigen Gottes durch den Heiligen Geist in der Mannigfaltigkeit der Dienste und der Geistesgaben vor sich geht. Wenn wir die Gemeinden in unserer Zeit betrachten, müssen wir nicht auf unser Angesicht fallen und Gott den Herrn darum bitten, daß Er wieder Arbeiter in Seinen Weinberg sende? Die Ernte ist reif. Die Wiederkunft Jesu Christi steht nahe bevor. Wo ist die Gemeinde, die der Herr entrücken kann?

Werte Freunde! Es ist äußerst wichtig, daß dieselben Dienste jetzt in der Gemeinde offenbar werden wie am Anfang. Es geht nicht darum, daß sich der eine als Apostel, der andere als Prophet ausgibt. Damit wäre keinem geholfen. Es geht nur darum, daß Gott jetzt in gleicher Weise wirken und Sein Wort bestätigen könnte, wie Er es im Urchristentum tat. Ich rufe alle im Namen des Herrn dazu auf, dieses Anliegen im Gebet vor den Thron Gottes zu bringen. Er schenke Gnade, daß keiner das ewige Ziel verfehle.

Wir wollen beten.

Himmlischer Vater. Ich bitte Dich, segne alle, die Dein Wort jetzt gehört haben. Möchten sie erkennen, daß vor Dir nur bestehen kann, was durch Deinen Heiligen Geist gemäß Deinem Worte geschieht. Bewahre jeden einzelnen vor der großen Enttäuschung und bringe alle zu Dir und Deinem Worte zurück. Ich bitte es im Namen Jesu, Amen.