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Taufe, Abendmahl, Fußwaschung

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 4 calendar_month 18. 1. 2006

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Ehe wir uns mit dem Abendmahl befassen, müssen wir auf das Passahmahl eingehen. Die natürliche Vorschattierung des Alten Testaments mündet in der überna tür lichen Wirklichkeit des Neuen. 

Die Feier des Passahmahles gehört noch heute zu den wichtigsten Festen der jüdischen Gemeinde. Den Israeliten gab der HERR die Weisung, daß für jede Familie ein Lamm geschlachtet, das Fleisch gegessen und das Blut an die Türrahmen der Häuser gestrichen werden mußte (2. Mose 12). Wohlbemerkt: nicht auf die Türschwelle, damit das Blut nicht mit Füßen getreten würde! 

Das hebräische Wort „Pesach“ bedeutet „schonend vorübergehen“. Während alle erstgeborenen Söhne der Ägypter durch den Würgeengel getötet wurden, blieben die erstgeborenen Söhne Israels verschont. Denn so hat der HERR gesagt: „Dabei soll dann das Blut an den Häusern, in denen ihr euch befindet, ein Zeichen zu eurem Schutz sein; denn wenn Ich das Blut sehe, will Ich schonend an euch vorübergehen, und es soll euch kein tödliches Verderben treffen, wenn Ich den Schlag gegen das Land Ägypten führe.“ (2. Mose 12, 13). 

Das Blut des Passahlammes bewirkte die Sühne, und gleichzeitig war es ein Zeichen zum Schutz vor dem Strafgericht Gottes. Während in allen Häusern der Ägypter Wehgeschrei und Totenklage wegen des vernichtenden Schlages zu hören war, befanden sich die Israeliten in ihren Häusern in absoluter Geborgenheit. Der Zorn Gottes konnte sie nicht treffen, denn das Lamm war stellvertretend für sie geopfert worden. Ebenso können auch die Erlösten weder vom Zorngericht Gottes getroffen noch jemals bestraft werden, weil das Blut des Lammes Gottes ihre Sühne und ihr Schutz ist. An die Gemeinde schreibt Paulus: „… denn es ist ja auch unser Passahlamm geschlachtet worden: Christus“ (1. Kor. 5, 7). „Unsere Strafe war auf Ihn gelegt, damit wir Frieden hätten“ (Jes. 53, 5). Durch Seinen Tod empfingen wir unsere Versöhnung und ewiges Leben. 

Durch Mose ließ der HERR den Tag, an dem das Passah gehalten wurde und der Auszug stattfand, zu einem Gedächtnis anordnen: „Dieser Tag soll dann für euch ein Gedächtnistag sein, den ihr zu Ehren des HERRN festlich begehen sollt! Von Geschlecht zu Geschlecht sollt ihr ihn als eine ewige Satzung feiern“ (2. Mose 12, 14). In den Versen 26-27 wird das noch einmal bekräftigt: „Wenn eure Kinder euch dann fragen: ,Was bedeutet dieser Brauch bei euch?‘ so sollt ihr antworten: ,Es ist das Passahopfer für den HERRN, der in Ägypten an den Häusern der Israeliten schonend vorübergegangen ist: während Er die Ägypter sterben ließ, hat Er unsere Häuser verschont.‘“ 

In gleicher Weise wird das Abendmahl zum Andenken an unsere Erlösung gefeiert, und zwar, bis der HERR wiederkommt (1. Kor. 11, 26). Einerseits blicken wir zurück zu dem großen Versöhnungstag, andererseits schauen wir aus nach jenem glorreichen Tag, an dem alle Versöhnten mit ihrem Erlöser das große Abendmahl in der Herrlichkeit feiern werden. Der HERR sagte bei Einsetzung des Abendmahles: „Dies tut zu Meinem Gedächtnis!“ (Luk. 22, 19). Wir gedenken beim Abendmahl des vollbrachten Erlösungswerkes und vergegenwärtigen uns dabei jedesmal neu, was für uns am Kreuz geschah. 

