Book
Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
Navigate
Kapitoly
expand_more
Navigate
Kapitoly
Navigate
Kapitoly
Jump to any chapter without leaving the reader.
Kapitola 9
7. Kapitel: Die Reformation — ein neuer Anfang
9 / 32
Der göttliche Eingriff durch die Reformation war überfällig, doch aus biblischer Sicht bei weitem nicht ausreichend. Hier stehen wir vor der Frage, ob die Reformatoren, allesamt Söhne der römischen Kirche, wirklich begriffen haben, daß ein Neuanfang gemacht werden mußte, weil an diesem völlig verweltlichten und unbiblischen System nichts mehr zu reformieren war. Einerseits traf damals das Wort des Propheten Jeremia zu: „Brecht euch einen Neubruch und säet nicht in die Dornen hinein!“ (Kap. 4, 3), andererseits aber auch die Prophezeiung: „Wir haben Babylon heilen wollen, aber es war nicht zu heilen: überlaßt es sich selbst! laßt uns abziehen“ (Kap. 51, 9). Es war ein Auszug, ein Bruch, als hörte man die Stimme vom Himmel her rufen: „Gehet aus ihr hinaus, ihr Mein Volk, damit ihr an ihren Sünden keinen Anteil habt und von ihren Plagen nicht mitbetroffen werdet!“ (Offbg. 18, 4).
Wohl verstand z.B. Luther die Worte, die der Apostel Johannes im Namen des HErrn verkündet hatte, richtig: „Denn deine Kaufherren sind die Großen der Erde gewesen, und durch deine Giftmischereien sind alle Völker verführt worden; und in ihr ist das Blut der Propheten und Heiligen und aller derer gefunden, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“ (Offbg. 18, 23-24). Ebenso auch die des Propheten Jeremia: „Ein goldener Becher war Babylon in der Hand des HErrn, der die ganze Erde trunken machte; von seinem Wein haben die Völker getrunken, darum haben die Völker den Verstand verloren“ (Jer. 51, 7). Dennoch gelang den Reformatoren kein Durchbruch zum Urchristentum. Es wurde in der Tat nur das eine und das andere reformiert, abgeschafft und umgeändert.
Dabei ging es in erster Linie um den Ablaßhandel, die Rolle des Papstes und um die Mißstände im allgemeinen. Das Durchdringen zu dem gewaltigen Zeugnis, daß der Mensch allein aus Gnade durch den Glauben an den Erlöser gerechtfertigt wird, bildete den schriftgemäßen Höhepunkt. Das war der eigentliche Durchbruch, das Sprengen des babylonischen Gefängnisses. Andererseits aber wurden Lehren übernommen, die völlig unbiblisch und einfach typisch katholisch sind. Die sogenannten Sakramente wurden z.B. nur reduziert, die Kindtaufe übernommen usw.
Leider hat der Trinitätsglaube, den auch die Protestanten übernahmen, sie zum Teil in die gleichen Fußstapfen treten lassen. Juden und Andersgläubige (z. B. die Wiedertäufer) wurden auch von Luther, Schwenkfeld und anderen verdammt. In Genf mußte der spanische Arzt Michel Servet am 27. Oktober 1553 mit Zustimmung von Calvin den Scheiterhaufen besteigen, weil er die Trinitätslehre ablehnte (M. Rang / O. Schlißke, „Die Geschichte der Kirche“, S. 132). Die Äußerungen Luthers und Melanchthons speziell über die Wiedertäufer sind uns in der Kirchengeschichte hinterlassen. Die katholische Einstellung, der „allein seligmachende“ Anspruch der römischen Kirche, ist von den Reformatoren offensichtlich nicht völlig abgelegt worden. Daher erklärt sich auch ihre Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. Auch heute noch! Seit Jahrhunderten bestehende Freikirchen werden immer noch als Sekten bezeichnet, obwohl dieser Begriff eigentlich von „Sektion“ kommt, einen Teil aus dem Ganzen bezeichnet, und nach Webster nichts anderes aussagt, als eine „organisierte, religiöse Gemeinschaft“. So gesehen sind dann nämlich alle organisierten Denominationen Sekten, nämlich Teile aus dem Ganzen. Durch die verschiedenen Kult-Religionen der jüngsten Zeit ist der Sektenbegriff neu aufgelebt und hat einen üblen Beigeschmack.
