Book
Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
Navigate
Kapitoly
expand_more
Navigate
Kapitoly
Navigate
Kapitoly
Jump to any chapter without leaving the reader.
Kapitola 19
17. Kapitel: Der Mensch Jesus Christus
19 / 32
„Sehet, welch ein Mensch!“ sagte Pilatus (Joh. 19, 5). Der HErr wird in der Heiligen Schrift von Seiner Geburt bis zu Seinem Tode so deutlich als Mensch beschrieben, daß manche gerade damit nicht fertig werden. ER wurde wie jeder andere Mensch in diese Welt hineingeboren, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt (Luk. 2, 7). ER aß und trank, Er wurde müde und schlief, Er weinte und betete. Im Sterben rief Er mit lauter Stimme die Worte aus: „ ,Vater, in Deine Hände befehle Ich Meinen Geist!‘ und nach diesen Worten verschied Er.“ (Luk. 23, 46). Stellvertretend für uns alle, weil Er unseren Platz und demzufolge unsere Trennung von Gott ganz real erleben mußte, rief Er aus: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?“ (Matth. 27, 46). Wir waren die von Gott Verlassenen. ER nahm unseren Platz ein, unsere Schuld und Sünde war auf Ihn gelegt. Gott, der Geist, zog sich in diesem Moment zurück.
Im nächsten Augenblick allerdings, als der Speer in Seine Seite drang und das Blut zu unserer Vergebung floß, erfüllte sich das Wort: „Gott war in Christus und hat die Welt mit sich versöhnt …“ (2. Kor. 5, 19). Beides stimmt: Zuerst das Getrenntsein, dann das Versöhntsein.
Dieses alles war wegen des sündigen Menschen notwendig. „… Gott hat die Sünde im Fleische verurteilt, indem Er Seinen Sohn in der Gleichgestalt des Sündenfleisches und um der Sünde willen sandte“ (Röm. 8, 3). Wie diese Sendung geschah, wird ebenfalls berichtet: „Als aber die Erfüllung der Zeit gekommen war, sandte Gott Seinen Sohn, der von einem Weibe geboren und dem Gesetz unterworfen wurde: ER sollte die unter dem Gesetz Stehenden loskaufen, damit wir die Einsetzung in die Sohnschaft erlangten“ (Gal. 4, 4-5).
Der HErr wurde Knecht, „Er entäußerte sich selbst, indem Er Knechtsgestalt annahm, ganz in menschliches Wesen einging und in Seiner leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde; Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz“ (Phil. 2, 7-8). Als Knecht wird Er beschrieben in Verbindung mit dem Tun des Willens des HErrn. Im Propheten Jesaja wird der Erlösungsplan in den Einzelheiten sehr deutlich dargestellt. Auch der Begriff „Knecht“ findet sich dort: „Siehe da, Mein Knecht, an dem Ich festhalte, Mein Erwählter, an dem Mein Herz Wohlgefallen hat: Ich habe Meinen Geist auf Ihn gelegt, damit Er das Recht zu den Völkern hinaustrage.“ (Jes. 42, 1). Im Neuen Testament wird diese gleiche Stelle in Matth. 12, 17-21 wiedergegeben. Dort steht: „So sollte das Wort des Propheten Jesaja seine Erfüllung finden.“ Und es hat Seine Erfüllung gefunden.
In Matth. 3 wird berichtet, wie Gottes Wohlgefallen auf den Menschen Jesus Christus kam: „Als Jesus aber getauft und soeben aus dem Wasser gestiegen war, siehe, da taten sich Ihm die Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabschweben und auf Ihn kommen. Und siehe, eine Stimme erscholl aus den Himmeln: ,Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe!‘“ (Vs. 16-17). Der Leib war sterblich, deshalb mußte der Geist über Ihn kommen, um den Anspruch auf die Verwandlung dieses Leibes in die Unsterblichkeit zu stellen. Gleichzeitig fand die Einsetzung in den Dienst statt. So bezeugt es Petrus in Apg. 10, 38.
