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Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
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Kapitola 3
1. Kapitel: Auf dem Prüfstand — Geistliche Forschung aktuell
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Ermutigt zum freimütigen Schreiben wurde ich durch die Tatsache, daß heute nichts mehr einfach nur als gegeben hingenommen wird. Ein treffendes Beispiel dafür konnten wir im September 1988 den Massenmedien entnehmen. Es handelte sich dabei um das „Turiner Grabtuch“. Jahrhunderte lang galt es als absolut echt und wurde als Reliquie verehrt. Jetzt war die ganze Welt überrascht, als nach einer Prüfung in England, den USA und der Schweiz alle drei Stellen unabhängig voneinander zu dem gleichen Ergebnis kamen: Jenes Tuch stammt aus dem Mittelalter und ist in keinem Fall das Grabtuch Jesu Christi. Dennoch wurden die Menschen durch eine Erklärung ermutigt, dieses Falsifikat weiterhin als Reliquie zu verehren und so im offengelegten Irrtum zu verharren.
Im Oktober 1988 hat der Abgeordnete Dr. Ian Paisley aus Nordirland im Straßburger Europa-Parlament getan, was wohl seit der Reformation kein Protestant mehr wagte. Er zeigte ein Plakat mit dem Text: „John Paul II — Antichrist“ und sorgte für einen Tumult, indem er gegen den Auftritt des Papstes protestierte. Die Massenmedien berichteten darüber; die meisten Tageszeitungen brachten Foto und Bericht auf der Titelseite. Am Tag darauf sprachen nur noch wenige davon, und schließlich gingen alle wieder zur Tagesordnung über. Es gibt ja täglich neues zu berichten.
Leider haben Gelehrte und Laien zu allen Zeiten Gott und Kirche in einen Topf geworfen, und weil die Enttäuschung an der Ihm zugeschriebenen Institution so groß war, sagten sich viele von beiden los. Ein trauriger, zu bedauernder Trugschluß, dem viele zum Opfer gefallen sind. Ich werde jenen Abend in einem Kibbutz ca. 15 km westlich von Jerusalem nie vergessen. Als Reiseleiter versammelte ich die Gruppe nach dem Abendessen zu einer kurzen Andacht. Es gesellte sich noch eine Anzahl anderer Gäste zu uns, darunter auch Juden. Mir war es recht. Ich las einige Passagen aus dem Alten Testament und zeigte ihre Erfüllung im Neuen Testament. Plötzlich rief eine aus Warschau eingewanderte Jüdin mit innerer Ergriffenheit aus: „Ich habe das Neue Testament gelesen und könnte glauben, daß Christus unser Messias ist, wenn Er nicht katholisch gewesen wäre. Denn die Polen, die so katholisch sind, haben uns viel Leid zugefügt.“ Wir waren alle bestürzt. Dann erklärte ich ihr: „Der Messias war nicht katholisch. ER war der ins Fleisch gekommene Erlöser. Und auch Maria war nicht katholisch.“ Das konnte sie nicht fassen.
Gerade auf religiösem Gebiet ist die Unwissenheit haarsträubend. Das Christentum ohne die lebendige und persönliche Beziehung zu Christus ist zu einer Religion geworden, die, wie manche behaupten, Opium für das Volk ist. Diese Darlegung soll all das Unbiblische, das fälschlicherweise als „christlich“ bezeichnet wird, aufdecken und zeigen, daß religiöse Legenden bleiben, was sie sind, ganz gleich, wie lange ihr Ursprung zurückliegt.
Wenn es um den Glauben an Gott und Seinen Plan mit der Menschheit geht, müssen wir das Buch aller Bücher zu Rate ziehen. Der Ausspruch: „Ich glaube nichts und keinem!“ ist nur auf Menschen bezogen richtig, aber auf den Allmächtigen und Sein Wort kann er nicht angewandt werden. ER ist und bleibt der allein Glaubwürdige. Sein Wort ist erfüllte, bestätigte Wahrheit und deshalb unser Absolut, das über jeden Zweifel erhaben ist. ER ist nicht tot, wie manche behaupten, Er lebt, und alles, was Leben hat, lebt durch Ihn. Und Sein Wort ist heute wie damals lebendige Realität.
