Circular Letter

Rundbrief Mai 1984

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 5 calendar_month 28. 5. 1984

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Wir dürfen getrost sein, denn Gott ist treu. ER hat Seinen Weg mit Seinem Volk – Seiner Gemeinde. Alle, die mit uns die Ostertage erlebt haben oder anschließend die Cassetten hörten, wurden wie in alten Zeiten mächtig gesegnet. Zeitweise konnten wir die direkte Leitung des Geistes verspüren; die Gegenwart Gottes schuf eine wohltuende, liebliche Atmosphäre, die wir schon lange herbeigesehnt hatten. Jeder wurde jedem zum Segen. Alle fühlten sich wohl im HErrn. Es herrschten Herzlichkeit und Einmütigkeit untereinander. Das vollbrachte Erlösungswerk wurde uns neu als ein Gnadengeschenk unseres Gottes groß und zu einer göttlichen Realität. Fernstehende wurden zu Nahestehenden, Feinde zu Freunden, Sünder zu Gotteskindern, Verlorene zu Geretteten usw., usw.

Von dem, was Gott verheißen und uns in Christus ein für allemal geschenkt hat, stellen wir nichts in Frage. Weil wir so glauben wie Abraham, benennen wir auch das noch nicht Vorhandene, als wäre es schon da (Rom. 4:17). Bruder Branham gehörte ja zu denjenigen, die aus voller Überzeugung an die ewige Sicherheit der Gläubiggewordenen glaubten. Dennoch hat er unermüdlich ermahnt, Gott in allem gehorsam zu folgen. Wer Gott tatsächlich erlebt hat und nicht nur so tut, sondern wirklich von Ihm begnadigt wurde, Vergebung der Sünden empfing und durch den Geist die Gewißheit bekam, ein Kind Gottes zu sein, der ist ewig mit Gott versöhnt und hat ein volles Heil empfangen. Niemand glaube, daß Gott sich mit Halbheiten begnügt. ER hat ein ganzes Werk getan, eine vollkommene Erlösung vollbracht. Trotzdem wäre es falsch, in Selbstsicherheit zu verfallen und sich darauf zu verlassen, daß man das Ziel automatisch erreicht. Es gibt genügend Ermahnungen im Worte Gottes, die ein Gläubiggewordener um jeden Preis ernst nehmen muß.

Im Hebräer-Brief wird uns gesagt:

„Gebt acht, liebe Brüder, daß sich in keinem von euch ein böses Herz des Unglaubens im Abfall von dem lebendigen Gott zeige!“

Das ist eine ernste Mahnung an uns alle. Noch haben wir das Ziel nicht erreicht, noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen, noch müssen wir mancherlei Kämpfe bestehen. So gewiß uns der Glaube mit Gott verbindet, so sicher löst uns der Unglaube von Ihm. So gewiß uns der Gehorsam Ihm nahebringt, so sicher entfernt uns der Ungehorsam von Ihm. Wenn das geschieht, bleibt nur noch ein selbstgerechtes, boshaftes Herz zurück, in dem sich der Unglaube einnistet. In diesem Bibelvers ist von einem bösen Herzen, von Unglauben und von Abfall die Rede. Nur wer an Ihm ist, kann von Ihm abfallen; nur wer Ihn gefunden hat, kann Ihn verlieren; nur wer mit Ihm verbunden war, kann sich auch von Ihm lösen. Deshalb gilt uns die Mahnung, darauf achtzugeben, daß sich dieses Wort an keinem von uns erfüllt.

Mit dem Ausspruch „Haltet an der anfänglichen Glaubenszuversicht bis ans Ende unerschütterlich fest“ werden wir ermutigt, nicht lau und träge, sondern feurig im Geist und dem HErrn zu dienen bereit zu sein. Oft genug haben wir gehört, daß nicht der Anfang, sondern das Ende gekrönt wird. Das muß jeder auf sich selber beziehen. Im Grunde genommen stehen alle ganz allein und ganz persönlich vor Gott. Wir rufen einander zu: „Wer da kämpft, der kämpfe recht, sonst wird er nicht gekrönt. “

Als Gläubiggewordene müssen wir uns jeden Hinweis, der im Worte Gottes steht, zu Herzen nehmen und darüber nachdenken. In den Sprüchen steht eine Schriftstelle, die uns alle ansprechen sollte:

„Sechs Dinge sind es, die der HErr haßt, und sieben sind Seinem Herzen ein Greuel: Erstens: hochmütige Augen; zweitens: eine Lügenzunge; drittens: Hände, die unschuldiges Blut vergießen; viertens: ein Herz, das tückische Anschläge schmiedet; fünftens: Füße, die eilends zu bösem Tun laufen; sechstens: wer als falscher Zeuge Lügen aussagt; siebentens: wer Hader unter Brüdern anstiftet.“(6:16-19)

Wenn je eine Selbstprüfung nötig war, dann ist es jetzt. Vielleicht haben wir uns selbst noch nicht gründlich genug kennengelernt und den Abgrund, in dem wir von Natur aus stecken, noch nicht begriffen. Deshalb mangelt es auch an der Erneuerung, weil wir den alten Zustand der totalen Verderbtheit verharmlost haben. Wie oft werden wir in dem einen oder anderen Punkt, die hier aufgeführt wurden, schuldig, ohne uns der Folgen und der verheerenden Auswirkungen, die vielleicht nie mehr gutzumachen sind, bewußt zu sein!