Das Passahlamm wurde stellvertretend geopfert und mit ungesäuertem Brot gegessen. Es steht geschrieben: „Sieben Tage lang sollt ihr ungesäuertes Brot essen; gleich am ersten Tage sollt ihr allen Sauerteig aus euren Häusern entfernen; denn jeder, der vom ersten bis zum siebten Tage gesäuertes Brot ißt, ein solcher Mensch soll aus Israel ausgerottet werden!“ (2. Mose 12, 15). Diese Anordnung mußte ernstgenommen und befolgt werden. 

Die Einsetzung des Passahmahles fand direkt vor der Herausführung und Befreiung Israels aus Ägypten statt. Das Abendmahl wurde während des Passahmahles, direkt vor der Kreuzigung und damit vor der Erlösung der Gemeinde, eingesetzt. „Als dann die Stunde gekommen war, setzte Er sich zu Tisch und die Apostel mit Ihm. Da sagte Er zu ihnen: ,Herzlich habe Ich Mich danach gesehnt, dieses Passahmahl vor Meinem Leiden noch mit euch zu essen; denn Ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es im Reiche Gottes seine Vollendung findet‘“ (Luk. 22, 14-14). In den Versen 7-13 wird uns berichtet, daß der HERR Petrus und Johannes mit der Weisung absandte: „Geht hin und richtet uns das Passahmahl zu, damit wir es essen können!“ Als sie bei dem Hauseigentümer angekommen waren, sprachen sie: „Der Meister läßt dich fragen: ,Wo ist der Speisesaal, in welchem Ich das Passahlamm mit Meinen Jüngern essen kann?‘“ 

In Matth. 26, 26 lesen wir: „Während des Essens aber nahm Jesus das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es den Jüngern mit den Worten: ,Nehmt, esset! Dies ist Mein Leib.‘“ Der HERR war leibhaftig gegenwärtig, als Er das Brot in Seine Hände nahm und diese Worte aussprach. In Seinen Händen hielt Er nicht Seinen Leib, sondern das ungesäuerte Brot, das zum Passahfest gebacken worden war. 

Bei einer biblischen Abendmahlsfeier wird ein Brot verwendet, das keinen Sauerteig enthält. Dieses Brot wird unter Gebet geweiht und gesegnet. Daraufhin wird es gebrochen und ausgeteilt. Während die Gläubigen von dem gebrochenen Brot nehmen, sind sie sich dessen bewußt, daß der Leib Christi gemartert und gekreuzigt wurde. Sie erkennen zugleich, daß sie durch das, was am Kreuz geschehen ist, zu Seiner Eigentumsgemeinde, zu Seinem Leib, geworden sind. 

Der Apostel Paulus schreibt: „Denn ich habe es meinerseits vom HERRN so überkommen, wie ich es euch auch überliefert habe: Der HERR Jesus, in der Nacht, in der Er verraten wurde, nahm Er Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: ,Dies ist Mein Leib für euch (das „für euch“ darf nicht übersehen werden!) dies tut zu Meinem Gedächtnis!‘ Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: ,Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut, dies tut, so oft ihr ihn trinkt, zu Meinem Gedächtnis! Denn so oft ihr dieses Brot eßt und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des HERRN, bis Er kommt.‘“ (1. Kor. 11, 23-26). 

Paulus konnte sich auf den HERRN selbst berufen, von Ihm die Weisung empfangen zu haben, wie das Abendmahl gefeiert werden soll. Er nimmt dabei Bezug auf die Einsetzung des Abendmahls, die in den Evangelien nachgelesen werden kann. 

In Lukas 22, 20 heißt es: „Ebenso tat Er mit dem Kelch nach dem Mahl und sagte: ,Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ In dem Kelch befand sich Wein. Das Blut des neuen Bundes floß noch in Seinen Adern und wurde erst am Kreuz vergossen. Von einer Wandlung der beiden Elemente in den Leib und das Blut steht nichts geschrieben. Weder Er selbst noch Seine Jünger haben Sein tatsächliches Blut getrunken, ja der HERR sagte wörtlich: „ICH werde von nun an von dem Erzeugnis des Weinstocks nicht mehr trinken, bis das Reich Gottes kommt.“ Brot und Wein repräsentieren den Leib und das Blut Christi, bleiben aber trotzdem Brot und Wein. ER wies doch auf den neuen Bund hin — das Neue Testament, das durch Seinen Tod rechtskräftig wurde. 

