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Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
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Kapitola 10
8. Kapitel: Die Gottheit
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Mit höchstem Respekt und in heiliger Ehrfurcht nahen wir uns dem Thema über die Gottheit. So wie es die unterschiedlichen Religionen gibt, finden wir auch die verschiedenen Vorstellungen und Lehren über Gott. In dieser Darlegung möchten wir Gott selbst Zeugnis über sich ablegen lassen und Seine Selbstoffenbarung hervorheben.
Von Formulierungen werden wir absehen, denn man kann nicht begreiflich machen, was unbegreiflich ist, nicht erklären, was unerklärlich ist, und nicht verstehen, was über unser Verständnis hinausgeht und uns bis zum Übergang in die Ewigkeit unfaßbar bleiben wird. „Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können Dich nicht fassen“ (2. Chr. 6, 18). Erst wenn wir selbst bei Gott in der Herrlichkeit sind, werden wir mehr über das Geheimnis des Allmächtigen erfahren.
Fast alle Apologeten haben sich die Denkweise über die Gottheit zu eigen gemacht, wie sie erst seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. diskutiert und später gelehrt worden ist. Weshalb dabei weder das Alte noch das Neue Testament berücksichtigt und zu Rate gezogen wurde, ist unverständlich. Kein Prophet und kein Apostel hat eine Trinität formuliert. Im Heidentum gab es viele Trinitäten, die bekannteste ist im Hinduismus zu finden: Brahma, der Schöpfer — Vishnu, der Erhalter — Mahesh, der Zerstörer. Aber weder im Alten noch im Neuen Testament ist von mehreren Personen Gottes die Rede. Kein einziges Mal stellt sich uns der HErr in Seinem Wort als ein „Drei-Personen-Gott“ vor, wohl aber als der persönliche Gott. Wer Gott aufzuteilen versucht, hat nicht mehr den einen wahren Gott, sondern einen selbstgemachten Gott mit zwei oder drei Gesichtern, bzw. mehrere Götter.
In den letzten Jahren haben sich besonders auf Kirchentagen der evangelischen Kirche feministische Theologinnen mit Abhandlungen über Gott zu Wort gemeldet, die in der Tat blasphemisch sind. Es wird beanstandet, daß Gott männlich und nicht weiblich ist. Da wird von dem „männlichen Gott der Bibel“, von den „zehn Geboten nur für Männer geschrieben“ gesprochen und erklärt: „da Frauen kein Glied haben, das man beschneiden konnte, konnten sie auch nicht ,Mitglied‘ der jüdischen Kultgemeinde sein“ (Idea Spektrum, 1. Juli 1987, S. 17). Es ist einfach erschreckend mitzuerleben, wie weit sich Menschen vergessen können und sogar Gott antasten.
Vor ca. viertausend Jahren schloß Gott mit Abraham einen Bund und gab ihm die Verheißung: „… und in dir sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden“ (1. Mose 12, 3). Abraham ist für Juden, Christen und Moslems eine zentrale Figur. Zur Zeit Moses, also vor ca. 3.600 Jahren, kam Gott der HErr auf den Berg Sinai und gab die zehn Gebote. Auch dieses Ereignis ist bei den drei genannten Religionen unbestritten. Von dem Zeitpunkt an wurde Israel dazu bestimmt, inmitten aller Heidenvölker Zeugnis von dem einen, wahren Gott abzulegen.
Vor ca. zweitausend Jahren trat der Messias auf, gezeugt vom heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria. Davon sind die Christen überzeugt. Die Moslems halten Ihn für den größten Propheten, glauben auch an die Wunder, die Er gewirkt hat, sehen Ihn aber nicht als Erlöser. Nicht so die Juden; doch ihre Zeit, an Ihn zu glauben, steht nahe bevor. Denn wie die Brüder Joseph erst beim zweiten Mal erkannten, so wird Israel auch den Messias erst erkennen, wenn Er zum zweitenmal zu ihnen kommt (1. Mose 45; Apg. 7, 13).
