Circular Letter

RUNDBRIEF Dezember 1977

Ewald Frank

library_books Chapters: 4 calendar_month 12. 12. 1977

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Chapter 2

Ist die Zeit nahe, oder ist sie da?

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In der Vergangenheit wurde immer wieder die Zeit fixiert. Man hat nicht unterscheiden können, ob die Zeit nahe, oder ob sie wirklich da war. Gott vollführt Seine Verheißungen erst dann, wenn die Zeit erfüllt ist. Vorher können selbst große Männer Gottes den Eindruck haben, daß es soweit ist, ohne daß es tatsächlich so sein muß. Im ersten und letzten Kapitel der Offenbarung lesen wir: „ … denn die Zeit ist nahe.“ Fast 2000 Jahre sind seitdem vergangen, doch jetzt ist die Zeit sehr nahe. Jeden Augenblick kann sie da sein. Mose, der größte Prophet Israels, meinte, als er 40 Jahre alt war, die Zeit sei da, doch sie war erst nahe. (Apg. 7 von Vers 17) Gott hatte sich zeitlich festgelegt mit Seiner Verheißung, die Nachkommen Abrahams erst nach 400 Jahren aus Ägypten herauszuführen. Der HErr hatte klar zu Abraham gesprochen: „Sicher sollst du wissen, daß deine Nachkommen als Fremdlinge in einem Lande weilen werden, das ihnen nicht gehört; dort werden sie als Knechte dienen müssen, und man wird sie 400 Jahre lang bedrücken.“ (1Mo 15,13)

Als Mose vierzig Jahre alt war, wurde er von dem Drang überwältigt, seinen Auftrag auszuführen. Die Zeit war nahe, aber noch nicht da, denn die 400 Jahre waren noch nicht um. Gemäß Gal. 3,17 wurde das Gesetz dem Volke Israel 430 Jahre nach Ergehen der Verheißung gegeben. Die Rechnung ist sehr einfach. Man braucht nur 40 Jahre von den 430 abzuziehen, um festzustellen, daß zu der Zeit erst 390 Jahre vergangen waren, seitdem der HErr Abraham die Verheißung gegeben hatte.

Die Zeit rückte immer näher. Es wird uns berichtet: „Da sich nun die Zeit der Verheißung nahte, die Gott Abraham geschworen hatte…“ (Apg. 7,17) Die Zeit muß da sein, das Nahe-sein genügt nicht. Man muß abwarten können, bis es soweit ist, sonst bleibt die Enttäuschung nicht aus.

Von Mose lesen wir: „Als er aber volle vierzig Jahre alt geworden war, stieg das Verlangen in ihm auf, sich einmal nach seinen Brüdern, den Israeliten, umzusehen…“ (V. 23) Er sehnte sich danach, die Verheißung verwirklicht zu sehen. Als er den Ägypter erschlug, war er der Meinung, daß sein Auftreten seine Volksgenossen zu der Einsicht bringen würde, daß Gott ihnen durch seine Hand Rettung schaffen werde. Doch sie erkannten es nicht (V. 25).

Mose, der große Prophet Israels, mußte erkennen, daß es nicht genügt, mächtig in Worten und Taten zu sein (V. 22). Er mußte einsehen, daß nichts in der von Menschen festgesetzten Zeit geschieht. Erst wenn die Stunde Gottes gekommen ist, dann handelt ER.

Nachdem Mose seine Enttäuschung erlebt hatte, ergriff er die Flucht und lebte als Fremdling im Lande Midian. „Als dann wieder volle vierzig Jahre vergangen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel in der Feuerflamme eines Dornbusches.“ (V. 30) Als Mose vierzig Jahre alt war, nahte sich die Zeit — als er 80 Jahre alt wurde, war sie da. Jetzt sprach der HErr aus dem Feuer heraus: „Ziehe dir die Schuhe ab von den Füßen; denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliges Land.“ (Apg. 7,33-34) Zuerst ging Mose mit 40 Jahren; als er 80 war, sandte ihn der HErr, denn die Stunde Gottes hatte geschlagen. Als er selbst die Zeit festlegte, geschah nichts; das Volk wurde weder befreit noch hinausgeführt. Doch als die Zeit erfüllet ward, löste Gott Seine Verheißung ein. Mit erhobenem Arm vollführte ER Sein Werk. Genauso wird es jetzt sein. Damals geschah es an dem natürlichen, jetzt an dem geistlichen Samen Abrahams.