Ganz sicher sucht der HErr Menschen, denen Er ein neues Herz geben kann; ein Herz wie Seins, voll der heiligsten Triebe, voller Glauben und Liebe – ein Herz, in dem Er selbst als der Heilige Gott Wohnung nehmen kann. Wo diese sieben aufgeführten Dinge immer noch ihr Unwesen treiben, da ist das Herz eine Räuberhöhle, auch wenn das Gesicht einen frommen Ausdruck hat. Wir müssen diese Schriftstelle wirklich ernst nehmen und uns im tiefsten Inneren prüfen.

Gott meint es gut mit uns. ER möchte Menschen aus uns machen, deren Augen bekehrt sind, deren Zunge bekehrt ist, deren Hände bekehrt sind, deren Ohren bekehrt sind, deren Füße bekehrt sind; ja, Gott will eine echte biblische Bekehrung schenken, die den Menschen im tiefsten Inneren seines Wesens erneuert und umgestaltet. Der Begriff „Wiedergeburt“ ist sonst doch überhaupt nicht gerechtfertigt. Was nützt es uns, wenn wir es nur behaupten, ohne daß Gott das vollbrachte Erlösungswerk von Golgatha tatsächlich in uns vollbringen konnte!

Haben wir über unseren eigenen Zustand je ernsthaft nachgedacht? Sind wir tatsächlich im tiefsten Inneren unserer Seele erfaßt worden? Wie schnell wird Hader unter Brüdern gestiftet! Wie schnell findet sich eine falsche Zunge, die Lügen verbreitet! Wie schnell werden in einem falschen Herzen tückische Anschläge geschmiedet! Wie schnell eilen die Füße von hier nach dort, um Schaden anzurichten! Wie schnell werden Hände bewegt, um unschuldiges Blut zu vergießen, wie es bei Kain und Abel war! Wieviel Hochmut schaut noch aus den Augen derer, die äußerlich gebeugt und fromm dahingehen!

Wo ist die Gottesfurcht geblieben? Wo bleibt das Wesen Jesu? Wo sind die Früchte des Heiligen Geistes; wo die Eigenschaften und die Tugenden, die zum geistlichen Wachstum gehören? Wie sollen wir die volle Reife im Mannesalter Christi erreichen?

Der HErr hat uns wissen lassen, was Er haßt und was Ihm ein Greuel ist. Wir alle haben oft genug gehört, daß Bruder Branham die Bibelstelle aus 5. Mose 22 zitiert hat: „Eine Frau soll keine Männerkleidung tragen und ein Mann keine Frauenkleider anziehen; denn wer dieses tut, ist dem HErrn, deinem Gott, ein Greuel.“

Natürlich betrifft uns dieser Vers nicht, denn die Frauen kleiden sich als Schwestern und die Männer als Brüder, und so meinen wir, daß alles in Ordnung ist. Doch wir dürfen nicht außer acht lassen, daß dem HErrn auch noch andere Dinge ein Greuel sind und daß sie Ihm verhaßt bleiben bis ans Ende.

Trotz der Heilsgewißheit, die jeder für sich in Anspruch nimmt, sollten wir uns prüfen, ob wir tatsächlich ein durchgreifendes Erlebnis mit Gott gemacht haben. Unser Leben, unsere Erfahrungen – alles muß mit dem Wort übereinstimmen. Auch darin hat Bruder Branham recht behalten, als er sagte: „Ich habe den Eindruck, daß die Leute nur zu einer Gemeinde kommen, aber Christus in Wirklichkeit nicht erleben.“ Wir sollten einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob es überhaupt möglich sein konnte, eine göttliche Wiedergeburt durch den Samen des Wortes Gottes zu erleben, bevor der reine Same zur Aussaat gelangte. Der HErr will etwas ganz Neues in uns allen schaffen. Doch dazu ist es notwendig, daß wir uns anhand des Wortes Gottes gründlich prüfen und uns so sehen, wie wir wirklich sind. Möge sich doch niemand einem Selbstbetrug hingeben und am Ende enttäuscht erwachen!