Es gab zu allen Zeiten Menschen, die eine besondere Aufgabe zu erfüllen hatten. In der Menschheitsgeschichte ragen Dichter und Komponisten, Könige und Kaiser, Soldaten und Politiker, bis hin zu Staatsmännern unserer Zeit, hervor. Dasselbe gilt für Wissenschaft und Forschung. Es könnte eine ganze Liste von Erfindern mit prominenten Namen aufgestellt werden, ohne die unsere Welt heute ganz anders aussehen würde. Ebenso gab es während des Alten und auch zu Anfang des Neuen Testaments Gottesmänner, die zu ihren Lebzeiten eine besondere Aufgabe im heilsgeschichtlichen Ablauf zu erfüllen hatten. In der nachapostolischen Zeit, bis hin zum nicäischen Konzil (325 n. Chr.), ragen ebenfalls bestimmte Persönlichkeiten hervor. Auch während der Zeit des Mittelalters gab es Menschen, die eine wichtige Rolle in der Kirchengeschichte spielten. Besonders bekannt sind uns die Namen derer, die seit der Reformation auftraten.
Männer, die von Gott in besonderer Weise begnadigt waren, hatten immer einen globalen, über alle kirchlichen und religiösen Grenzen hinwegreichenden Auftrag für alle Menschen. Das entspricht dem letzten, allumfassenden Missionsbefehl: „Darum gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker …“ Wer tatsächlich von Gott gesandt ist, verkündigt das Wort Gottes in Übereinstimmung mit allen Propheten und Aposteln. Wer neue Lehren und sogenannte „Offenbarungen“ vorträgt, die der Prüfung mit der Heiligen Schrift nicht standhalten, disqualifiziert sich damit automatisch. Gott kann sich nicht widersprechen, noch kann Er Sein Vorhaben ändern. Bei allem, was getan oder gelehrt wird, muß gefragt werden: „Stimmt es wirklich? Steht es so geschrieben?“ oder: „Was sagt die Heilige Schrift dazu?“
Uns interessieren hier nicht die Vorstellungen von Menschen, sondern was Gott durch die Männer kundtat, die Er mit hörbarer Stimme in Seinen Dienst berufen hat. Das waren zum einen die alttestamentlichen Propheten. Sie hatten den Verlauf der Heilsgeschichte anzukündigen. Aufgabe der Apostel war es, nachzuweisen, daß sich die von alters her gegebenen Prophezeiungen erfüllt haben. Je nach Berufung und Auftrag trugen sie mit ihrem Dienst dazu bei, uns das Vorhaben Gottes, den Heilsplan, deutlich zu machen. In der Heiligen Schrift wurde es festgehalten, und so redet das lebendige Wort noch heute zu allen, die sich durch Seinen Geist ansprechen lassen. Es ist nicht nötig, daß einer dem anderen deutet und erklärt; es genügt, wenn alle von Herzen glauben, und zwar so, wie die Schrift es sagt, und damit von Gott selbst durch Sein Wort gelehrt werden (Jes. 54, 13; Joh. 6, 45). Hier wird nicht die Lehrmeinung einer Kirche oder Freikirche, geschweige einer Sekte vertreten, sondern der Standpunkt Gottes dargelegt, wie er uns in Seinem Worte hinterlassen wurde.
Wer die Kirchengeschichte durchforscht hat, weiß, wie unterschiedlich die Historiker gleiche Zeiträume, Personen und Vorgänge beurteilen und beschreiben. In der zur Diskussion stehenden Thematik ist nichts neu. Was einen bibelgläubigen Christen aber schmerzt, ist die Tatsache, daß bei der kritischen Forschung auch das Neue Testament als fragwürdig hingestellt wird. Ob die einzelnen Teile des Neuen Testaments, die Evangelien und die Briefe, zunächst in hebräischer, aramäischer oder griechischer Sprache abgefaßt wurden und dann erst als ganzer Kanon in der griechischen Sprache erschienen sind, ist doch für die Sache selbst nicht entscheidend. Fest steht, daß sich Gott selbst zu den Hebräern bekennt. Mose und Aaron sollten zum Pharaoh sagen: „Der HErr, der Gott der Hebräer, ist uns erschienen …“ (2. Mose 3, 18). Daß Jesus Christus nicht griechisch, sondern aramäisch, nämlich die hebräische Volkssprache sprach, dürfte wohl feststehen; ob es gebildet oder ungebildet war — darüber können sich die Gebildeten untereinander streiten. Für uns ist wichtig, daß der auferstandene HErr immer noch hebräisch sprach. So bezeugt es Paulus: „Als wir nun alle zu Boden niedergestürzt waren, hörte ich eine Stimme, die mir in der hebräischen Volkssprache zurief: ,Saul, Saul! was verfolgst du Mich?‘ “ (Apg. 26, 14).