Manchmal hört man die Redewendung: „Ein Prophet macht keinen Fehler.“ Mose machte keinen Fehler in der Verkündigung. Die Verheißung, das Wort, die Botschaft — alles war richtig. Er war der von Gott gesandte Prophet. Lediglich die zeitliche Fixierung brachte Not für ihn und Bedrückung für das Volk. Das mußte dem größten Propheten passieren, den Israel hatte. Ist das nicht merkwürdig? Alle, die den Dienst Br. Branhams kennengelernt haben, können bezeugen, daß seit den Tagen Jesu Christi kein Mensch mit einer solchen Bestätigung und Vollmacht über diese Erde ging, wie dieser Gottesmann. Seine Verkündigung ist biblisch und umfaßt den ganzen Heilsratschluß. Was jedoch eine zeitliche Festlegung betrifft, so hat man ihn mißverstanden. Es ist bekannt, daß er das Jahr 1977 erwähnt hat. Das geschah drei Mal: in einer Predigt am 13. 11. 1960; im Dezember 1960, während er über die sieben Gemeindezeitalter sprach; und im August 1961 in den Predigten über die 70 Jahrwochen Daniels. Nach Öffnung der Siegel im März 1963 hat Br. Branham das Jahr 1977 kein einziges Mal mehr erwähnt. Die eigentlichen Aussprüche führten zu keinen Mißverständnissen, wohl aber die Überbetonung dieser Aussprüche nach seinem Heimgang.

In der Predigt „The Seventy Weeks of Daniel“ bezieht er sich auf das englische Geschichtsbuch: „Usher's Chronology of the Hebrews“ und zitiert, daß seit der Zeit, als Gott dem Abraham die Verheißung gab, bis zu dem Jahr 33 n. Chr., als Christus von den Juden verworfen wurde, 1954 Jahre vergingen. Gleich darauf sagte er, von 33 n. Chr. bis 1977 hätte auch die Gemeinde aus den Heiden die gleiche Zeitspanne von 1954 Jahren gehabt. Doch es fällt uns auf, daß man sich dabei um zehn Jahre verrechnet hat. Der Dienst eines Propheten kann nicht an einem Zitat gemessen werden, sondern an der Gesamt-Verkündigung der göttlichen Botschaft. Kein Prophet, auch nicht der größte, sei es in Israel oder in der Gemeinde, wurde beauftragt, die Zeit festzulegen. Das hatte auch Br. Branham nicht vor. Gott allein hat sich das Recht vorbehalten. Gott schaut weder auf den Kalender noch auf die Uhr. ER wacht lediglich über Seinem Wort, um es zur rechten Zeit zu erfüllen. Wir wollen daraus lernen, daß es nicht genügt, wenn die Zeit nahe ist. Sie muß da sein. Bei Gott gibt es keine Verspätung.

Es schadet keinem Gläubigen, in der Erwartung zu leben, die Erfüllung der biblischen Verheißungen zu sehen, dementsprechend zu handeln und zu wandeln. Schon während der Zeit der Apostel hat man auf die Wiederkunft Jesu Christi gewartet. Alle wahrhaft Gläubigen in den vergangenen Jahrhunderten taten es, und es ist dem HErrn wohlgefällig. Sie werden bei der ersten Auferstehung dabei sein. Es darf nicht passieren, daß man jetzt sagt: „Mein HErr kommt noch lange nicht.“ Nein, die Zeit ist nahe, sehr nahe. Sie kann jeden Augenblick da sein. Vielleicht hat Br. Branham das Jahr 1977 erwähnen müssen, damit das Wort aus 2. Pt 3 erfüllt werden kann, daß die Spötter kommen und fragen: „Wo ist nun Seine verheißene Wiederkunft?“ Diese Schriftstelle ist bis jetzt noch nicht erfüllt. Wenn jemand kommt und uns über die Wiederkunft Christi zur Rede stellt, dann sollten wir mit der Heiligen Schrift antworten und sagen, daß wir darauf gewartet haben, auf daß die Schrift erfüllet werde. Es werden fromme Spötter sein, mit denen wir es zu tun bekommen, die anderen kümmern sich gar nicht darum. Doch wir sind getrost, denn im Reiche Gottes geschieht nichts, es sei denn, der HErr hat es zugelassen oder so gefügt.