Auch opfert sich Christus nicht immer wieder aufs neue, sondern hat sich gemäß Hebr. 10, 12 ein für allemal geopfert und sich dann zur Rechten der Majestät gesetzt. Die Teilnahme am Abendmahl bietet den Gläubigen die besondere Gelegenheit, sich dabei immer wieder vor Gott dessen bewußt zu werden, was durch die Hingabe Seines Leibes und durch das Vergießen Seines Blutes geschehen ist. Jedes Gotteskind wird sich vor dem Abendmahl prüfen und sein Leben neu auf den Altar Gottes legen. Wir vergegenwärtigen uns das Leiden und Sterben Christi und werden innerlich von tiefem Schmerz erfaßt. Es demütigt uns, wenn wir daran denken, welch einen hohen Preis der Erlöser für uns gezahlt hat. Gemäß der Heiligen Schrift ist Er mit Seinem Blut in das himmlische Heiligtum eingegangen, hat es auf dem Gnadenstuhl dargebracht, um uns die ewiggültige Erlösung zu schenken (Hebr. 9, 12). 

Es hat eine Bundesschließung stattgefunden; der Tag des Heils brach an. Wieder müssen wir Altes und Neues Testament miteinander vergleichen. In 2. Mose 24, 6-8 ist von dem Bundesbuch und von dem Volk des Bundes sowie von dem Blut des Bundes die Rede, mit dem das Volk besprengt wurde. Jesus sprach: „Dies ist Mein Blut, das Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Matth. 26, 28). Damit meinte Er Sein reines, heiliges und göttliches Blut, das vergossen werden sollte, und nicht den Wein, der im Kelch war. ER stiftete ein Neues Testament und erwarb ein Bundesvolk, das eine direkte Beziehung zum Buch des Bundes hat. 

Paulus schreibt: „Der Kelch des Segens, den wir segnen: ist er nicht die Gemeinschaft mit dem Blute Christi? Das Brot, das wir brechen: ist es nicht die Gemeinschaft mit dem Leibe Christi? Weil es ein einziges Brot ist, sind wir trotz unserer Vielheit doch ein einziger Leib, denn wir alle teilen uns in das eine Brot“ (1. Kor. 10, 16-17). Diese beiden Verse werden meist nicht beachtet, wenn über das Abendmahl gesprochen oder geschrieben wird. Doch gerade sie zeigen uns die Gemeinde als den Leib, die „Gemeinschaft der Heiligen“, das Ergebnis der Erlösungstat Jesu Christi, der sich in Seinem Leibe für uns hingegeben hat. Das Brot, das beim Abendmahl verwendet wird, versinnbildlicht also einerseits den Leib Christi, der gekreuzigt wurde, und andererseits stellt es die Gemeinde dar, die eine Einheit bildet, obwohl sie aus vielen einzelnen Gliedern besteht. Deshalb wird das eine Brot auch in einzelne Stücke gebrochen und ausgeteilt. 

Der Leib Christi wurde geschlagen und gemartert, aber nicht gebrochen, wie geschrieben steht: „Dies ist nämlich geschehen, damit das Schriftwort erfüllt würde: ,Es soll kein Knochen an Ihm zerbrochen werden.‘ Und noch eine andere Schriftstelle lautet: ,Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.‘“ (Joh. 19, 36-37). Es geht hier um das Geheimnis mit Christus und Seiner Gemeinde, die kraft der Erlösung zu Seinem Leib wurde. Damit sind alle gemeint, die eine völlige Versöhnung und Vergebung erlebt haben. Paulus schreibt: „Denn wie der Leib eine Einheit ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber trotz ihrer Vielheit einen Leib bilden, so ist es auch mit Christus“ (1. Kor. 12, 12). Hierin liegt ein großes Geheimnis. Christus ist nur in Verbindung mit den Gliedern Seines Leibes vollständig. Von Ihm steht geschrieben: „Ferner ist Er das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde“ (Kol. 1, 18). 

