Circular Letter

Rundbrief 1980-10

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 9 calendar_month 26. 10. 1980

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Welch ein Unterschied besteht doch zwischen einer menschlichen Beweisführung, die dem Verstande einleuchtet, und der göttlichen Belehrung, die dem natürlichen Menschen als Torheit erscheint. Die zur Gemeinde Gottes gehörenden werden der göttlichen Belehrung in jeder Hinsicht Gehör schenken~ Der Verstand sieht die Dinge menschlich, der Geist sieht sie göttlich und ordnet sie dementsprechend ein. Nehmen wir das Beispiel von Abraham, Sara und Hagar, von Ismael und Isaak.

Der menschlich-historische Aspekt zeigt uns bis auf den heutigen Tag die Nachkommen Ismaels und die Nachkommen Isaaks gesondert im krassen Gegensatz zueinander. Paulus sieht nicht auf das, was menschlich vor Augen liegt. Er hält keinen klug ersonnenen Vortrag, der das Intellekt einer gehobenen Schicht beeindrucken könnte. Er dringt in den Geistesbereich durch und zeigt einen Teil der Heilsgeschichte, nicht der Geschichte. Das ist ein großer Unterschied.

In Gal. 4 bezieht sich der Apostel auf die beiden Söhne Abrahams, sowie auf Sara und Hagar. Er hebt Hagars prophetische Bedeutung, aber nur mit Bezug auf das Volk Israel, hervor: „Es steht ja doch geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien. Jedoch jener von der Magd war nur sein fleischmäßig erzeugter Sohn, dieser von der Freien aber war ihm auf grund der Verheißung geboren. Das ist bildlich gesprochen; denn diese beiden Frauen stellen zwei Bündnisse dar, das eine vom Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebiert: das ist die Hagar; das Wort Hagar bedeutet nämlich den Berg Sinai in Arabien, und sie entspricht dem heutigen Jerusalem, denn dieses befindet sich in Knechtschaft samt seinen Kindern.“

Es erstaunt uns für den Augenblick, daß der Apostel Hagar nicht in Verbindung mit der islamischen Welt, sondern mit Jerusalem bringt, obwohl vom Berg Sinai in Arabien die Rede ist. Er hebt hervor, daß die Gesetzgebung für Israel, das sich in der Knechtschaft des Gesetzes befindet, auf dem Berg Sinai geschah. Am Anfang war es für sie das geoffenbarte Wort. Dann wurden sie zu Gefangenen dieses Wortes und machten eine Religion daraus. Es war die göttliche Botschaft, die der HERR selbst hier auf Erden durch Seinen Knecht und Propheten Mose aus dem Feuer über dem Berge Sinai herausgegeben hatte. Uns genügt die Verkündigung der größten Botschaft Gottes nicht, wenn sie nicht das gesamte Volk Gottes zusammenführt und in die Freiheit des Geistes bringt. Im Judentum blieb zuletzt nichts übrig als ein toter Buchstabenglaube und ein Reden von dem, was Gott einst getan hatte.

Das Jerusalem droben dagegen ist eine Freie, und dies ist unsere Mutter; denn es steht geschrieben: „Freue dich, du Kinderlose, die du nicht Mutter wirst! Brich in Jubel aus und frohlocke, die du keine Geburtsschmerzen zu leiden hast! Denn die Alleinstehende hat zahlreiche Kinder, mehr als die Verehelichte.“ Ihr aber, liebe Brüder, seid nach Isaaks Art Kinder der Verheißung.

Als Kinder der Verheißung empfangen wir sowohl das verheißene Wort, als auch den verheißenen Geist. In Lukas 24:49 und Apg. 1:4 wird uns die Verheißung des Vaters vor Augen geführt. Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte und weiterhin sehen wir die praktische Auswirkung dieses Erlebnisses. Es geht hier um Leben und Tod. Entweder wohnt der Heilige Geist in uns, damit die sterblichen Leiber verwandelt und lebendig gemacht werden können, oder unser Laufen war vergeblich. Es bleibt zu befürchten, daß solche, die nicht Kinder Gottes mit dem Erstgeburtsrecht sind und deshalb keinen Anspruch auf die Verwirklichung der Verheißung des Vaters haben, sich daran vorbeimogeln möchten. Sind wir Kinder der Verheißung nach Isaaks Art, ist das Jerusalem droben unsere Mutter, dann werden wir das Verheißungsgut empfangen, das dazu notwendig ist, daß wir dorthin kommen. Im Augenblick mag dies ein wenig wehtun, aber es ist die reine Wahrheit vor Gott. Nur die Wahrheit des Wortes kann uns vom eigenen Irrtum befreien. Sind wir bereit, uns zurechtbringen zu lassen? Sind wir willig, alle verstandesmäßigen Argumente beiseite zu tun und den Geist Gottes in der gleichen Weise wie am Anfang wirken zu lassen?