Auch das Argument, daß noch andere Briefe in Umlauf waren, entwertet das Echte keineswegs. Selbstverständlich können im Urchristentum von den Aposteln oder anderen Schreibern noch weitere Briefe verfaßt worden sein. Lukas informiert uns ja gleich im 1. Vers, daß viele es unternommen hatten, die Begebenheiten niederzuschreiben. Natürlich gab es noch andere Berichterstatter. Was man als „neutestamentliche Apokryphen“ bezeichnet, ist erst später entstanden. Der HErr selbst aber sorgte dafür, daß nur das in den Kanon gelangt ist, was in Seinem Auftrag und Willen geschrieben wurde, nämlich das für uns Notwendige.
Wichtig ist, daß wir das uns hinterlassene Wort als Gottes Wort respektieren (1. Thess. 2, 13) und glauben, daß alle Schrift von Gott eingegeben ist (2. Tim. 3, 16). Wenn im Neuen Testament die Formulierung „Wie die Schrift sagt“ oder „Es steht geschrieben …“ verwendet wird, dann ist damit immer das Alte Testament gemeint. Doch das Neue Testament ist genauso Heilige Schrift, beides zusammen bildet ein Ganzes. In Luk. 24, 44-45 ist nachzulesen: „… es müsse alles in Erfüllung gehen, was im mosaischen Gesetz, bei den Propheten und in den Psalmen über Mich geschrieben steht.‘ Hierauf erschloß Er ihnen den Sinn für das Verständnis der Schriften.“
Der HErr sagte ebenfalls: „Ihr durchforscht die heiligen Schriften, weil ihr in ihnen ewiges Leben zu haben vermeint, und sie sind es auch wirklich, die von Mir Zeugnis ablegen.“ (Joh. 5, 39). Der Apostel Paulus faßt zusammen: „… daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, den Schriften gemäß, und daß Er begraben und daß Er am dritten Tage auferweckt worden ist, den Schriften gemäß“ (1. Kor. 15, 3-4).
Der Apostel Petrus nimmt Bezug auf Jes. 40, 8 und bringt das Wort des Alten und das Wort des Neuen Testaments auf einen Nenner: „… das Wort des HErrn aber bleibt in Ewigkeit. Dies ist aber das Wort, das euch als Heilsbotschaft verkündigt worden ist.“ (1. Petr. 1, 22-25). Das Neue Testament ist ja das Ergebnis der alttestamentlichen Prophetie.
Dr. Clarence Larkin, eine international anerkannte Kapazität, hat in seinem Buch „Dispensational Truth“ nachgewiesen, daß sich beim ersten Kommen Christi 109 Weissagungen aus dem Alten Testament buchstäblich auf das genaueste erfüllt haben. Die verwirklichte Prophetie ist die Bestätigung, daß die Bibel göttlichen Ursprungs ist.
Man muß an eine Sache, die man prüfen und behandeln will, ohne Vorurteile und Aversionen herangehen. Wenn der Theologe Carl Schneider schreibt, „Die Fälschungen beginnen in neutestamentlicher Zeit und haben nie aufgehört.“ (K. Deschner, Der gefälschte Glaube, S. 20), dann hat er recht. Doch das heißt noch lange nicht, daß wir ein gefälschtes Neues Testament haben, sondern daß Unbefugte schon damals und noch bis heute ihre falschen Lehren und Deutungen vortragen. Das Original-Wort bleibt doch trotz aller Verdrehungen, auf die wir noch eingehen werden, für immer das Original-Wort. Was sollen die destruktiven Anspielungen auf gefälschte Petrusbriefe, bis hin zu der das Maß zum Überlaufen bringenden Bemerkung: „… das heilige Buch, die Bibel, strotzt von falschen Urkunden.“? (K. Deschner, Der gefälschte Glaube, S. 20). Das ist eine unerhörte Behauptung und eine boshafte Lüge obendrein. Man bezieht sich dabei auf Gelehrte, die schon eine gute Vorarbeit geleistet haben. Es ist eine Anmaßung, den Schreibern des Neuen Testaments lauter Fälschungen vorzuwerfen und sie somit als Betrüger und die Bibelgläubigen als Betrogene hinzustellen! Durch solche Täuschungsmanöver kann die strahlende Wahrheit nicht verdunkelt werden.