So, wie unser irdischer Leib eine Einheit bildet, wobei die Glieder untereinander und mit dem Haupt verbunden sind, ist es auch mit allen Gliedern, die zum Leibe Jesu Christi gehören. 1. Kor. 12, 13 sagt uns, wie wir zu dieser Einheit gelangen: „Denn durch einen Geist sind wir alle durch die Taufe zu einem Leibe zusammengeschlossen worden, wir mögen Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sein, und wir sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ 

Wohlbemerkt: Nicht durch Wasser, sondern durch den Geist, der in allen wirksam werden möchte, die sich im Glauben an Jesus Christus biblisch taufen lassen, werden wir zu dem Leibe des HERRN zusammengefügt. Alle Erlösten, die durch den Heiligen Geist zu dieser göttlichen Einheit gelangen, bilden den Leib des HERRN und sind Ihm, dem Haupt, unterstellt. Sie freuen sich mit jedem, den Gott segnet, und leiden mit denen, die leiden, denn so steht es in 1. Kor. 12, 26: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied besonders geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ 

Wir können an dieser Stelle nicht auf die unterschiedlichen Aufgaben der einzelnen Glieder am Leibe Jesu Christi eingehen, von denen der Apostel Paulus in 1. Kor. 12, 18-20 spricht., wenn er sagt: „Nun aber hat Gott jedem einzelnen Gliede seine besondere Stelle am Leibe angewiesen, wie es Seinem Willen entsprach. Wäre das Ganze nur ein einziges Glied, wo bliebe da der Leib? So aber sind zwar viele Glieder vorhanden, aber es besteht nur ein Leib.“ In Vers 27 faßt er es so zusammen: „Ihr aber seid Christi Leib, und jeder einzelne ist ein Glied daran nach seinem Teil.“ 

Vor der Teilnahme am Mahl mahnt der Apostel die Gläubigen zur Selbstprüfung mit den Worten: „Ein jeder aber prüfe sich und esse dann erst von dem Brot und trinke von dem Kelch! Denn wer da ißt und trinkt, der zieht sich selbst durch sein Essen und Trinken ein Strafurteil zu, wenn er den Leib des HERRN nicht unterscheidet“ (1. Kor. 11, 28-29). Alle, die zum Leibe Christi gehören, erkennen an, daß ihr Strafurteil Ihn, der ohne Schuld war, getroffen hat. Sie vergeben einander völlig und ganz, wie Gott ihnen in Christus vergeben hat. Keiner rechnet dem anderen etwas zu. Sie unterscheiden den erlösten, gerechtfertigten, geheiligten und geweihten Leib des HERRN. Sie sehen einander in und durch Christus, nämlich so, wie Gott sie sieht: sündlos, und kennen einander nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist. 

So, wie das Brot frei von Sauerteig ist, soll die Gemeinde frei von allem sein, was nicht mit Christus und Seinem Wort übereinstimmt. Der HERR Jesus bezeichnete mit dem Begriff „Sauerteig“ die falschen Lehren der religiösen Führer. ER sprach: „,Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!‘ Nun verstanden sie, daß Er nicht hatte sagen wollen, sie sollten sich vor dem bei Broten verwendeten Sauerteig hüten, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer“ (Matth. 16, 11-12). 

Auch Paulus bezieht den Sauerteig auf den geistlichen Bereich: „Wißt ihr nicht, daß schon ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr ein neuer Teig seid; ihr seid ja doch frei von allem Sauerteig; denn es ist ja auch unser Passahlamm geschlachtet worden: Christus. Darum laßt uns Festfeier halten nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Schlechtigkeit und Bosheit, sondern im Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit“ (1. Kor. 5, 6-8). Wer am Abendmahl teilnimmt, bezeugt vor Gott und Menschen, aus der alten Schlechtigkeit und Bosheit in ein neues Leben der Lauterkeit und Wahrheit gekommen zu sein. Das muß tatsächlich geschehen und sich durch ein entsprechendes Leben bewähren. Worte allein genügen nicht, es muß so geworden sein. 

