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Das Traditionelle Christentum

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 32 calendar_month 13. 12. 1992

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Wir wollen sehen, was einerseits Gott und andererseits Menschen aus der tugendhaften Miriam, denn so hieß das Mädchen Maria, gemacht haben. Sie war die Jungfrau, an der sich die Verheißung erfüllte, die Gott der HErr durch den Propheten Jesaja gegeben hatte: „Seht, die Jungfrau wird guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären, dem sie den Namen Immanuel geben wird“ (Jes. 7, 14).

Wenn in neuen Bibelübersetzungen junge Frau anstatt „Jungfrau“ wiedergegeben wird, dann ist das eine schwere Sinnentstellung. Maria war zum Zeitpunkt des göttlichen Ereignisses keine „junge Frau“, das war sie später. Sie war Jungfrau, als der heilige Geist sie überschattete. Die Merkmale einer Jungfrau sind Reinheit und Unberührtheit.

„Mit der Geburt Jesu Christi aber verhielt es sich so: Als Seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, stellte es sich heraus, noch ehe sie zusammengekommen waren, daß sie vom heiligen Geist guter Hoffnung war“ (Matth. 1, 18).

Joseph war so enttäuscht, daß er sie im Stich lassen wollte. Wir können uns in das hineinversetzen, nachfühlen, was in ihm vorging. „Da faßte Joseph, ihr Verlobter, der ein rechtschaffener Mann war und sie nicht in üblen Ruf bringen wollte, den Entschluß, sich, ohne Aufsehen zu erregen, von ihr loszusagen.“ Er wollte keinen Skandal, war aber so gekränkt, daß er sich von ihr trennen wollte. „Doch als er sich mit solchen Gedanken trug, siehe, da erschien ihm ein Engel des HErrn im Traum und sagte zu ihm: ,Joseph, Sohn Davids, trage keinerlei Bedenken, Maria, deine Verlobte, als Ehefrau zu dir zu nehmen! denn das von ihr zu erwartende Kind stammt vom heiligen Geist“ (Vs. 20).

Hier finden wir in der Heiligen Schrift den ersten Hinweis, daß die Verlobte später seine Ehefrau wurde. Wer weiterliest, wird feststellen, daß Joseph genau nach der Weisung handelte, die ihm gegeben wurde: „… tat er, wie der Engel des HErrn ihm geboten hatte: er nahm seine Verlobte zu sich, verkehrte aber nicht ehelich mit ihr, bis sie einen Sohn geboren hatte; dem gab er den Namen Jesus“ (Vs. 24). Das ist deutlich genug. Erst nach der Geburt Jesu Christi verkehrte er ehelich mit Maria. Aus dieser Ehe sind vier Söhne und mehrere Töchter, deren Zahl nicht genannt wird, hervorgegangen. „Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt Seine Mutter nicht Maria, und sind nicht Jakobus und Joseph, Simon und Judas Seine Brüder? Wohnen nicht auch Seine Schwestern alle hier bei uns?“ (Matth. 13, 55-56). Das ist die biblische Wahrheit, alles andere sind zu Ehren Marias formulierte Erfindungen.

Schon in Matth. 1, 16 wird Joseph als Ehemann Marias im Geschlechtsregister aufgeführt. Auch die Tatsache, daß eine Ehe bestand, aus der Kinder hervorgingen, wollen wir auf weitere Zeugen gründen. Der Evangelist Markus berichtet darüber in Kapitel 6, Vers 3. Lukas setzt uns darüber in Kenntnis, daß Seine Mutter und Seine Brüder zu Ihm kamen. Ihm wurde gemeldet: „,Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wünschen Dich zu sehen.‘ ER aber antwortete ihnen mit den Worten: ,Meine Mutter und Meine Brüder sind diese da, die das Wort Gottes hören und tun‘ “ (Luk. 8, 19-20).

Jesus war nicht gekommen, um ein irdisches Verwandschaftsverhältnis aufzurichten, deshalb konnte Er auf die natürliche Mutter und auf die ebenfalls von ihr geborenen Söhne keine besondere Rücksicht nehmen. ER gab die entsprechende Korrektur, um hervorzuheben, wer die wahren Gotteskinder sind, nämlich diejenigen, die gemäß dem Worte Gottes handeln.