Wenn zur Zeit der Reformation das göttliche Ziel einer biblisch-neutestamentlichen Gemeinde noch längst nicht erreicht wurde, so war doch der erste Schritt zum biblischen Glauben getan: man kehrte zur Predigt des Wortes Gottes zurück. Insofern sind wir den Vorreformatoren, die noch auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, und dann den eigentlichen Reformatoren Dank und Anerkennung schuldig.
Von da an brach sich das Reich Gottes neu mit Gewalt Bahn. Es folgte eine Erweckung nach der anderen, und immer mehr drang das Licht des Evangeliums hervor. Von der Rechtfertigung durch Glauben ging es zur nächsten Heilserfahrung, nämlich der Herzens-Heiligung durch das Wort und den Geist Gottes. Feurige Erweckungsprediger, die in die Kirchengeschichte eingingen, traten auf und verkündigten die biblischen Wahrheiten, die dann von den Zuhörern erlebt wurden. Wie die Knechte Gottes zu allen Zeiten waren auch sie keine Amts- oder Würdenträger, sondern Diener des Wortes und brachten die Menschen durch die Predigt des Evangeliums in Verbindung mit Christus. Leider machten auch diese von Gott gebrauchten Männer jeweils Halt bei der ihnen besonders wichtigen Lehre. Die einen begnügten sich mit der Rechtfertigung, die anderen mit der Heiligung, andere mit Bekehrung und Glaubenstaufe etc. Gott jedoch wirkte weiter durch Seinen Geist.
Um die Jahrhundertwende brach dann in den verschiedenen protestantischen Kirchen und Freikirchen unter bekehrten Gläubigen, die sich danach sehnten, ein spontanes Geisteswirken aus. Ähnlich wie diejenigen im Urchristentum erlebten auch sie Gott auf übernatürliche Weise. So nahm die Pfingstbewegung des 20. Jahrhunderts ihren Anfang.
Aus den vorwärtsschreitenden Reformations- und Erneuerungsbewegungen gingen die verschiedensten Freikirchen hervor. Durch menschliches Versagen gab es Entgleisungen und Vermischungen, was uns aber nicht dazu berechtigt, das unfehlbare Wirken Gottes abzulehnen. Sinn und Zweck jeder Erweckung war es, die Gemeinde dem urchristlichen Zustand näher zu bringen. War der Geist Gottes bereits in jeder Erweckung wirksam, so ging es bei der sogenannten „Pfingsterweckung“ wieder um eine Geistesausgießung und ein Geisteswirken, das die gerechtfertigten, erneuerten und wiedergeborenen Menschen erleben.
Johannes der Täufer hatte ja verkündigt: „Ich taufe euch nur mit Wasser; es kommt aber der, welcher stärker ist als ich und für den ich nicht gut genug bin, Ihm die Riemen Seiner Schuhe aufzubinden: der wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ (Luk. 3, 16). Diese Ankündigung erfüllte sich das erstemal zu Pfingsten. Das Erlebnis der Geistestaufe gibt dem an Christus Gläubiggewordenen die Gewißheit, daß Gott ihn angenommen hat, es ist für die wahren Gotteskinder die Versiegelung mit dem heiligen Geist (Eph. 1, 13; Eph. 4, 30).
Heute haben wir es allerdings mit den verschiedensten charismatischen Bewegungen zu tun, bis hin zur römisch-katholischen Pfingstbewegung. Es wird eine Atmosphäre erzeugt, in der Menschen ein Gefühlserlebnis machen, aber auf dem alten Stand und ihrer Tradition verhaftet bleiben. Sie empfangen eine gewisse Salbung mit dem Geist. Doch haben sie ein wirkliches Erlebnis mit Gott in ihrer Seele gemacht, wodurch sie erneuert und wiedergeboren worden wären? Diese Frage kann nur jeder für sich persönlich beantworten. Wirklich vom heiligen Geist erfüllte Kinder Gottes werden die ewiggültige Erlösung anerkennen und das ewigbleibende Wort Gottes zu ihrem ausschließlichen Zeugnis machen. Sie haben die Früchte des Geistes, an denen allein sie erkannt werden. Gaben können viele vorweisen, die Früchte des Geistes jedoch haben nur diejenigen, die Seines göttlichen Wesens teilhaftig geworden sind. Noch gilt das Wort: „… an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht alle, die ,HErr, HErr‘ zu Mir sagen, werden ins Himmelreich eingehen, sondern nur, wer den Willen Meines himmlischen Vaters tut. Viele werden an jenem Tage zu Mir sagen: ,HErr, HErr, haben wir nicht kraft Deines Namens prophetisch geredet und kraft Deines Namens böse Geister ausgetrieben und kraft Deines Namens viele Wundertaten vollführt?‘ Aber dann werde Ich ihnen erklären: ,Niemals habe Ich euch gekannt: hinweg von Mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit!‘ “ (Matt. 7, 20-23).
