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Das Traditionelle Christentum

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 32 calendar_month 13. 12. 1992

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Kapitola 12

10. Kapitel: Die Geistleiblichkeit Gottes

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In der unendlichen Ewigkeit war Gott allein. Gott ist Geist. Gott ist Licht. Gott ist Leben. In dieser Geist- und Licht-Urfülle war Er zunächst allein. Niemand hat Ihn so je gesehen. Beginnen wir da, wo Gottes Handeln uns bezeugt wird, am Uranfang. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1, 1). Aus neutestamentlicher Sicht wird rückblickend bezeugt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ (Joh. 1, 1). Mit diesem Vers wird der sich Offenbarende, außerhalb der Licht-Urfülle tätig Werdende beschrieben, nämlich Gott als Logos — Jahweh, der Handelnde und Wandelnde, der später Fleisch wurde und Sohnesgestalt annahm. Als Jahweh wurde Er neben Elohim, nämlich außerhalb der Geist- und Lichturfülle gezeigt. Deshalb steht: „Dieses war im Anfang bei Gott“ (Vs. 2), nicht in Ewigkeit, denn die Ewigkeit hat keinen Anfang. Damit alle wissen, daß es sich hier um Jahweh, den Schöpfer, handelt, heißt es in Vers 3 mit Bezug auf das Wort, den Logos, weiter: „Alle Dinge sind durch dieses geworden, und ohne dieses ist nichts geworden, was geworden ist.“ In diesem Zusammenhang muß auch das Wort in Kol. 1, 16 gesehen werden: „… denn in Ihm ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde ist, das Sichtbare wie das Unsichtbare, mögen es Throne oder Herrschaften, Mächte oder Gewalten sein: alles ist durch Ihn und für Ihn geschaffen worden.“

Zu Beginn des Schöpfungsprozesses war die Erde wüst (tohu) und leer (bohu), sie hatte noch keine Gestalt, noch kein Leben. Finsternis lag über der Tiefe. In dem Moment, als Gott schöpferisch tätig wurde, schwebte der Geist Gottes über der Tiefe. Wort (Logos) und Geist Gottes wirkten von Anfang an in der Schöpfung und Erlösung harmonisch zusammen. Die Schöpfung kam durch das gesprochene Wort ins Dasein. Doch Leben konnte nur durch Mitwirkung des Geistes hervorkommen. Gott sprach, und es war da. ER sprach: „Es werde Licht!“ (1. Mose 1, 3), und es ward Licht. Alles, was Gott aussprach, geschah. In Seinem Wort ist schöpferische Kraft.

Im Ur-Anfang kam Gott, wie bereits erwähnt, aus Seiner Urfülle hervor und trat in eine Gestalt als Jahweh: „Da schuf Gott den Menschen nach Seinem Bilde: nach dem Bilde Gottes schuf Er ihn …“ (1. Mose 1, 27). Das Bild Gottes ist die Gestalt eines Mannes: „und auf diesem Throngebilde war eine Gestalt zu sehen, die wie ein Mann aussah …“ (Hes. 1, 26; Offbg. 4, 2).

Gott ist eine Person; Er wandelte in dieser Gestalt im Garten Eden und sprach zu den ersten Menschen. In 1. Mose 18, 1 wird Sein Besuch bei Abraham geschildert: „Dann erschien ihm der HErr bei den Terebinthen Mamre’s, während er gerade um die Zeit der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes saß. Als er nämlich aufblickte und hinsah, standen plötzlich drei Männer vor ihm …“ Das dann folgende Gespräch fand zwischen dem HErrn und Abraham statt. Die beiden Engel, die den HErrn begleiteten, gingen später nach Sodom (1. Mose 19). Die Tatsache, daß Gott sich in geistleiblicher Gestalt offenbarte, wird im ganzen Alten Testament bestätigt. Jakob rang mit Ihm, umfaßte Ihn und bekam sogar einen Fausthieb von Ihm auf die Hüfte, daß er lahmte (1. Mose 32, 22-32, Hos. 12, 4-6). Gott der HErr war und ist für alle, denen Er sich offenbart und zu denen Er redet, die größte Realität, die es überhaupt gibt.

