Circular Letter

RUNDBRIEF MÄRZ 1986

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 5 calendar_month 14. 3. 1986

Navigate

Kapitoly

expand_more

Navigate

Kapitoly

Jump to any chapter without leaving the reader.

Die wahrhaft Gläubigen werden bis ans Ende von Menschen, die sich auch als gläubig bezeichnen, aber in Wirklichkeit nicht Same Gottes sind, angefeindet werden. Sie können in drei Kategorien eingeteilt werden, wie Juda es in seinem Brief so treffend angedeutet hat: „Wehe ihnen! Sie sind auf dem Wege Kains gegangen, haben sich aus Gewinnsucht in die Verirrung Bileams verstricken lassen und sich durch ihre Auflehnung wie einst Korah ins Verderben gestürzt. Dies sind die Leute, die bei euren Liebesmahlen als Schmutzflecken ohne Scheu mitschmausen und es sich dabei wohl sein lassen.“ (11-12) Damit die Auserwählten die Machenschaften des Feindes besser unterscheiden können, sollen die Merkmale kurz erwähnt werden. Der Juda-Brief gibt drei Erkennungszeichen: den Weg Kains – die Verirrung Bileams – die Auflehnung Korahs.

Mit Kain werden diejenigen verglichen, die Gott nach eigenem Ermessen dienen und ihre Opfer darbringen, ohne eine Beziehung zu Ihm zu haben. Es gibt Menschen, die Gott aus Furcht verehren, aber Seinen Willen nicht erkannt haben. Sie beten an, führen ein gutes Leben, legen ihre Opfer auf den Altar, und dennoch bekennt sich Gott nicht zu ihnen. Wie bei Kain kommt keine Antwort, keine übernatürliche Bestätigung, von oben. Dem Abel wurde durch Glauben der Wille Gottes, nämlich die Sühne durch das Blut geoffenbart. Das ist der Unterschied. Er wußte, was auf den Altar gehört, um Gott wohlgefällig zu sein.

In Kain stiegen Haß, Neid und Eifersucht auf. Dasselbe geschieht in allen, die von seiner Art sind. Irgendwann bricht das eigentliche böse Wesen, das vorher mit Frömmigkeit reich dekoriert ist, durch. Als Endergebnis steht dann nur noch eines fest: Mord – Brudermord. Jeder, der mit eigenen Werken vor Gott tritt, muß eines Tages feststellen, daß er auf seine Weise bei Gott nichts erreicht. Finster senkt sich sein Angesicht (1. Mose 4, 5), und er wartet nur noch auf die passende Gelegenheit, sich zu rächen. So tat es Kain, der vom Bösen war, und so tun es alle, die in seinen Wegen wandeln und vom Argen motiviert werden. Wir beziehen uns auf die vorhin gelesene Stelle. Solche Menschen befinden sich mitten unter den Gläubigen. Sie morden allerdings nicht leiblich, sondern geistlich. Rufmord genügt.

Als zweites wird uns berichtet, daß es Menschen in der Gemeinde gibt, die mit Bileam verglichen werden. Die Heilige Schrift spricht in diesem Zusammenhang von der Verirrung aus Gewinnsucht, von dem Weg (2Pt 2:15) und schließlich von der Lehre Bileams (Offb 2:14). Worin hat sich der auf Lohn bedachte Bileam geirrt? Alle Menschen irren, denn Irren ist ja bekanntlich menschlich. Ist damit nur etwas Belangloses gemeint? Nein, gewiß nicht. Hier geht es um einen ganz bestimmten Irrtum. Bileam irrte sich in der Einschätzung des Volkes Gottes. Er begriff nicht, daß sich Gottes Erbarmen, Erlösung und Herausführung auf die Menschen mit all ihren Schwächen und Gebrechen erstreckte. Er irrte sich, indem er unbeachtet ließ, daß vor dem Auszug Lämmer geschlachtet worden waren, um Sühne zu erwirken. Er verstand auch nicht, warum Mose die eherne Schlange an den Pfahl anbringen ließ. Weil Bileam keine Einsicht in den Heilsplan Gottes hatte, wußte er nicht, was dort vor sich ging.