Natürlich waren die vier Evangelisten einfache Männer. Daß ihre Berichterstattung zum Teil unterschiedlich ausgefallen ist, beweist nur, daß sie nicht voneinander abgeschrieben haben. Jeder schrieb, wie er geleitet wurde, je nachdem, was er persönlich gehört oder miterlebt hat bzw. von anderen bezeugt bekam. Ausschlaggebend sind doch die erwiesenen Tatsachen selbst und nicht die damit verbundenen Begleiterscheinungen.
Der katholische Theologe und Bibelübersetzer Dr. Konstantin Rösch hat die Verschiedenheit der vier Evangelien durch die vier Lebewesen Löwe, Stier, Mensch, Adler, wie sie in Offbg. 4, 6-8 und anderen Stellen beschrieben werden, veranschaulicht. Schon Irenäus hat sie aus dem Urchristentum als Symbole für die vier Evangelien bezeichnet. Die Bibel ist ja zum Teil in einer Bilder- und Gleichnissprache geschrieben worden. Matthäus trägt das Gesicht eines Menschen, Markus das eines Löwen, Lukas das eines Stieres und Johannes das eines Adlers. In Hesekiel 1 wird uns von den vier Lebewesen gesagt, daß sie alle Menschengestalt besaßen (Vs. 5) und daß unter ihren Flügeln Menschenhände waren (Vs. 8). Jedes Lebewesen hatte vier Gesichter, stellte sich aber nur mit einem vor. Jedes der Evangelien beschreibt dasselbe Auftreten des Erlösers im Einzelnen, doch jedes hat eine andere Gestalt. Obwohl jedes Lebewesen mit einem anderen Gesicht hervortritt, sind sie alle nach innen gleich. Ebenso ist es mit den vier Evangelien: Nach Innen, in der Sache, im Kern sind alle gleich, doch das eine zeigt den HErrn mehr als Menschensohn; das andere betont Seine göttliche Macht — im Symbol des Löwen, der ja als König unter den Tieren gilt; das dritte stellt Ihn als Lastenträger heraus; das vierte charakterisiert Ihn als den Adler, der sich in göttliche Sphären hinaufschwingt.
Ob nun der eine Evangelist über eine Sache berichtet und der andere nicht, ob dem einen etwas ganz anderes wichtig erschien als dem anderen, ist unerheblich. Wenn ein Evangelist schreibt, daß der HErr mit sieben Broten viertausend speiste, und der andere, daß er mit sieben Broten viertausend Männer, ungerechnet der Frauen und Kinder, speiste, dann haben beide recht. Nur ist der eine mehr auf die Einzelheiten eingegangen. Wenn der eine schildert, wie vor Jericho zwei Blinde geheilt wurden, und der andere, daß ein Blinder geheilt wurde, dann trifft wiederum beides zu. Der eine Evangelist war dabei, als es geschah, der andere traf anschließend nur einen der Geheilten und berichtete darüber. Ein Evangelist führt aus, daß die beiden Räuber, die mit Christus gekreuzigt wurden, Ihn verhöhnten (Matth. 27, 44), der andere, daß einer, nämlich der zu Seiner Rechten, in sich ging und ausrief: „Jesus, gedenke meiner“ (Luk. 23, 39-42), und wieder stimmt beides. Zunächst haben beide gespottet, dann erkannte der eine im letzten Augenblick, wer es war, der neben ihm gekreuzigt wurde, und rief Ihn an.