In Röm. 11 nimmt der Apostel Bezug auf die vollkommene Rechtfertigung und Heiligung der zu Seiner Gemeinde Gehörenden, die durch die Erlösungstat am Kreuz bewirkt wurden, und führt aus: „Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, so ist es auch die Teigmasse; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind es auch die Zweige“ (Vers 16). Christus ist das Erstlingsbrot und die Seinen die Teigmasse. ER ist der Erstling, und alle aus dem Samen Gottes Geborenen bilden die Erstlingsschar; Er ist die Wurzel, und die wahrhaft Gläubigen sind die fruchttragenden Zweige. Jesus Christus ist der Weinstock — wir sind die Reben. So gewiß im Natürlichen die Reben den Lebenssaft aus den Wurzeln des Weinstocks erhalten und dann seine Frucht tragen, so gewiß haben alle von Gott Gezeugten das göttliche Leben in sich und tragen die Früchte des Heiligen Geistes. Sie offenbaren das Wesen Christi und damit die göttliche Natur, der sie teilhaftig geworden sind. In dem Zusammenhang schreibt Petrus: „Eben darum müßt ihr aber auch mit Aufbietung allen Eifers in eurem Glauben die Tugend darreichen, in der Tugend die Erkenntnis, in der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung die Standhaftigkeit, in der Standhaftigkeit die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit die Bruderliebe, in der Bruderliebe die allgemeine Liebe.“ (2. Petr. 1, 5-7). Hier haben wir es nicht mit einer Lehre oder Erkenntnis zu tun, sondern mit der göttlichen Realität in den Gläubigen. Die Forderung lautet: „… werdet nach dem Vorbild des Heiligen, der euch berufen hat, gleichfalls in eurem ganzen Wandel heilig, weil ja doch geschrieben steht: , Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig!‘ Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach dem Werk eines jeden richtet, so führet euren Wandel in Furcht während der Zeit eurer Fremdlingschaft“ (1. Petr. 1, 15-17). 

Notwendige Klärung 

Aufgrund überlieferter aber unbiblischer Traditionen glauben viele an die tatsächliche Verwandlung der beiden Substanzen in das Blut und den Leib Christi. Würde das wirklich geschehen, so wäre das einfach furchtbar. Wer könnte sich vorstellen, daß dann der heilige Leib und das heilige Blut unzählige Male dem natürlichen Lauf der Vergänglichkeit preisgegeben würden? Das ist völlig ausgeschlossen, allein der Gedanke daran kommt einer Gotteslästerung gleich. 

So, wie die Juden damals die Worte des HERRN mißverstanden haben, weil sie ihre geistliche Bedeutung nicht erkannten, herrscht auch Unklarheit darüber unter den Christen. Damals hatten die Zuhörer den Eindruck, daß der HERR sie zum direkten Ungehorsam gegen das Gesetz verleiten wollte, als Er sagte: „Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben.“ (Joh. 6, 54). Alle wußten, daß in 3. Mose 17, 10-12 geschrieben steht: „Wer irgend welches Blut genießt, gegen einen solchen Menschen, der Blut genießt, will Ich Mein Angesicht richten und ihn aus der Mitte Seines Volkes ausrotten. Denn das Leben des Leibes liegt im Blut, und Ich habe es für den Altar bestimmt, damit ihr euch dadurch Sühne für eure Sünden erwirkt; denn das Blut ist es, das Sühne durch das in ihm enthaltene Leben bewirkt. Darum habe Ich den Israeliten geboten: Niemand von euch darf Blut genießen! Auch der Fremdling, der als Gast unter euch lebt, darf kein Blut genießen!“ Aus diesem Grund waren die Juden entsetzt über das, was Jesus zu ihnen sagte. 

Die beiden irdischen Symbole weisen doch nur auf das Geistliche hin. Gott kann nicht einerseits den Blutgenuß so streng verbieten und ihn dann aber fordern. Wer Brot und Wein zu sich nimmt, der bekennt sich zu dem, was durch den Kreuzestod geschah. Es ist ja ein „Gedächtnismahl“. Die Erlösung geschieht nicht beim Abendmahl, sie geschah auf Golgatha. Doch beim Abendmahl wird sie uns veranschaulicht und vergegenwärtigt. 

In Joh. 6 lesen wir von der wunderbaren Brotvermehrung und der Speisung der großen Volksmenge. Als sie Ihn dann am nächsten Tag suchten, sprach Er zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich Ich sage euch: Ihr sucht Mich nicht deshalb, weil ihr Wunderzeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Verschafft euch doch nicht die Speise, die vergänglich ist, sondern Speise, die für das ewige Leben vorhält und die der Menschensohn euch geben wird.“ (Joh. 6, 26-27). 