In Matth. 17, 2-5 wird die Verklärung aus der Menschheit in die Gottheit vor Augen geführt und dem „Wohlgefallen“, das in Kapitel 3, 17 ausgesprochen wurde, das „Höret auf Ihn!“ hinzugefügt. Wahre Söhne und Töchter Gottes hören auf Ihn, glauben das Evangelium Jesu Christi, lassen sich biblisch taufen und empfangen dann in gleicher Weise wie der Erstgeborene den heiligen Geist, wodurch Gott selbst Zeugnis ablegt, Wohlgefallen auch an ihnen zu haben.
Der im Ebenbild Gottes erschaffene Mensch wurde mit einem freien Willen ausgestattet, den er dazu nutzte, die falsche Entscheidung zu treffen, und ging verloren. Da Gott den Menschen „fallbar“ geschaffen hatte, mußte Er selbst die Verantwortung für seine Rettung übernehmen. In der durch Christus ins Leben gebrachten neuen Schöpfung ruht auf allen Söhnen und Töchtern Gottes in der gleichen Weise Gottes Wohlgefallen, wie es mit dem Erstgeborenen war. Sie sind aus dem Sündenfall herausgehoben und in den göttlichen Stand versetzt worden. Bei der Vollendung aller Söhne und Töchter Gottes wird offenbar werden, daß auch sie die freie Willensentscheidung hatten, sich aber freiwillig für den Willen Gottes entschieden haben nach dem Vorbild des Erstgeborenen: „… nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“ (Luk. 22, 42) und: „Deinen Willen zu tun, mein Gott, ist meine Lust“ (Ps. 40, 9).
„Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlichen Sinnes in euren bösen Werken waret, — jetzt aber hat Er euch in Seinem Fleischesleibe durch Seinen Tod versöhnt, um euch als heilig, untadelig und unanklagbar vor Ihm darzustellen“ (Kol. 1, 21).
„Weil nun die Kinder am Blut und Fleisch Anteil haben, hat auch Er gleichermaßen Anteil an ihnen erhalten, um durch Seinen Tod den zu vernichten, der die Macht des Todes hat, nämlich den Teufel, und um alle die in Freiheit zu setzen, die durch Furcht vor dem Tode während ihres ganzen Lebens in Knechtschaft gehalten wurden“ (Hebr. 2, 14-15). Das ist die herrliche Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus, unserem HErrn und Erlöser.
Im Alten Testament ist der Erlösungsplan in den verschiedenen Opfern, im Gottesdienst und in sinnbildlicher Darstellung vorschattiert. Der Mensch konnte als von Gott getrennt nicht in Seine Gegenwart treten. Er bedurfte eines Versöhnungsopfers, eines Mittlers, eines Fürsprechers oder eines Hohenpriesters. Zunächst waren es einzelne, wie zum Beispiel Abraham, der durch die Opferung seines Sohnes Isaak (1. Mose 22) einen Hinweis auf den Messias gab, der als Sohn Gottes um unsertwillen sterben sollte. Isaak trug das Holz, auf das er später als Opfer gelegt wurde. Christus trug Sein Kreuz, an das man Ihn dann schlug. Bis zur Herausführung aus Ägypten sprach Gott der HErr die Nachkommen Abrahams als Volk Israel an. Seit dem Zeitpunkt der Erlösung und Befreiung (2. Mose 12, 3) wird Israel als Gemeinde bezeichnet. Mose trat als Mittler und Fürsprecher in den verschiedenen Situationen auf. Er war es, der die Worte Gottes direkt dem Volke Gottes überbrachte. „… eben diesen hat Gott als Oberhaupt und Erlöser gesandt durch die Vermittlung des Engels, der ihm im Dornbusch erschienen war“ (Apg. 7, 35-38).
Der Messias mußte Prophet, Mittler, Fürsprecher, Hoherpriester etc. sein. Mose handelte schon im Geiste Christi, als er betete: „Und nun — vergib ihnen doch ihre Sünde! Wo nicht, so streiche lieber mich aus Deinem Buche aus, das Du geschrieben hast!“ (2. Mose 32, 32). Das Volk Gottes lag ihm am Herzen, deshalb legte er Fürsprache für sie ein.