Bruder Branham erwähnt es sinngemäß in der Predigt „Vereinigt unter ein Haupt“ , Cass. Nr. 1, wie folgt: „Bileam sah die erhöhte Schlange und den geschlagenen Felsen nicht.“ Hier ging es also nicht um irgendeinen Irrtum, sondern um den Irrtum, das Volk Gottes nach menschlichen Maßstäben zu beurteilen. In seiner Verblendung sah Bileam nur die Fehler und Schwächen der Israeliten, aber nicht das, was Gott an Seinem Volk getan hatte. Er erkannte nicht, daß Gott einen Bund geschlossen und es über Abraham, Isaak und Jakob zu Seinem Eigentum erwählt hatte. Solche Leute befinden sich unter uns.

Entweder glauben wir, daß wir das sind, was Gott aus uns gemacht hat, oder wir befinden uns außerhalb des Planes und des Willens Gottes. Wer das Erlösungswerk durch das Lamm Gottes im Glauben erkannt hat, braucht auf kein Menschenurteil zu hören. Er nimmt die völlige Versöhnung für sich selbst in Anspruch und gesteht sie auch jedem anderen zu. Wer den geschlagenen Felsen aber nicht im Glauben sieht und die ewiggültige Erlösung nicht voll gelten läßt, befindet sich im Irrtum und hat den Heilsratschluß Gottes nicht erkannt. Manche möchten wie Bileam direkt losfluchen, wenn sie an einem Gläubigen oder an der Gemeinde menschliche Versagen oder Vergehen feststellen. Sie schauen an Golgatha vorbei und merken gar nicht, daß sie in Selbstgerechtigkeit einhergehen, die sich als Pharisäertum gebärdet und die Verurteilung anderer zur Folge hat.

Wer jedoch das vollbrachte Erlösungswerk und Christus, den Gekreuzigten, im Glauben annimmt, der wird in den gläubiggewordenen Menschen teuer erkaufte Gotteskinder ohne Flecken und ohne Runzeln sehen. An Israel gab es genügend zu beanstanden, angefangen bei Mose und Aaron, bis hin zum ganzen Volk. Auch heute könnte man viel Menschliches an den Auserwählten bemängeln, doch der treue Gott, der den ersten Bund in Seiner Souveränität geschlossen hat, der hat auch den zweiten Bund bedingungslos gestiftet. ER hat alle Übertretungen vergeben und uns Seine Gnade zuteil werden lassen. Wir können von keinem Fluch Bileams getroffen werden, denn wen Gott segnet, der bleibt gesegnet.

Bileam betätigte sich als Prophet, gehörte aber nicht zum Volk Israel. Kein anderer Prophet hat den Mund so voll genommen wie er. Auch Juda schreibt von Leuten, die hochfahrende Reden führen (Vers 16). Bileam sagte: „So spricht Bileam, der Sohn Beors, und so spricht der Mann, dessen Augen erschlossen sind; so spricht der, der Gottes Worte vernimmt und die Gedanken des Höchsten kennt, der die Offenbarungen des Allmächtigen schaut, der hingesunken ist und dessen Augen enthüllt sind.“ (4M 24:4) Trotz dieser salbungsvollen, wohlklingenden Worte kannte er die Gedanken Gottes in der Tat nicht. Heute gibt es auch solche, die von besonderen Offenbarungen reden und meinen, Seine Gedanken zu kennen. Bei genauerer Betrachtung stehen ihre Aussagen aber im Gegensatz zu dem, was der Prophet gemäß dem Wort gesagt hat.

Bileam war nichts anderes als ein falscher Gesalbter, der allerdings unter der Inspiration des Geistes Gottes nur das vortragen konnte, was Gott ihm geboten hatte. Ein solches Bekenntnis, wie Bileam es hatte, nützt überhaupt nichts, wenn im Herzen der Vorsatz ist, der Gemeinde des lebendigen Gottes Schaden zuzufügen. Bileam hatte nicht das SO SPRICHT DER HERR, deshalb begann er seine Rede mit der Formulierung: „So spricht Bileam, der Sohn Beors.“ Mose war zu der Zeit der Prophet mit dem SO SPRICHT DER HERR. Wie Bruder Branham des öfteren betonte, hat Gott immer nur einen genommen, den Er mit einem bestimmten Auftrag betraute. Wer meint, Gott habe ja auch durch Bileam geredet, der bedenke, daß Er auch durch den Mund der Eselin sprach, auf der Bileam ritt.