Der zweite Punkt, der um des Schöpfungsberichtes willen hervorgehoben werden muß, besteht darin, daß auch Engel Männergestalt haben, wie es die Heilige Schrift vielfach bezeugt. Daniel berichtet: „… sah ich plötzlich Einen mir gegenüberstehen, der wie ein Mann aussah. Dann hörte ich eine Menschenstimme über dem Ulai laut rufen: ,Gabriel, erkläre diesem da das Gesicht!‘ “ (Kap. 8, 15-16). In Kap. 9, 21 bezeugt er: „… während ich also noch mein Gebet verrichtete, kam der Mann Gabriel, den ich früher schon in dem ersten Gesicht gesehen hatte …“

Daß der HErr selbst und die Engel Männergestalt haben, ist insofern von großer Bedeutung, daß dadurch eine unfehlbare Antwort auf 1. Mose 1, 26 gegeben wird. Hier steht: „Dann sprach Gott: ,Laßt uns Menschen machen nach unserem Bilde …‘ “ Von Anfang an war Gott von Engeln umgeben, die in gleicher Gestalt waren wie Er. Zu Hiob sprach Er: „Wo warst du, als Ich die Erde baute? … Worauf sind ihre Grundpfeiler eingesenkt worden … während die Morgensterne allesamt laut frohlockten und alle Engel jauchzten?“ (Hiob 38, 4-7). Hier wird uns durch Gottes Wort bestätigt, daß die himmlischen Heerscharen anwesend waren, als Gott die Erde schuf. Zu ihnen hat Er gesprochen: „Laßt uns Menschen machen …“ Die Deutung, daß da zu göttlichen Personen gesprochen wurde, trifft nicht zu. Kein Prophet und kein Apostel hat diese Stelle je dahingehend ausgelegt. Als der Prophet Jesaja die Herrlichkeit Gottes schaute, sah auch er den HErrn auf dem Throne sitzen, von himmlischen Heerscharen umgeben. Dann vernahm er die Stimme des HErrn: „Wen soll Ich senden, und wer wird unser Bote sein?“ (Kap. 6, 8).

Der Prophet Micha berichtet von einem ähnlichen Erlebnis. Er bezeugt: „Ich habe den HErrn auf Seinem Throne sitzen sehen, während das ganze himmlische Heer Ihm zur Rechten und zur Linken stand“ (2. Chr. 18, 18). Als Gott der HErr dem Turmbau zu Babel ein Ende bereiten wollte, sprach Er: „Auf! wir wollen hinabfahren und ihre Sprache dort verwirren“ (1. Mose 11, 7). ER redete jedesmal zu den Ihn umgebenden Engeln. Das uns und das wir ist weder im Alten Testament von den Propheten noch im Neuen Testament von den Aposteln auf die Gottheit bezogen gedeutet worden.

Das große Geheimnis, das kein Mensch erklären kann, besteht darin, daß Gott der HErr im Neuen Testament aus Seiner Geistleiblichkeit in die Fleischleiblichkeit kam, sich völlig entäußerte und Mensch wurde. Zuerst wurde Adam in der Geistleiblichkeit, nämlich im Bilde Gottes, geschaffen (1. Mose 1, 27). In Kapitel 2 wird berichtet, daß Adam dann aus Erde geformt wurde. So wurde er zu einem irdischlebenden Seelen-Wesen. In der Geistleiblichkeit war Eva schon in ihm. Herausgenommen wurde sie erst, nachdem er im Fleischesleibe geschaffen worden war. In gleicher Weise war auch die Gemeinde bereits in Gott, als Er in der Geistleiblichkeit war. Herausgenommen wurde sie erst, als Er im Fleischesleibe erschien.

Der Mensch ist nicht im Geistesleib ungehorsam gewesen und gefallen, sondern im Fleischesleibe. Aus diesem gefallenen Zustand mußte er erlöst und wieder in die Unsterblichkeit zurückversetzt werden. Deshalb wurde der HErr uns gleich, um in Seinem Fleischesleibe (Kol. 1, 22) den Preis für unsere Erlösung zu bezahlen, damit wir wieder zu Söhnen und Töchtern Gottes werden können. Es hat ein neuer Anfang stattgefunden, eine neue Schöpfung.