Circular Letter

RUNDBRIEF Dezember 1980

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 10 calendar_month 28. 12. 1980

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Im November dieses Jahres, während des hohen Besuches aus dem Vatikan in der BRD, sind wieder verschiedene religiöse Stimmen laut geworden. Das Wort „Reformation“ stand auf der Tagesordnung. Mit größter Schlagfertigkeit, mit passenden und unpassenden Bibelstellen wurde die ganze christliche und politische Welt beeindruckt. Die Begeisterung der Massen erinnerte an eine vergangene Zeit, die noch vielen von uns im Gedächtnis ist.

Wie nachträglich deutlich wurde, hat der Pilger aus Rom zu jedem Anlaß, in jeder Situation, an jedem Ort und unter allen Umständen immer die richtigen Worte gefunden. Alle bewunderten ihn und tranken aus seinem Kelch. Die Menschheit hat die Orientierung total verloren. Sehr viel könnte dazu aus prophetischer Sicht gesagt werden: „So werden ihn denn alle Bewohner der Erde anbeten, alle, deren Namen nicht im Lebensbuche des geschlachteten Lammes seit Grundlegung der Welt geschrieben stehen.“ (Offenbarung 13:8)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Erwachen vieler Völker zu verzeichnen gewesen. Besonders in Afrika und Asien haben sie sich ihre politische Unabhängigkeit erkämpft. Seit einiger Zeit hat sich das nun auf den religiösen Schauplatz übertragen. Ein im Exil lebender Khomeini entfesselte die religiöse Macht des Islam, stürzte den Schah und zog ein ganzes Land in seinen Bann. Die Folge davon ist, daß die Region am Persischen Golf zu einem Krisenherd wurde, in dem nicht wenig Zündstoff liegt.

Warum geschahen solche Dinge nicht schon früher? Sind wir dem Ende näher, als wir ahnen?

Die katholische Kirche ist mit dem beliebten Super-Papst aus dem Osten ganz deutlich von der gleichen Machtentfaltung erfaßt worden und führt einen nie dagewesenen weltweiten Feldzug durch. Von der Heiligen Schrift ausgehend, müssen wir unser Augenmerk vor allem auf Rom richten. Daniel sah vier Tiere, welche die vier aufeinanderfolgenden Weltreiche darstellen (Kap. 7:1-8). Das letzte war das römische Reich.

Offenbarung 17 stellt in Bildern die weltliche, politische Macht dieses Reiches durch das Tier dar, und die geistlich-religiöse Macht durch die Hure, die darauf sitzt. „ … denn Gott hat ihnen ins Herz gegeben, seinen Ratschluß auszuführen und in einem Sinn zu handeln und ihre Königsherrschaft so lange dem Tier zur Verfügung zu stellen, bis die Worte Gottes erfüllt sein werden. Das Weib endlich, das du gesehen hast, ist die große Stadt, welche die Herrschaft über die Könige der Erde hat.“ (Vers 17-18)

Das römische Reich, das aus politischer, wirtschaftlicher und religiöser Macht besteht, wird jetzt am Ende für eine kurze Zeit die Führungsrolle in der Welt übernehmen. Der Islam mit seiner Brutalität wird kein weltweites Gehör erhalten; doch der Friedens-Papst wird mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Mittel die Herrschaft über die Könige der Erde ausüben. Das ist durch den Geist Gottes in dem prophetischen Wort vorausgesagt worden, und es erfüllt sich vor unseren Augen.

Es scheint, als sei der große Kampf, der so viele Opfer gefordert hat, vergeblich gewesen. Dennoch wissen wir, daß Gott zu allen Zeiten einen Überrest hatte, der nicht verführt werden konnte, und daß es immer treue Zeugen gab, die für die Wahrheit eintraten. Wie ein roter Faden zieht sich die Liste der Glaubenshelden durch Länder und Zeiten. Die Männer Gottes haben einen schweren Glaubenskampf durchgemacht, damit andere Zugang zum Worte Gottes bekämen. Meist hören wir nur von dem Reformator und seinen Zeitgenossen. Doch schon vorher haben bereits andere die Bahn gebrochen und den Weg geebnet.

In den Jahren 1374–1384 griff Wyclif die verschiedenen kirchlichen Lehren an und stellte die Heilige Schrift als allein verbindlich für Glaubensfragen in den Mittelpunkt. In seiner direkten Kampfschrift mit dem Titel „Christus und Sein Gegner“ bezeichnete er den Papst als den Antichristen und rechnete mit den unbiblischen Lehren ab. Während er die lateinische Bibel, die „Vulgata“, in die englische Sprache übersetzte, wurde er vom Heiligen Geist tief erleuchtet. Das Feuer Gottes begann in ihm zu brennen. Mit seinem Leben und der Verkündigung trat er für die Wahrheit des Wortes Gottes ein.

Der HErr führte es so, daß tschechische Studenten die Schriften Wyclifs nach Prag brachten. Hus, der ein ausgezeichneter Redner war, begann zu schweigen und vertiefte sich in diese neue Literatur, die er sogleich in seiner eigenen Sprache in ein Buch niederschrieb. Mit dem Moment seiner geistlichen Erleuchtung trat er in den Kampf um die göttliche Wahrheit ein. Vor seiner Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen zu Konstanz weissagte er: „Nach meinem Tode werde Gott einen Mann senden, der stärker sei als ich.“ Gott hat den Mann gesandt und noch andere, die dem HErrn zu ihrer Zeit dienten.

Am 1. Januar 1519 begann Zwingli in Zürich mit seinen Vorträgen über das Vaterunser. Es kämen immer mehr Menschen, um ihn zu hören. Vor Jahresende wurde berichtet: „Es seien in Zürich bereits zweitausend Seelen mit der Milch der evangelischen Wahrheit soweit genährt worden, daß sie nunmehr nach fester Speise verlangten.“

Als kurz darauf Luthers Schrift über das Vaterunser herauskam, meinten viele, Zwingli habe sie geschrieben und nur den Namen Luthers daruntergesetzt; so ähnlich waren die Ausführungen dieser beiden Männer. Sie hatten etwas gemeinsam: Beide wurden vom Heiligen Geist erleuchtet; beide konzentrierten sich hauptsächlich auf die Paulus-Briefe, und beide lasen die Schriftauslegungen von Augustin.

Seit der Zeit ist viel Wasser durch den Rhein geflossen, in den die Asche von Hus geworfen wurde. Viele sind den Märtyrer-Tod gestorben, doch die biblischen Wahrheiten leben trotzdem in unseren Herzen. Gott ging immer weiter, bis hin zur vollen Offenbarung Jesu Christi in unserer Zeit.