Falsche Inspiration gab es allerdings schon in jenen Tagen. Auch das wird uns nicht vorenthalten: „Als Er so redete, erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und rief Ihm zu: ,Selig ist der Mutterschoß, der Dich getragen, und die Brüste, die Dich genährt haben!‘ ER aber erwiderte: ,Selig sind vielmehr die, welche das Wort Gottes hören und bewahren!‘ “ (Luk. 11, 27-28). Welch eine typisch auf Huldigung ausgerichtete Stimme erhob sich dort! Der HErr jedoch korrigierte auf der Stelle.

Um den Marienkult so richtig fördern zu können, ist sogar Luk. 1, 28 gefälscht bzw. falsch übersetzt worden: „Als nun der Engel bei ihr eintrat, sagte er: ,Sei gegrüßt, du Begnadete: der HErr ist mit dir!‘ “ (Luk. 1, 28). Im katholischen Katechismus ist nachzulesen: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der HErr ist mit dir!“ Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob jemand begnadet ist, oder ob jemand voll der Gnade ist.

Maria ging den gleichen Lebensweg wie alle Mädchen. Ehe sie von dem Engel Gabriel angesprochen wurde, war sie mit Joseph verlobt und hatte vor, ihn zu heiraten. Der verlobten Maria rief der Engel zu: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden!“ (Vs. 30). Natürlich war sie über den himmlischen Boten und die Botschaft erstaunt. Dieser Vers bestätigt nochmals, daß Maria nicht voll der Gnade war, sondern, wie geschrieben steht: „Gnade bei Gott gefunden “ hatte. Deshalb sagte sie: „ ,Siehe, ich bin des HErrn Magd: mir geschehe nach deinem Wort!‘ Damit schied der Engel von ihr“ (Vs. 38).

Es gibt keine Stelle in der Heiligen Schrift, die uns von der Gnade Marias oder gar der Gunst Josephs abhängig macht. Im Gegenteil: Die Gnade Gottes ist uns im fleischgewordenen Wort erschienen, das Wohnung unter uns nahm (Joh. 1), und ist noch heute einzig und allein in dem Erlöser zu finden: „Aus Seiner Fülle (nicht aus ihrer), aus Seiner Fülle haben wir ja alle empfangen, und zwar Gnade über Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben worden, aber die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden“ (Joh. 1, 16-17). Auch diesbezüglich wurde uns in der Heiligen Schrift ein klares Zeugnis hinterlassen.

Der Sohn liegt weder an Marias Brust noch in ihren Armen, wie es unzählige Bildnisse zeigen und darstellen, sondern, wie geschrieben steht, an des Vaters Brust: „Niemand hat Gott jemals gesehen: der eingeborene Sohn, der an des Vaters Brust liegt, der hat Kunde von Ihm gebracht“ (Vs. 18). Alle sogenannten Gnadenbilder und symbolischen Darstellungen mit Mutter und Kind sind aus dem heidnischen Fruchtbarkeitskult von Göttern und Göttinnen übernommen worden. Diese Irreführung verleitete weg vom Gottesdienst, hin zum Götzendienst! Jesus ist doch nicht die „gebenedeite“ Frucht Mariens, wie fälschlicherweise gelehrt wird. Maria war nur die Trägerin der göttlichen Substanz.

In den folgenden Versen wird uns das menschliche Versagen der Maria vor Augen gestellt. Nach dem Passahfest in Jerusalem begaben sich die Leute auf ihren Heimweg; nur der zwölfjährige Jesus blieb im Tempel zurück, ohne daß die Familie es zunächst bemerkte. „Nach drei Tagen endlich fanden sie Ihn, wie Er im Tempel mitten unter den Lehrern saß …“ (Luk. 2, 46). Verständlicherweise war Maria voll Sorge und war sich deshalb wohl nicht mehr bewußt, was sie sagte, als sie Ihm vorhielt: „Kind, warum hast Du uns das angetan? Bedenke doch: Dein Vater und ich suchen Dich mit Angst!“ (Luk. 2, 48).

Die Antwort des Knaben war eine deutliche Korrektur: „Wie habt ihr Mich nur suchen können? Wußtet ihr nicht, daß Ich im Hause Meines Vaters sein muß?“ (Luk. 2, 49). ER bezog sich nicht auf die Zimmermannswerkstatt von Joseph, sondern auf Seinen himmlischen Vater, und stellte damit sofort den Ausspruch Marias richtig, die fälschlicherweise in dem Augenblick Joseph als Seinen Vater gemeint hatte.