Einmal im Jahr begab sich der Hohepriester in das Allerheiligste, um für sich und für das Volk die Sühnehandlung vor dem Angesicht Gottes vorzunehmen. Von Christus heißt es: „… indem Er als Hoherpriester der zukünftigen Güter kam, durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht ist, d.h. nicht dieser erschaffenen Welt angehört … mittels Seines eigenen Blutes ein für allemal in das (himmlische) Heiligtum eingetreten und hat eine ewiggültige Erlösung ausfindig gemacht.“ Diese ewiggültige Erlösung wurde möglich, weil Christus „… kraft ewigen Geistes sich selbst als ein fehlerloses Opfer Gott dargebracht hat …“ (Hebr. 9, 11-14).
Was den Fürsprecher betrifft, so hat Hiob ihn wahrscheinlich am treffendsten beschrieben. Obwohl er schon vorher ausgerufen hatte: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“, und überzeugt war, daß er Gott schauen würde (Hiob 19, 23-27), hebt er die Notwendigkeit eines Fürsprechers bzw. eines Mittlers hervor: „Wenn dann ein Engel für ihn da ist, ein Fürsprecher, ein einziger aus den tausend, um für den Menschen Zeugnis von seiner Gerechtigkeit abzulegen, und dieser sich seiner erbarmt und zu Gott spricht: ,Laß ihn frei, daß er nicht in die Grube hinabfährt! Ich habe eine Sühne (Lösegeld) gefunden,‘ so strotzt sein Leib wieder von Jugendkraft, so daß er in die Tage seines Jünglingsalters zurückversetzt wird“ (Hiob 33, 23). Hier ist nicht nur von einem Fürsprecher und der Sühne, sondern von der Erlösung des ganzen Menschen die Rede, in die Seele, Geist und Leib einbezogen sind. Die Erlösten werden tatsächlich bei der ersten Auferstehung in die Blüte ihrer Jugend zurückversetzt werden. Sie werden in einem absolut vollkommenen Zustand sein. Es wird nichts Unvollkommenes mehr geben weder Säuglinge noch Greise, sondern sie werden alle ohne eine Spur von Sünde, Krankheit oder Älterwerden für immer sein.
Von einem Menschen, der sich dessen bewußt wurde, daß er sich zu Gott wenden kann, schreibt Hiob weiter: „Er betet zu Gott, und dieser nimmt ihn gnädig an, läßt ihn Sein Angesicht unter Jauchzen schauen und gibt dem Menschen seine Gerechtigkeit zurück.“ Das ist die uns von Gott in Christus geschenkte vollkommene Gerechtigkeit. Auf einen solchen Menschen trifft zu: „Er singt vor dem Volke und bekennt: ,Ich hatte gesündigt und das Recht verkehrt, aber es ist mir nicht vergolten worden! Erlöst hat Gott meine Seele, daß sie nicht in die Grube gefahren ist, und mein Leben erfreut sich am Anblick des Lichts!‘ “ (Hiob 33, 26-28).
Als Gläubiggewordene des Neuen Testaments brauchten auch wir einen Hohenpriester: „Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitgefühl mit unsern Schwachheiten haben könnte, sondern einen solchen, der in allen Stücken auf gleiche Weise versucht worden ist, nur ohne Sünde“ (Hebr. 4, 15).
Wir benötigten auch einen Mittler: „Denn es ist ein Gott, ebenso auch ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich ein Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle dahingegeben hat“ (1. Tim. 2, 5-6).
„Wie nämlich in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle wieder zum Leben gebracht werden“ (1. Kor. 15, 22). „Der erste Mensch ist von der Erde her, ist irdisch, der zweite Mensch ist himmlischen Ursprungs. Wie der irdische Mensch beschaffen ist, so sind auch die irdischen beschaffen; und wie der himmlische Mensch beschaffen ist, so sind auch die himmlischen beschaffen; und wie wir das Bild des irdischen an uns getragen haben, so werden wir auch das Bild des himmlischen an uns tragen“ (1. Kor. 15, 47-49). Hier wird uns Christus als der himmlische Mensch, als der zweite Adam, vor Augen gestellt, in dessen Bild wir umgestaltet werden.