Vor ca. 1.400 Jahren trat Mohammed auf, um seine Volksgenossen aus dem Götterkult zu dem Glauben an den einen wahren Gott, den Allmächtigen, den er Allah nannte, zu bringen. Mohammed glaubte, gemäß der Verheißung in Mal. 3, 23 der letzte Prophet zu sein. Nach ihm sollte das Gericht über die Erde kommen und Allah das Urteil über die Menschheit sprechen, wonach die einen ins Paradies, die anderen in die Verdammnis gehen würden. Obwohl 1.400 Jahre vergangen sind, ist dieses Ereignis noch nicht eingetroffen. Entstanden ist jedoch daraus eine Religionslehre, die sich massiv gegen Christentum und Judentum richtet. Das war nicht die ursprüngliche Absicht. Immer wieder wird im Koran gemahnt, die Heilige Schrift — damit meinte Mohammed die Bibel! — zu lesen und zu glauben, was allerdings heute von keinem Moslem befolgt wird.
Das Entscheidende ist die rechte Gotteserkenntnis und das rechte Verständnis Seiner Selbstoffenbarung. Nur so können wir in den Plan Gottes miteinbezogen werden. Was die persönliche Offenbarung Gottes betrifft, so hat die Mehrzahl der Juden sie nicht erkannt, die Christen haben sie überwiegend mißgedeutet und die Moslems nicht verstanden. Das kann überzeugend nachgewiesen werden. Hätte derselbe Gott, der zu Abraham, zu Mose und durch Christus sprach, auch zu Mohammed geredet, dann müßte das Gesagte, Geschriebene und Geglaubte von A bis Z übereinstimmen. Als Menschen des 20. Jahrhunderts müssen wir doch fragen dürfen, wer Gottes Wort und Plan verstanden und wer ihn mißverstanden hat. Die ursprüngliche Zielsetzung Gottes mit der Menschheit ist in den heutigen Religionen einfach nicht mehr bekannt. Ebenso ist Sinn und Zweck der verschiedenen Gottesoffenbarungen bis hin zu Seiner Selbstoffenbarung in Christus von der überwältigenden Mehrheit weder erkannt noch verstanden worden.
Für das deutsche Wort „Gott“ steht im Urtext das Wort „Elohim“. „Im Anfang schuf Elohim Himmel und Erde …“ Das Wort „Gott“ stellt uns den Allmächtigen als „Gegenstand der Anbetung“ vor. Im ersten Kapitel der Bibel ist nur von Elohim die Rede. Von 1. Mose 2, 4 an lesen wir von „Gott dem HErrn“ (Elohim-Jahweh). Die einzelnen Bezeichnungen drücken die Art und Bedeutung der Offenbarung Gottes aus. Es handelt sich dabei um die Vielfalt Seiner Eigenschaften. Das Wort Elohim selbst ist in der Einzahl, drückt aber eine Mehrzahl aus, denn Gott ist ja vieles: Schöpfer, Erhalter, Richter, König usw.
Immer, wenn im Grundtext das Wort Elohim, Elah oder El steht, ist Gott gemeint. Es kommt lediglich darauf an, in welch einer Eigenschaft Er spricht und sich offenbart. Verwendet wurden die Bezeichnungen El Elyon (Höchster Gott; 1. Mose 14, 18); El Shaddai (Gott der Sorgende, Stärkende, Allgenügende; 1. Mose 17, 1); El Olam (ewiger Gott; 1. Mose 21, 33) und El Gibbor (mächtiger Gott; Jes. 9, 5). Es ist sehr bedauerlich, daß die hebräischen Begriffe von den Bibelübersetzern nicht übernommen wurden. Die wahre Gotteserkenntnis ist dadurch schwieriger geworden, weil die Bedeutung, die in den Namen selbst lag, nicht mehr zum Ausdruck kommt.
Bis zur Gesetzgebung wurde von den Patriarchen der Begriff Elohim für Gott verwendet. Erst zu Mose sprach Gott: „ICH bin Jahweh. ICH bin dem Abraham, Isaak und Jakob als der El Shaddai erschienen, aber mit Meinem Namen Elohim-Jahweh habe Ich Mich ihnen nicht geoffenbart“ (2. Mose 6, 2-3). Nun stand die Bundesschließung mit dem gesamten Volk Israel bevor, und somit offenbarte Gott der HErr Seinen Bundesnamen, nämlich den Namen Jahweh, der im Hebräischen JHWH geschrieben wird. Überall, wo wir im ganzen Alten Testament „Gott der HErr“ lesen, steht im Grundtext Elohim-Jahweh. Jahweh ist die sichtbare Erscheinungsform Elohims.
