Circular Letter

RUNDBRIEF Oktober-Dezember 1986

Ewald Frank

library_books Chapters: 13 calendar_month 21. 10. 1986

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Die siebziger Jahre waren unter denen, die das prophetische Wort glaubten, zum Teil von Zeitfestlegungen geprägt. Immer wieder musste ich dagegen sprechen und schreiben. Als 1973 manche das Ende erwarteten, wurde ich geleitet, den Baugrund zu kaufen, auf dem die Kapelle erstellt wurde. Mit Gottes Hilfe und dem unermüdlichen Einsatz unserer Brüder fand zu Ostern 1974 die Einweihung statt. Wer hätte damals zu glauben gewagt, dass die Zeit noch so lange andauern würde? Einige machten mir den Vorwurf, dass ich doch nicht einerseits an die nahe Wiederkunft unseres HErrn glauben und andererseits noch eine Kapelle bauen könnte. Doch es hat sich als richtig erwiesen, nüchtern und klar zu bleiben, denn niemand weiß, wann der HErr tatsächlich wiederkommt.

Als dann das Jahr 1977 mit Nachdruck hervorgehoben wurde, geschah etwas, das mir zunächst selbst unbegreiflich war. Soweit ich mich erinnere, war es am Samstag, dem 17. Juli 1976, als ich beim Einsetzen der Dämmerung laut und deutlich die Stimme des HErrn hörte: „Begib dich auf das Nachbargrundstück und weihe es Mir, denn es werden Menschen von nah und fern kommen, die untergebracht werden müssen.“ Ich kam gerade um das Gotteshaus herum und befand mich in Höhe des Treppenabgangs zum Saalkeller. Natürlich blieb ich auf der Stelle stehen, drehte mich um und begab mich auf das Nachbargrundstück. Dort kniete ich inmitten des Gestrüpps nieder, betete kurz, erhob dann meine Hände zum Himmel und sprach: „HErr, mein Gott, ich tue, wie Du mir geboten hast, und weihe Dir dieses Grundstück zur Ehre Deines Namens.“

Der Eigentümer, mit dem ich gleich am Montag telefonierte, wollte das Grundstück jedoch nicht verkaufen. Er hatte auf der Gesamtfläche ein großes Projekt mit Werkstätten, Büro-, Verkaufs- und Ausstellungsräumen geplant und sagte: „Es tut mir leid, doch ich kann ihnen das Grundstück nicht verkaufen.“ Mir leuchteten seine Gründe zwar ein, aber ich musste ihm antworten: „Vergessen Sie nicht, dass Gott Seine Hand daraufgelegt hat.“ Damit war die Angelegenheit zunächst erledigt.

In mir war ein himmlischer Friede; die Absage konnte meinen Glauben überhaupt nicht erschüttern. Ich wusste, dass es nicht in meinen, sondern in Seinen Händen lag, weil es nicht mein, sondern Sein Entschluss war. Ich kann mich nicht erinnern, jemals vorher einen solch seligen Glauben im Herzen getragen zu haben. Es war eine absolute Gewissheit, dass geschehen würde, was der HErr gesagt hatte. Ich wartete einfach ab.

Genau drei Wochen später läutete das Telefon schon vor 8.00 Uhr morgens. Der Mann am anderen Ende sagte: „Herr Frank, ich muss ihnen das Grundstück verkaufen. Können wir noch in dieser Woche zum Notar gehen?“ Am 12. August 1976 wurde der Kaufvertrag geschlossen. Ich hatte Gott nicht ein einziges Mal darum gebeten, das Herz dieses Menschen zu leiten, ich wusste, dass Er es tun wird. Gerade zu der Zeit, als man in das Jahr 1977 so große Erwartungen setzte, befanden wir uns mitten im Bau.

Zunächst war nur ein Haus geplant. Als dieses gerade im Rohbau fertig war, kam Bruder Schmidt mir auf dem Baugelände entgegen und sagte: „Bruder Frank, das Gebäude reicht nicht für die Hälfte der Besucher, die kommen werden.“ Wir beide gingen unseres Weges, doch seine Worte ließen mich nicht mehr los. Der Gedanke, ob noch ein weiteres Haus gebaut werden sollte, ging mir nicht mehr aus dem Sinn.

Ich geriet in eine tiefe innere Not, denn es war ja eine große Entscheidung, die ich zu treffen hatte, und diesbezüglich war kein Wort des HErrn an mich ergangen. So suchte ich das Angesicht Gottes mit einem Herzensschrei im Gebet. Was ich sonst nicht zu tun pflege, das tat ich jetzt: Während ich kniete, nahm ich meine Bibel zur Hand, legte sie vor mich hin und sagte: „HErr, ich muss eine Entscheidung treffen, für die ich die Verantwortung nicht tragen kann. Wenn es Dein Wille ist, dass zwei Häuser gebaut werden sollen, dann lasse es mich wissen.“ Obwohl mir vom Verstand her klar war, dass darüber nichts in der Bibel steht, erwartete ich doch eine Antwort vom HErrn. Ich schlug die Bibel auf, und meine Augen fielen auf den 6. Vers in 2. Chr. 14: „So machten sie sich denn an die Bauten und führten sie glücklich aus.“ Was man bei solch einem Erlebnis empfindet, kann mit Worten nicht beschrieben werden. Ich begriff sofort, dass dort nicht von einem Bau, sondern von Bauten die Rede ist. Gleich am nächsten Tag setzte ich mich mit dem Bauamt in Verbindung und bekam, ohne neue Pläne anfertigen zu müssen, die Genehmigung für das zweite Gebäude. So erfüllte sich buchstäblich, dass die Bauten glücklich ausgeführt und ihrer Bestimmung übergeben wurden.

In diesen beiden Missionsgebäuden befinden sich die Druckerei, Büro-, Verarbeitungs- und Versandräume sowie Übernachtungsräume und Wohnungen. Es war tatsächlich so, dass der HErr nicht nur in geistlicher Hinsicht geholfen und geleitet hat, sondern auch in dem irdischen Bereich, der zur Durchführung des Auftrages notwendig war.