Überall da, wo wir Jesus Christus neben Gott sehen, wird Er uns als Mensch in einer Aufgabe, die zur Verwirklichung der Erlösung der Menschheit notwendig war, gezeigt. Wir sehen Ihn als Sohn Gottes, als Menschensohn, als Sohn Davids, als König und Prophet, als Hohenpriester, als Mittler, als Fürsprecher, als Lamm Gottes, als Wort Gottes, als Weg Gottes, als Brot Gottes usw. Die „Jesus-Only“-Lehre (Jesus-Allein) wird ebensowenig wie die Trinitäts-Lehre von den Propheten und Aposteln bezeugt. Es geht einfach darum, daß Gott den Menschen in das Verhältnis der Gotteskindschaft setzen, nämlich zu Söhnen und Töchtern Gottes machen wollte. Deshalb wurde Jesus Christus zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern (Röm 8, 29). Nach Seiner Auferstehung sprach Jesus zu Maria Magdalena: „Rühre Mich nicht an, denn Ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren! Gehe aber zu Meinen Brüdern und sage ihnen: ,ICH fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater, zu Meinem Gott und eurem Gott“ (Joh. 20, 17).
Wie der Sohn Gottes von Gott durch den Geist gezeugt wurde, so müssen auch wir durch Geisteszeugung die Wiedergeburt erleben, die der HErr Jesus als ein Muß für den Eingang in das Reich Gottes gefordert hat: „Wahrlich, wahrlich Ich sage dir: Wenn jemand nicht von obenher geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen … Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ (Joh. 3, 3 + 6). „… denn alles, was aus Gott erzeugt ist, überwindet die Welt; und dies ist die Siegesmacht, welche die Welt überwunden hat: unser Glaube“ (1. Joh. 5, 4). Alle religiösen Handlungen sind vergeblich — Gott muß handeln, sonst geschieht gar nichts. ER kann aber nur in denen wirken, die Sein Handeln im Sohne zu ihrem Heil erkennen.
„Denn es geziemte Ihm, um dessen willen alles ist und durch den alles ist, nachdem Er viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hatte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden hindurch zur Vollendung zu bringen. Denn beide, sowohl der Heiligende als auch die, welche geheiligt werden, stammen alle von dem gleichen Vater her; aus diesem Grunde schämt Er sich auch nicht, sie ,Brüder‘ zu nennen, indem Er sagt: ,ICH will Deinen Namen Meinen Brüdern verkündigen, inmitten der Gemeinde will Ich Dich preisen.‘ “ (Hebr. 2, 10-12; Ps. 22, 23). Der auferstandene Erlöser, der die Jünger als Seine Brüder bezeichnet, wird von Thomas als „Mein HErr und mein Gott“ angesprochen (Joh. 20, 28).
Bis zur Vollendung der Söhne und Töchter Gottes bleibt Jesus Christus als Fürsprecher beim Vater: „Meine Kindlein, dieses schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Sollte aber jemand sündigen, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, nämlich Jesus Christus, den Gerechten. Und Er ist die Versöhnung für unsere Sünden, aber nicht nur für die unsrigen, sondern auch für die der ganzen Welt“ (1. Joh. 2, 1-2). Der gleiche Apostel schreibt: „Sehet, welch große Liebe uns der Vater dadurch erwiesen hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen, und wir sind es auch. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen jedoch, daß, wenn diese Offenbarung eintritt, wir Ihm gleich sein werden“ (1. Joh. 3, 1-2).
Von dieser Vollendung spricht der Apostel Paulus: „… denn Er muß als König herrschen, ,bis Er Ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat‘ (Ps. 110, 1). Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod; denn ,alles hat Er Ihm unter die Füße gelegt‘ (Ps. 8, 7). Wenn Er dann aber aussprechen wird: ,Alles ist unterworfen!‘, so ist doch selbstverständlich der ausgenommen, der Ihm alles unterworfen hat. Sobald Ihm aber alles unterworfen ist, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der Ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles sei in allen“ (1. Kor. 15, 25-28). Deutlicher kann es nicht gesagt werden. Wenn die Aufgabe des Sohnes erfüllt, alle Söhne und Töchter Gottes in Sein Bild umgestaltet, auf ewig vollendet, wenn alle Feinde vernichtet und der Tod aufgehoben sein werden, dann wird wieder Gott sein alles in allen. In Ewigkeit wird nicht von Vater, Sohn und heiligem Geist die Rede sein, wie davon in Ewigkeit nicht die Rede war, sondern dann wird es wieder so sein, wie es vor Anbruch der Zeit war: Gott alles in allen. Amen.
PDF
EPUB