Auch der Ausspruch: „Wahrlich Ich sage dir, heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein!“, wird wie so vieles andere von den Kritikern mißverstanden. Nach ihrer Schlußfolgerung hätte Jesus demzufolge nach Seinem Tod zunächst einige Tage im Himmel sein müssen, obwohl die Schrift aussagt, daß Er in die Unterwelt hinabgestiegen ist. Sie haben nicht begriffen, daß der Ort der Seligen bis zur Kreuzigung und dem Inkrafttreten des Neuen Bundes nicht oben, sondern unten war. In Luk. 16 wird uns klar berichtet, daß der Ort der Seligen und der Nichtseligen lediglich durch eine Kluft getrennt war und daß keiner in den anderen Bereich hinübergehen konnte. Alle diejenigen, die ihre Hoffnung auf den kommenden Erlöser gesetzt hatten, wurden wie in einem Gefängnis festgehalten und sind dann gemäß Matth. 27, von Vers 52, mit Christus auferstanden. Erst seit dem Zeitpunkt ist das Paradies, der Ort der Seligen, nicht mehr unten, sondern oben. Christus ist hinabgestiegen und hat alle dort Gefangenen, die an Sein Kommen glaubten, bei Seinem Hinaufsteigen mit heraufgebracht (Eph. 4, 8-10).
Auch darin besteht keine Diskrepanz, wenn der eine Evangelist berichtet, daß bei der Auferstehung zwei Engel anwesend waren und zu den Frauen sprachen (Luk. 24, 4), und der andere, daß nur einer dastand (Matth. 28, 2; Mark. 16, 5), und wenn sie einmal im Grab und einmal außerhalb der Gruft gezeigt werden. Es stimmt nämlich alles. Drinnen ging es darum, zu zeigen, wo der HErr gelegen hat. Draußen ging es darum, zu verkünden, daß Er auferstanden ist. So hat es sich an Ort und Stelle zugetragen. Selbst wenn zwei da waren, ist einer von ihnen der Redende gewesen und somit von dem einen Schreiber besonders erwähnt worden. Es gab, Gott sei Dank, nicht nur selbsternannte Kritiker, es gab auch hervorragende Männer, die uns die Harmonie der Schriften überzeugend aufgezeigt haben. Zu ihnen gehört Dr. Dr. C. I. Scofield, ein international anerkannter Gelehrter und Bibelübersetzer, der eine über jeden Zweifel erhabene Einleitung zu den Evangelien geschrieben hat.
Die Kritiker haben auch den prophetischen Charakter des Neuen Testaments überhaupt nicht verstanden. So werfen sie z. B. Paulus vor, er habe sich in seiner eschatologischen Erwartung getäuscht, weil er schrieb: „Wir werden nicht alle entschlafen, wohl aber werden wir alle verwandelt werden. … Wir, die wir leben, die wir bis zur Ankunft des HErrn übrigbleiben …“ (1. Thess. 4, 15) usw. Paulus mußte in der Gegenwartsform schreiben, weil der in ihm wirkende heilige Geist den Verlauf der zukünftigen Heilsgeschichte und deren Dauer wußte. Das ganze Neue Testament ist ja so verfaßt, daß es während der gesamten Gnadenzeit zu jeder Zeit gültig ist, gepredigt und geglaubt werden kann, bis hin zur letzten Generation, wenn sich die entsprechenden Bibelstellen bei der Parusie Christi erfüllen werden. Derselbe Paulus schreibt auch von sich: „… die Zeit meines Abscheidens ist da. Ich habe den guten Kampf gekämpft, habe den Lauf vollendet, den Glauben unverletzt bewahrt: fortan liegt für mich der Siegeskranz der Gerechtigkeit bereit, den der HErr, der gerechte Richter, mir an jenem Tage zuteilen wird“ (2. Tim.
4, 6-8). Im übrigen hat es immer Menschen gegeben, die zu ihrer Zeit mit der Wiederkunft Christi rechneten. Wer es nicht tat, wird an der ersten Auferstehung nicht teilhaben, weil er keine lebendige Hoffnung in sich trug. Auch Martin Luther glaubte, das Ende sei nahe und rechnete mit dem Kommen Christi. Er bezeichnete den Antichristen sogar als den „Endchrist“. Er schrieb: „In diesem Jahr 1540 beträgt die Zahl der Jahre genau 5.500. Deswegen ist das Ende der Welt zu erwarten, denn das 6. Jahrtausend wird nicht vollendet werden, wie die 3 Tage des gestorbenen Christus nicht vollendet worden sind.“ (H. Heinz, Zwischen Zeit und Ewigkeit, S. 137). Wer eine lebendige Hoffnung in sich trug, erwartete die Wiederkunft Christi. So ist es noch heute. Es gibt Menschen, die aufgrund der sich erfüllenden biblischen Prophetie auch in dieser Generation fest damit rechnen.