Während sich das Handeln der beiden Erstgenannten ganz eindeutig und von vornherein gegen die Gemeinde des HErrn richtete, ist es mit der Gruppe, die mit Korah verglichen wird, auf den ersten Blick nicht so. Umso größeren Schaden kann dem Volke Gottes durch sie zugefügt werden. Korah stammte direkt aus der Priesterlinie des Stammes Levi und war ein Cousin Moses. Sonderbarerweise gab der Enkel Levis dem Sohn, der später zum Aufwiegler werden würde, den Namen Korah. Das erinnert uns an Esau, der sein Erstgeburtsrecht verkaufte und in dessen Linie schon der Name Korah wiederholt vorkommt (1M 36). Dieser Korah, dem das Erstgeburtsrecht zugedacht war, gehörte zu dem priesterlichen Geschlecht, das den Dienst im Tempel zu verrichten hatte. Durch seine Auflehnung stürzte er sich mit seinem ganzen Anhang ins Verderben und brachte viel Not über das Volk Gottes.

Zuerst gelang es ihm, die Vorsteher des Volkes gegen Mose und Aaron aufzuwiegeln, so daß sie ihnen vorwarfen: „Ihr beansprucht für euch zu viel; denn die ganze Gemeinde, alle ohne Ausnahme sind heilig, weil der HErr in ihrer Mitte weilt; warum erhebt ihr euch da über die Gemeinde des HErrn?“ (4M 16:1-3) Dann wagte er, sogar die ganze Gemeinde am Eingang zum Offenbarungszelt gegen die Knechte des HErrn zu versammeln (Vers 19). Gerade an dem Ort, wo der HErr mit Mose redete, ließen sich alle von Korah betören. Unfaßbar, nicht wahr? Niemand ist leichtgläubiger und ahnungsloser als die Gläubigen. Es handelte sich um eine Sache, die unter falscher Inspiration hinter dem Rücken des Gottesmannes und in Auflehnung gegen ihn und Aaron veranstaltet wurde. Was äußerlich wie ein Versammeln zum Gottesdienst aussah, war in Wirklichkeit eine Zusammenrottung. Sehen wir nicht die gleichen Organisations-und Denominations-Geister jetzt wirksam? Die besonderen Richtungen innerhalb der Botschaft werden immer deutlicher. So fingen alle Denominationen an: Prediger und entstehende Gemeinden legten sich auf einen gemeinsamen Kurs fest. Das ist der Anfang vom Ende.

Dathan und Abiram gingen in ihrer Auflehnung gegen Mose so weit, daß sie nicht einmal kamen, als er sie rufen ließ. Anstatt daß diese Männer den Respekt bewahrt hätten und gekommen wären, lieBen sie mitteilen: „Wir kommen nicht zu dir hinauf! … Willst du dich gar noch zum Herrscher über uns aufwerfen? … Willst du etwa den Leuten hier Sand in die Augen streuen?“ (4M 16:12-15)

Ihr Ende kann in den Versen 25-35 nachgelesen werden. Sie hatten jeden Respekt vor dem Knecht Gottes verloren. Bruder Branham führt diesen Gedanken in seiner Predigt Respekt, Serie VIII, Nr. 9, näher aus. Knechte Gottes haben nicht nur Worte, sie haben Erlebnisse mit Gott, die ihnen keiner streitig machen kann.

Wir werden im Neuen Testament auf diese Dinge hingewiesen, um daraus unsere besonderen Lektionen zu ziehen. Gott und Gottes Wort ändern sich nicht. Seine Entscheidungen gelten für immer, doch sollte keiner so naiv sein zu denken, daß der Teufel seine Strategie geändert hat. Jene Männer haben nach eigenem Ermessen gehandelt.