In derselben Weise, wie Elohim jeweils in dem entsprechenden Zusammenhang in Seiner Vielfalt ausgedrückt wird, geschieht es auch mit dem Namen Jahweh: Jahweh-Jireh (der HErr sorgt; 1. Mose 22, 7-14), Jahweh-Rapha (der HErr heilt; 2. Mose 15, 26), Jahweh-Nissi (der HErr mein Panier; 2. Mose 17, 8-15), Jahweh-Shalom (der HErr mein Friede; Richter 6, 23), Jahweh-Raah (der HErr mein Hirte; Ps. 23), Jahweh-Zidkenu (der HErr meine Gerechtigkeit; Jer. 23, 6), Jahweh-Shammah (der HErr ist gegenwärtig; Hes. 48, 35) und Jahweh-Sabaoth (HErr der Heerscharen; 1. Sam. 1, 3). Gott offenbarte sich von Anfang an als HErr, je nach Notwendigkeit und entsprechend Seinem Willen.
Ehe Gott der HErr Seinen Namen kundtat, ließ Er Mose wissen, wer Er ist: „Da sagte Gott zu Mose: ,ICH bin, der ICH BIN.‘ Dann fuhr Er fort: ,So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ,ICH BIN‘ hat mich zu euch gesandt! … Das ist Mein Name in Ewigkeit und Meine Benennung von Geschlecht zu Geschlecht‘ “ (2. Mose 3, 14-15). Der Begriff „ICH BIN“ ist in dem Namen Jahweh als der ewig Seiende, in sich selbst Existierende eingebettet. ER ist immer der ICH BIN, ganz gleich wie, wo und wann Er sich kundtut. Auch wenn Er aus der Geistleiblichkeit in die Fleischleiblichkeit kommt, wenn Er den neutestamentlichen Bundesnamen Jahschua (Jesus), was „Jahweh-Retter“ bedeutet, trägt, bleibt Er trotzdem immer der ICH BIN. So finden wir es bis hin zum letzten Kapitel des Neuen Testaments beschrieben: „ICH BIN das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ (Vs. 13).
Nur wer die Art und Weise der Offenbarung Gottes im Alten Testament erkennt, hat die Möglichkeit, sie auch im Neuen zu sehen. Es ist im Grunde genommen immer derselbe Gott und HErr, jedoch mit dem Unterschied, daß Er im Alten Testament in der Geistleiblichkeit und im Neuen Testament in der Fleischleiblichkeit sichtbar erschien.
Gott ist Seinem Wesen nach Geist (Joh. 4, 24). Als Geist hat Ihn niemand gesehen (Joh. 1, 18; 1. Joh. 4, 2). ER wird deshalb als der „unsichtbare Gott“ bezeichnet (1. Tim. 1, 17; 1. Tim. 6, 16). Wer Gott im Alten Testament sah, der hat Ihn als HErrn, als Jahweh, gesehen, und wer Gott im Neuen Testament sehen will, der muß Ihn als HErrn, nämlich als Immanuel —Gott mit uns — sehen. Also offenbarte sich der Vater im Sohn — Gott, der Geist, als HErr in einem menschlichen Leib. Alle Bezeichnungen, die wir auf Gott bezogen finden, die finden wir auch mit Bezug auf den HErrn.
Im Alten Testament gab es das Vater-Sohn-Verhältnis noch nicht. Es wurde lediglich in der Prophetie vorausgesagt. Kein Prophet sprach Gott als „Himmlischer Vater“ an; keiner wandte sich während der Zeitspanne der viertausend Jahre des Alten Testaments an den Sohn Gottes. Es gab auch kein einziges Gespräch zwischen Vater und Sohn, weil dieser Tatbestand noch gar nicht existent war. Es war Gott der HErr, zu dem das Volk Israel eine Beziehung hatte und an den sie sich wandten.
Doch schon in 1. Mose 1, 27 begegnen wir der Tatsache, daß der unsichtbare Gott in zweifacher Weise hervortrat. Der eine wahre Gott tritt direkt am Anfang, bei der Schöpfung, einmal sichtbar in der Gestalt des Menschen auf, deshalb steht geschrieben: „Da schuf Gott den Menschen nach Seinem Bilde“; und zweitens schwebte der Geist Gottes über der Wasserfläche. Keinem wäre deshalb in den Sinn gekommen, von mehreren Personen zu sprechen. Wenn man es so will, hat man direkt von Anfang an die Art und Weise, in der Gott sich selbst offenbarte, vor Augen. Die vielfältigen Erscheinungsformen Gottes im Alten Testament werden in der Fachsprache „Theophanien“ genannt. Im Neuen nimmt Er Menschengestalt an.
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