ER sprach von Brot, von Speise, vom ewigen Leben, und die Zuhörer erinnerten sich an die Speisung des Volkes Israel im Alten Testament, deshalb riefen sie aus: „Unsere Väter haben das Manna in der Wüste zu essen bekommen, wie geschrieben steht: ,Brot aus dem Himmel gab Er ihnen zu essen.‘“ (Vers 31). 

Jesus knüpfte an diesen Gedanken an und sagte zu ihnen: „,Wahrhlich, wahrlich Ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Himmelsbrot gegeben, sondern Mein Vater gibt euch das wahre Himmelsbrot; denn das Brot Gottes ist das, welches aus dem Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.‘ Da riefen sie Ihm zu: ,HERR, gib uns dieses Brot allezeit!‘ Da sagte Jesus zu ihnen: ,ICH bin das Brot des Lebens! Wer zu Mir kommt, den wird nimmermehr hungern, und wer an Mich glaubt, den wird niemals wieder dürsten!‘“ Das ist eine klare Antwort, die keine eigenmächtige Deutung zuläßt. Wie wir irdisches Brot essen und physisch leben, so haben wir Teil an Ihm, der das Brot des Lebens ist, und dürfen ewig leben. 

Der HERR Jesus stellt sich uns als das lebendige, vom Himmel herabgekommene Brot dar, durch welches der Welt ewiges — göttliches Leben geschenkt wird. Dann hebt Er hervor: „Wahrlich, wahrlich Ich sage euch: Wer da glaubt, hat ewiges Leben! ICH bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind dann doch gestorben; hier dagegen ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. ICH bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist: wenn jemand von diesem Brote ißt, so wird er ewiglich leben; und zwar ist das Brot, das Ich geben werde, Mein Fleisch für das Leben der Welt.“ (47-51). 

Das ist Evangelium! ER hat sich in Seinem Fleischesleibe geopfert, damit wir aus unserem Fleischesleib erlöst würden und ewiges Leben empfingen. Himmlisches Brot wird nicht auf Erden gebacken, göttliche Speise kommt nicht aus Menschen hand. Der HERR hat sich geopfert und kreuzigen lassen, damit alle, die an dieses vollbrachte Erlösungswerk glauben, durch Ihn das ewige Leben empfangen und geistlich von Ihm genährt werden. ER ist das Brot des Lebens, wir sind Seiner teilhaftig geworden im Geiste, wie Er unser teilhaftig wurde im Fleische. ER hat uns in Sein Reich zurückversetzt. 

Die Juden gerieten in Streit untereinander und sagten: „Wie kann dieser uns Sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh. 6, 52). Heute streiten die Christen darüber. Wie wir bereits dargelegt haben, geht es um das Lamm Gottes, dessen Leben hingegeben wurde. Das Blut war zur Versöhnung bestimmt und mußte auf dem Altar für die Sünden dargebracht werden. In Christus war göttliches Leben. Es wurde durch Seinen Tod frei und wird allen zuteil, die im Glauben die Erlösung aufnehmen. 

Die Rede des HERRN war ganz auf Sein Leiden und Sterben gerichtet. Es geht um den geistlichen, göttlichen Anteil an Gott, den wir durch Christus, den Gekreuzigten, empfangen haben. Durch die Wiedergeburt werden wir zu Söhnen und Töchtern Gottes. Paulus drückt es in Eph. 5, 30 so aus: „… denn wir sind Glieder Seines Leibes, Fleisch von Seinem Fleisch und Gebein von Seinem Gebein.“ Niemand ißt irdisch gesehen Fleisch von Seinem Fleisch oder Gebein von Seinem Gebein. Im Natürlichen sind wir die Nachkommen Adams, doch geistlich gesehen sind wir eine neue Schöpfung geworden in Jesus Christus, unserem HERRN. Als Erlöste sind wir in die Gemeinschaft mit Gott zurückgebracht worden und tragen schon hier ewiges, göttliches Leben in unserer Seele. Dem Verstand ist das alles eine Torheit, und deshalb verfallen die Menschen bei der Betrachtung des Wortes Gottes auf eigene Gedanken. Geistliches muß jedoch geistlich beurteilt werden. 