Daß Maria selbst der Gnade und des Heils bedurfte, ersehen wir daraus, daß auch sie sich nach der Himmelfahrt Jesu Christi auf den Söller begab und zu der Schar der 120 gehörte, die dort den heiligen Geist empfangen haben: „Diese alle waren dort einmütig und andauernd im Gebet vereinigt samt Frauen, besonders auch mit Maria, der Mutter Jesu, und mit Seinen Brüdern“ (Apg. 1, 14). Von Seinen Brüdern, die ebenfalls mit auf dem Söller waren, heißt es, daß sie nicht von Anfang an an Ihn glaubten (Joh. 7, 3-5).

Maria wurde damals nicht gehuldigt; sie gehörte zu denen, die selber beteten, um dann die Ausgießung des heiligen Geistes zu erleben. Der persönliche Empfang des heiligen Geistes ist für jedes Gotteskind heilsnotwendig und somit auch für Maria.

Es wird gesagt: „Der Maria wird der Sohn jeden Wunsch erfüllen!“ Wo steht das geschrieben? Da wird eine falsche Hoffnung in den Menschen geweckt. Diesem Gedanken liegt die Annahme zugrunde, daß Er Gottes und Mariä Sohn ist. Diese Formulierung steht aber kein einziges Mal in der Heiligen Schrift. ER ist der Sohn Gottes, Maria war nur das Gefäß.

Als es auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa an Wein mangelte, sagte Maria zu Jesus: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Jesus antwortete ihr: „Was kümmern dich Meine Angelegenheiten, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Joh. 2, 3 + 4). Es war eine scharfe Antwort auf einen sanften Hinweis und sollte klarstellen, daß kein Mensch Ihn beeinflussen konnte, auch Maria nicht.

Den guten Rat, den sie den Aufwärtern gab, sollten wir uns allerdings zu Herzen nehmen: „Was Er euch etwa sagt, das tut“ (Vs. 5). Das ist die große Lektion für die gesamte Menschheit.

Die leiblichen Brüder des HErrn werden nicht nur in den Evangelien erwähnt, auch Paulus spricht von ihnen. „Haben wir nicht das Recht, eine Schwester als Ehefrau bei uns zu haben wie die übrigen Apostel und die Brüder des HErrn und Kephas?“ (1. Kor. 9, 5).

An die Galater schreibt der Apostel: „Von den übrigen Aposteln habe ich damals keinen gesehen außer Jakobus, den Bruder des HErrn“ (Gal. 1, 19).

Bemerkenswert ist, daß Maria seit dem Gründungstag der neutestamentlichen Gemeinde zu Pfingsten, also von Apg. 2 bis zum letzten Kapitel der Bibel nie mehr erwähnt wird. Einem bibelgläubigen Christen leuchtet das ein. Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt. In den Urchristen wohnte nicht der Geist der Abgötterei, sondern der heilige Geist. Sie verehrten nicht ein Geschöpf, sondern den Schöpfer.

„… Nach dem 7. Jahrhundert setzt eine völlig unbiblische Verehrung und Vergötterung der Maria ein. Seit dem 12. Jahrhundert betete man das ,Ave Maria‘. Die Marienfeste waren seit etwa 1140 um das ,Fest der unbefleckten Empfängnis‘ vermehrt worden. Im 12. Jahrhundert kam auch das Rosenkranzgebet auf … Im Zeichen der Maria will die katholische Kirche die Welt für sich gewinnen. Deshalb wurde der Kult um Maria gerade nach dem 2. Weltkrieg verstärkt. …“ (O. Markmann, Irrtümer der katholischen Kirche, S. 48-50).

Es ist einfach anhand dessen, was gelehrt und praktiziert wird, zu unterscheiden, ob der heilige Geist oder der antichristliche Geist wirksam ist. Mit allem Nachdruck muß gesagt werden: Die Maria der Bibel, der zugerufen wurde: „O selig die, welche geglaubt hat, denn die Verheißung, die der HErr ihr gegeben hat, wird in Erfüllung gehen“ (Luk. 1, 45) und die ergeben sprach: „Ich bin des HErrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast“ (Luk. 1, 38), ist eine ganz andere als die zur Göttin erhobene Maria, die 431 n. Chr. auf dem Konzil zu Ephesus zur „Gottes-gebärerin“ gekürt wurde.