Aus Geltungsdrang haben sie in ein fremdes Amt eingegriffen und die ganze Gemeinde unter ihren Einfluß gebracht, so daß sie Mose am liebsten gesteinigt hätten. Mose wurde als Sündenbock hingestellt und Aaron mit ihm. Deshalb rief die ganze Gemeinde nach dem Strafgericht, das über die Anführer kam, aus: „Ihr habt das Volk des HErrn umgebracht!“ (4M 17:6). Die Tatsachen wurden auf den Kopf gestellt. Die wirklichen Aufwiegler wurden von den Leuten als unschuldig betrachtet, und der Unschuldige wurde angeprangert. Erst als Gott auch unter dem Volk ein Sterben ausbrechen ließ und mehr als 15.000 Menschen ums Leben gekommen waren, fand der Aufstand ein Ende. Als sie sich gegen Mose und Aaron zusammenrotteten, war es im Grunde genommen eine Auflehnung gegen Gott, die Seinen Zorn erregte.

Auch in dieser Zeit wird die Gemeinde des lebendigen Gottes von mancherlei Dingen heimgesucht. Aufruhr, Parteiungen, Zusammenrottung usw. sind überall, und viele ahnungslose Gotteskinder werden mitgerissen, ehe sie es begreifen. Wir müssen das Wirken Gottes von den Machenschaften Satans unterscheiden lernen, um nicht weiter vom Teufel genarrt zu werden. Zu viele Seelen, die nicht zum Tode bestimmt waren, sind bereits getötet worden, wie der Prophet Hesekiel es in Kap. 13, 18-19 gesagt hat.

Ein wahres Kind Gottes sinnt auf nichts Böses in Seinem Herzen, und deshalb rechnet es auch nicht mit boshaften Anschlägen. Diese Erfahrung mußte auch der Prophet Jeremia machen. Er schreibt in Kap. 11, 19: „Ich selbst war wie ein argloses Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und ahnte nicht, daß sie böse Anschläge gegen mich schmiedeten: ,Laßt uns den Baum samt seinen Früchten vernichten und ihn aus dem Lande der Lebenden ausrotten, daß seines Namens nicht mehr gedacht wird!’“

Von welcher Art sind Gläubige, die verdächtigen und verleumden? Wer vom Geist Christi durchdrungen ist, wird fragen: „HErr, was hättest Du getan?“, und wird nichts tun, was zum Nachteil eines einzelnen oder der Gemeinde ist. Der HErr ist doch nicht selbstzerstörerisch tätig, indem Er Seinem Leib Schaden zufügt. Wenn wir wirklich zu diesem Leibe gehören, tragen wir als Glieder in allem zur Auferbauung bei. Das Wesen Christi mit all Seinen Eigenschaften wird dann durch uns offenbar; auch die Liebe Gottes zueinander.

Menschlich betrachtet könnten wir an allen Propheten, Männern Gottes und Gläubigen etwas aussetzen, und zum Schluß fänden wir auch noch etwas an uns selbst. Doch darum geht es ja gar nicht. Es geht um Entscheidungen Gottes, um Erwählung und Vorherbestimmung, um Gaben und Berufungen, die Ihn nicht gereuen können. Wir sehen einander, wie Gott uns sieht, und danken Ihm dafür, daß Er aus fehlbaren Menschenkindern vollkommene Gotteskinder gemacht hat. Es geschah durch das vollkommene Sühnopfer des Gotteslammes auf Golgatha.

Könnten wir doch aus den vielen Lektionen für die Zukunft lernen und das, was geschieht, recht beurteilen und einordnen. Nicht alles, was angeblich im Namen des HErrn getan wird, geschieht nach Seinem Willen. Nicht alle Versammlungen, die abgehalten werden, dienen zur Auferbauung der Gemeinde, auch wenn vom geoffenbarten Wort die Rede ist. Oft sind versteckt Parteigeister wirksam, die zu Auflehnung und Zusammenrottung gegen einen bestätigten Dienst anstiften. Gemäß Eph. 4:11-16 ist jeder von Gott eingesetzte Dienst zur Auferbauung der Gesamtgemeinde bestimmt.

Wie am Anfang so baut der HErr auch jetzt Seine Gemeinde, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Die zu ihr Gehörenden werden ein Herz und eine Seele sein. Ganz am Ende wird sie aus Menschen mit reinen Herzen, reinen Lippen und reinen Gedanken bestehen.