Der HERR Jesus ist vieles: Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; Er ist das lebendige Brot, Er ist das Licht der Welt, Er ist die Auferstehung — Er ist uns alles in allem geworden. Durch Ihn sind wir in den göttlichen Stand versetzt worden. Jesus hat das Wort Gottes nicht gedeutet, Er hat es getan, an Ihm und durch Ihn wurde es erfüllt. Deshalb konnte Er sagen: „Meine Speise ist die, daß Ich den Willen dessen tue, der Mich gesandt hat, und Sein Werk vollende“ (Joh. 4, 34). 

Wer am Abendmahl teilnimmt, muß innerlich bereit sein, den Willen Gottes zu tun, der uns im Worte Gottes gezeigt wird. Es müssen Menschen mit einer persönlichen Beziehung zu Gott sein, die sagen können: „Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich erlöst hat.“ Wir nehmen das Wort Gottes auf und damit Christus, das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Sein Blut wirkt sich so an uns aus, denn es wurde zu unserer Versöhnung und Erlösung vergossen. ER sprach: „Von solcher Beschaffenheit ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; es ist nicht von der Art, wie die Väter es gegessen haben und gestorben sind; nein, wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit“ (Joh. 6, 58). 

Nach der merkwürdigen Ansprache in Joh. 6 erklärten sogar viele Seiner Jünger: „Das ist eine harte Rede: wer kann sie anhören?“ (V. 60). Selbst diejenigen, die dem HERRN schon nachfolgten, haben beim Zuhören menschlich gedacht, obwohl Er deutlich von dem Brot sprach, das aus dem Himmel herabgekommen ist. ER sah ihre Hilflosigkeit und sagte: „Der Geist ist es, der das Leben schafft, das Fleisch hilft nichts; die Worte, die Ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Vers 63). 

Nur von oben her kommt Erleuchtung und Offenbarung dessen, was der HERR sagte. Seine Rede vom Essen Seines Fleisches und Trinken Seines Blutes hat großen Anstoß erregt und tut es noch heute. Es steht geschrieben: „Viele Seiner Jünger zogen sich von Ihm zurück und begleiteten Ihn nicht mehr auf Seinen Wanderungen. Daher sagte Jesus zu den Zwölfen: ,Ihr wollt doch nicht auch weggehen?‘ Simon Petrus antwortete: ,HERR, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben den Glauben und die Erkenntnis gewonnen, daß Du der Heilige Gottes bist!‘“ Das gleiche Zeugnis haben alle, die in der Nachfolge Jesu stehen, ob sie das Gesagte verstanden haben oder nicht. Sie glauben und bleiben beim HERRN, der die Seinen von Klarheit zu Klarheit führt. Zur rechten Zeit wird ihnen das Verständnis dafür geschenkt. 

Zusammenfassend kann zu diesem Thema folgendes gesagt werden: Die Erlösungstat geschah ein für allemal am Kreuz auf Golgatha. Alle, die sie im Glauben annehmen, feiern zum Gedächtnis an das vollbrachte Werk das Abendmahl. Entsprechend der Teilnehmerzahl wird ein Brot gebacken, das keinen Sauerteig enthält. Nachdem das Brot vor der Gemeinde erhoben und unter Gebet gesegnet worden ist, wird es gebrochen, und alle, die am Mahl teilnehmen, essen davon. Wenn etwas übrig bleibt, nehmen noch einige, bis es ganz aufgegessen ist. 

Danach wird der Kelch mit rotem Wein, der aus Trauben hergestellt wurde, erhoben und ebenfalls unter Gebet gesegnet. Alle, die vorher das Brot zu sich genommen haben, nehmen auch daran teil. Es geschieht zum Gedächtnis daran, daß der HERR für uns Seinen Leib geopfert und Sein Blut vergossen hat. 

Das Abendmahl muß in der vom HERRN angeordneten Weise gehalten werden. Wo das nicht geschieht, gleitet Gottesdienst zum Götzendienst ab, und was als Glaube bezeichnet wird, ist in der Tat dann Aberglaube. Paulus schreibt: „Ihr könnt nicht den Kelch des HERRN und den Kelch der Dämonen trinken; ihr könnt nicht am Tisch des HERRN und am Tisch der Dämonen Gäste sein. Oder wollen wir den HERRN zu Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als Er?“ (1. Kor. 10, 21-22). 