Den Höhepunkt der von Blindheit geprägten Kritik bildet die miskonstruierte Behauptung, Christi Prophezeiung: „Wahrlich Ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ (Matth. 24, 34) sei fehlgeschlagen. Damit sind doch die Juden als Geschlecht gemeint, und nicht eine Generation. Das jüdische Geschlecht ist trotz grausamen Mordens bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, wie es im Heilsplan Gottes bestimmt ist und wie Jesus es gesagt hat. Auch das Zitat: „Ihr werdet mit den Städten Israels noch nicht zu Ende sein, bis der Menschensohn kommt“ (Matth. 10, 23) wurde völlig mißverstanden und mit Seiner Wiederkunft verwechselt. Ist Er nicht als Menschensohn, der mitten unter den sieben goldenen Leuchtern wandelte, zu Johannes auf die Insel Patmos in Seiner Königsherrschaft gekommen, nämlich in Seiner königlichen Majestät? „… Sein Haupt aber und Seine Haare waren so weiß wie schneeweiße Wolle und Seine Augen wie eine Feuerflamme; Seine Füße glichen dem Golderz, als wären sie im Schmelzofen glühend gemacht, und Seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser.“ (Offbg. 1, 14-15). Also hat sich buchstäblich erfüllt, was Jesus sagte. Mit dem Worte Gottes kann jedes Argument widerlegt werden, das dazu gedacht ist, dasselbe in Frage zu stellen.
Nicht Jesus und die Apostel, sondern bibelkritische Apologeten und Exegeten haben sich im Laufe der Kirchengeschichte geirrt. Bis in die Gegenwart sprechen und schreiben sie nach, was die der gleichen Täuschung zum Opfer Gefallenen ihnen in den Mund legen, ohne sich dessen bewußt zu sein. Dadurch aber offenbaren sie ihre Ignoranz, was den Heilsplan Gottes betrifft. So überzeugend sie den historischen Teil, nämlich die Fehlentwicklung innerhalb des Christentums, speziell der universellen Kirche, darzulegen vermochten, so kläglich versagen sie, wenn es um das Wort und die Dinge des Reiches Gottes geht. Als bibelgläubiger Christ kann man es einfach nicht stillschweigend hinnehmen, wenn Menschen, die keinen Zugang zur Heiligen Schrift und zu dem darin verborgenen und geoffenbarten Heilsratschluß haben, alles mit Fragezeichen versehen, von der größten Fälschung sprechen und Widerspruch über Widerspruch erblicken, nachdem sie dieselben faustdick hineingedeutet haben.
Eines historischen Beweises für die Existenz Jesu Christi bedarf es nicht, denn Er ist Mittelpunkt der Heilsgeschichte und nicht der von Menschen erfaßten Geschichte. Ob Josephus oder ein anderer Historiker über Ihn geschrieben hat oder nicht, steht gar nicht zur Debatte. Propheten und Apostel taten es, weil sie dazu direkt beauftragt waren; das ist glaubwürdig und genügt. Ich für meinen Teil glaube all denen, die dabei waren, als etwas Übernatürliches geschah, und es uns berichtet haben. Von der Geburt Christi bis zu Seiner Himmelfahrt gab es wahrhafte Augen- und Ohrenzeugen. Doch noch heute wie auch damals wird das, was Gott übernatürlich auf Erden tut, totgeschwiegen. Weil es nicht innerhalb der etablierten Kirchen und Religionen geschieht, erreicht es die Berichterstatter gar nicht. Für den Glaubenden aber ist alles genügend bezeugt, und auf falsche Zeugen, die sich erst sehr spät zu Wort melden, braucht niemand zu hören.
Wenn kritische Kirchenhistoriker von einem gefälschten und manipulierten Glauben schreiben, so kann damit unmöglich die Urgemeinde und die Apostelgeschichte, das heißt, das Urchristentum und das gesamte Neue Testament gemeint sein. Manipulierte und gefälschte Glauben, Lehren und Botschaften sind solche, die nicht mit der Heiligen Schrift übereinstimmen und erst später entstanden sind.
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