Unsere Antwort steht im Petrus-Brief: „Der HErr ist mit der Verheissung nicht säumig, wie manche Leute eine Säumigkeit sehen, sondern ER übt Langmut gegen euch, weil ER nicht will, daß einige verloren gehen, sondern daß alle zur Buße gelangen.“ In allem sollen wir die Treue und Barmherzigkeit unseres Gottes erkennen und keinem Menschen einen Vorwurf machen. Denen, die Gott lieben, dienen wirklich alle Dinge zum Besten. (Rm 8,28)

Ich hoffe, daß die teuren Brüder, die an die Unfehlbarkeit eines Menschen glauben, zur Unfehlbarkeit des Wortes Gottes zurückfinden. Meine Aufgabe kann nur in der Verkündigung des Wortes Gottes, in der Austeilung der geistlichen Speise bestehen. Die Mißverständnisse sind nur deshalb gekommen, weil Dinge aus dem Zusammenhang gerissen und anders dargestellt wurden. Die Zeit ist da, in der die Wahrheiten der biblischen Botschaft zur Hauptverkündigung werden müssen. Alles andere wird sich dann von selbst finden.

Es gibt Brüder, die unbiblische Behauptungen aufstellen und damit Unruhe unter die Gläubigen bringen. Mit einem direkten Auftrag ist natürlich eine ungeheure Verantwortung verbunden. Von selbst eingesetzte Männer, die sich gern auf den Prophetenstuhl begeben und sich mit Zitaten schmücken, werden von den wahrhaft Gläubigen am Worte geprüft. Das Verständnis für alles Göttliche kann nur der HErr geben. „Wahrlich, sie werden alle von Gott gelehrt sein.“ (Joh. 6,45) Auch Offbg. 10 ist sonnenklar, wenn man den Zusammenhang sieht und nichts eigenmächtig deutet. Der vielgebrauchte Ausspruch: „Es ist eine Offenbarung“ kann nur die Fehlgeleiteten beeindrucken. Jede göttliche Offenbarung steht fest auf dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift. Alles andere ist ein Trugspiel. Ich habe bereits in der letzten Broschüre und in einem Rundbrief darüber geschrieben. Erstens muß die Bibel ganz klar aussagen, was wir sagen, und zweitens wird alles, was von Gott kommt, die wahrhaft Gläubigen untereinander verbinden. Alles, was Gott gemäß Seinem Wort tut, ist frei von Rechthaberei und dient zur Auferbauung der Gemeinde. Jeder Gläubige muß jetzt seinen Stand in Christus und auf dem Fundament des Wortes finden. Der Ausspruch: „Die Auserwählten können nicht verführt werden“, kann zu einem frommen Schlagwort werden, das jeder für sich in Anspruch nimmt, ohne sich bewußt zu werden, daß der Feind überall sein Wesen treibt und verführt, wo man sich auch nur im Geringsten vom Worte Gottes entfernt. Wo die Bibel schweigt, da wollen wir schweigen, wo sie redet, da wollen wir reden.

Es darf nicht nur einen geistlichen Anschein haben und fromm dekoriert sein, es muß biblisch sein. Wir können auf eine Stimulation, die durch menschliche Begeisterung hervorgerufen wird, verzichten. Wir wollen warten, bis die Stunde Gottes schlägt und der HErr selbst Seine Auferstehungskraft unter Seinem Volke kundtut, damit die Kinder Gottes offenbar werden. Hochfahrende Reden nützen uns nicht; wir müssen Gott erleben. Solange Menschen reden, ist die Stunde nahe, wenn Gott handelt, ist sie da. Es bleibt dabei, daß der HErr Sein eigener Ausleger ist und die Dinge, die ER verheißen hat, zur rechten Zeit tut. Was ER der Gemeinde zugedacht hat, das wird ER selbst geben und ausführen. Die verschiedenen Deutungen bringen nur Verwirrung und Uneinigkeit. Wir sind in großer Erwartung. Der HErr vollende Sein Werk und komme bald.