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, im Mai 1946, begann in den USA durch einen einfachen und demütigen Prediger, William Branham († 1965), eine gewaltige Erweckungsbewegung. Rev. Gordon Lindsay berichtet als jahrelanger Augenzeuge in seinem Buch „William Branham, ein Mann von Gott gesandt“, daß Gott in seinem Dienst die gleichen Wunder und Zeichen wirkte, wie sie in den Tagen Jesu Christi und der Apostel geschahen: Blinde wurden sehend, Lahme konnten wieder gehen, ja sogar Krebskranke im Endstadium wurden geheilt. In der zweiten Auflage des Buches, das der „Mehr-Licht-Verlag“ in Hamburg seinerzeit herausgab, ist auf S. 4 auch der Brief des deutschen Landesbischofs der evangelisch-lutherischen Kirche, D. Dr. Dibelius, an den Übersetzer Pfarrer M. Gensichen abgedruckt: „Haben Sie herzlichen Dank für die freundliche Zusendung des interessanten Heftes über den Evangelisten William Branham, das Sie so flüssig übersetzt haben. Für uns ist diese Methode ja noch etwas fremd, die da von den Amerikanern angewandt wird. Aber es ist vielleicht gut, daß mal ein anderer Geist in unsere Evangelisationspraxis gebracht wird. Insofern begrüße ich Ihren Plan, Branham auch nach Deutschland einzuladen.“
Dieser bevollmächtigte und übernatürlich legitimierte Dienst war der Anstoß für eine größere Anzahl von Evangelisten, die später mit einem ähnlichen Wirken auftraten. Es entstanden viele bekannte Evangelisationsgesellschaften sowie die Internationalen Geschäftsleute des vollen Evangeliums; auch die charismatische Bewegung und verschiedene andere Richtungen nahmen ihren Anfang. Bei genauer Betrachtung jedoch ist das religiöse Durcheinander heute größer als je zuvor. Es heißt: „Hier ist Christus! Da ist Christus!“ Immer noch ist keine dem Urchristentum gänzlich vergleichbare Gemeinde mit der entsprechenden biblischen Lehre und Praxis und der schriftgemäßen Bestätigung entstanden. Es bedarf jetzt am Ende der neutestamentlichen Zeitspanne eines abschließenden, mächtigen Geisteswirkens, wodurch die Gemeinde zur Vollendung gelangt. Denn die göttliche Zielsetzung ist es, das Ende dem Anfang gleich zu machen. Wie Christus am Anfang wirkte, so wird Er es auch am Ende tun.
Grundsätzlich alles, was die Gemeinde des lebendigen Gottes betrifft, muß in den ursprünglichen Stand zurückgebracht werden. Ihr ist eine Zeit der Erquickung und die völlige Wiedererstattung vor der Wiederkunft Christi verheißen (Apg. 3, 19-21 und andere Stellen). Wer jetzt zur Gemeinde des HErrn gehört, wird sich nicht durch religiöse Begeisterungen und Täuschungen fortreißen lassen, sondern die Heilige Schrift durchforschen, die Verheißungen für diese Zeit finden, glauben und erleben. Alles, was Gott tut, das tut Er gemäß Seinem Wort. Ehe wir beten können: „… Dein Wille geschehe …“, muß uns der Wille Gottes aus dem Wort geoffenbart worden sein. Dies ist nicht die Zeit besonderer Männer, sondern die Stunde Gottes, die Stunde des Wortes — der Wahrheit. Anhand dieser Ausführungen soll es jedem möglich gemacht werden zu prüfen, ob er wirklich gemäß der Schrift glaubt oder nur den Glauben einer Kirche oder Freikirche hat. Jetzt kommt es darauf an, den Anschluß an das letzte Wirken Gottes vor der Wiederkunft Jesu Christi zu bekommen.
PDF
EPUB