Mit Sicherheit bezieht er sich dabei auf 3. Mose 17, wo dem Volke Gottes Anordnungen über die Darbringung der Opfer gegeben wurden. Aus den Versen 3-7 geht klar hervor, was Götzenopfer waren und wie ein dem HERRN wohlgefälliges Opfer auszusehen hatte. Dort heißt es: „Die Israeliten sollen also ihre Schlachttiere, die sie jetzt auf freiem Felde zu schlachten pflegen, herbeibringen, und zwar sollen sie sie für den HERRN an den Eingang des Offenbarungszeltes zu dem Priester bringen und sie als Heilsopfer für den HERRN schlachten. Der Priester soll dann das Blut an den Altar des HERRN, der vor dem Eingang des Offenbarungszeltes steht, sprengen und das Fett zum lieblichen Geruch für den HERRN in Rauch aufgehen lassen. Sie sollen also ihre Schlachttiere hinfort nicht mehr den bösen Geistern schlachten, deren Götzendienst sie jetzt treiben! Dies soll für sie eine ewiggültige Verordnung von Geschlecht zu Geschlecht sein.“ 

Gott hatte die Verordnung gegeben und genaue Weisungen erteilt, wie und was getan werden sollte. Die Israeliten waren davon überzeugt, ihre Opfer dem HERRN dargebracht zu haben, obwohl sie taten, was ihnen gutdünkte. ER ließ ihnen jedoch deutlich sagen, daß nur die Opfer vor Ihm galten, die sie in der von Ihm festgelegten Weise und an dem Ort schlachteten, den Er dazu bestimmt hatte. Alles andere galt als den Dämonen geopfert. 

Wer zum Volke Gottes gehört, kann nicht tun, wie, wann, wo und was er will. Es muß genau nach Gottes Anordnungen geschehen, sonst gilt es nicht Ihm getan, sondern den Dämonen, die zu Willkür und Ungehorsam beinflussen. Dies trifft auch auf das Abendmahl zu. Paulus als von Gott erleuchteter Apostel hat das klar dargelegt. Er wollte nicht, daß Gläubige unter dämonischem Einfluß stehen und am Tisch des HERRN teilnehmen. 

In der Apostelzeit gab es keine Streitgespräche über das Abendmahl. Der HERR Jesus hatte die Weisung gegeben, die Gläubigen feierten es entsprechend. Sie nannten es schlicht „Brotbrechen“. So können wir es in Apg. 20, 7 nachlesen: „Als wir uns nun am ersten Tage nach dem Sabbat versammelt hatten, um das Brot zu brechen …“ 

Aus dem Begriff „Brotbrechen“ geht hervor, daß sie Wert darauf legten, das Abendmahl so zu feiern, wie der HERR es befohlen und selbst getan hatte. Von ihnen steht geschrieben: „Sie hielten aber beharrlich fest an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg. 2, 42). 

Alle, die wirklich zur Gemeinde des lebendigen Gottes gehören, werden in Lehre und Praxis zum Worte Gottes zurückkehren. Sie werden alles richtig einordnen und sich selbst einordnen lassen. Sie geben keine eigenen Deutungen, nehmen aber auch keine an. Für sie gilt nur, was das Wort sagt. Deshalb feiert die wahre Gemeinde das Abendmahl zum „Gedächtnis“ und nicht zur Vergebung der Sünden. Es gibt keine Stelle in der Heiligen Schrift, die aussagen würde, daß die Sünden durch die Teilnahme am Abendmahl vergeben werden. Wo das gelehrt wird, da wird die Seligkeit von einer religiösen Handlung abhängig gemacht. 

Das Reich Gottes bricht sich auch jetzt mit Gewalt Bahn. Das Evangelium von Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen HERRN, wird wieder zum Mittelpunkt der Verkündigung, jede Anordnung im Wort gehorsam befolgt. Auf diese Weise gelangt die Gemeinde in den anfänglichen Gnadenstand zurück. Unser HERR ist der ERste und der Letzte, ja, Er ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Wohl allen, die Ihm und Seinem Wort den ersten Platz einräumen und Ihn damit als HERRN anerkennen, indem sie tun, was Er geboten hat!