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Das Traditionelle Christentum

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 32 calendar_month 13. 12. 1992

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Kapitola 18

16. Kapitel: Wer Jesus bekennt… Richtiges oder falsches Bekenntnis?

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In den Erweckungsbewegungen und bei Evangelisationen der protestantischen Gruppierungen und frei-kirchlichen Gemeinschaften wird großer Wert auf das Bekenntnis zu Jesus Christus gelegt. In ihren Feldzügen lassen die Evangelisten die zur Bekehrung nach vorne Kommenden ein Bekenntnis zu Christus nachsagen. Der Redner versichert ihnen dann, daß sie jetzt ein Eigentum Jesu Christi geworden sind. Wie bei allen anderen Themen und Zeugnissen kommt es aber auch hier darauf an, die Sache biblisch zu betrachten, denn nicht jeder, der Jesus als Sohn Gottes bekennt, ist deshalb schon vor Gott gerechtfertigt.

Das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, hat für unser Heil die höchste Bedeutung! Dem Feind und Widersacher Gottes ist es auch hier wieder einmal gelungen, mit halben Wahrheiten ganze Täuschungen zustande zu bringen, denn er bedient sich der gleichen Formulierung. Dazu seien nur drei Schriftstellen aufgeführt, in denen die Gegenseite zu Wort kommt.

Aus Besessenen haben die Geister geschrien und ein Bekenntnis abgelegt: „Kaum hatten sie Ihn erblickt, da schrien sie laut: ,Was hast Du mit uns vor, Du Sohn Gottes?‘…“ (Matth. 8, 29). Der Evangelist Markus berichtet: „… so oft die unreinen Geister Ihn erblickten, warfen sie sich vor Ihm nieder und riefen laut: ,DU bist der Sohn Gottes!‘ “ (Mark. 3, 11). Und Lukas schreibt: „ ,… was willst Du von uns, Jesus von Nazareth? DU bist gekommen, um uns zu vernichten! Ich weiß wohl, wer Du bist: der Heilige Gottes!‘ … Auch böse Geister fuhren von vielen aus, wobei sie laut schrien und ausriefen: ,DU bist der Sohn Gottes!‘ “ (Luk. 4, 34 + 41).

Ein Gottesmann sagt zu einem Kranken: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth: Gehe umher!“ (Apg. 3, 6), und dann wird berichtet, daß böse Geister den Namen Jesus in den Mund nahmen und dabei sogar die korrekte Bezeichnung „Jesus von Nazareth“ oder „Sohn Gottes“ verwendeten.

Aber ohne ein persönliches Erlebnis mit Jesus Christus und eine Beziehung zu Ihm nützt auch ein richtig formuliertes Bekenntnis nichts. Zunächst muß eine Offenbarung vom Himmel her zuteil werden. Bekenntnis und Nachfolge gehören unbedingt zusammen. Dasselbe gilt auch für den Gehorsam: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne ungehorsam bleibt, wird das Leben nicht zu sehen bekommen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihn gerichtet“ (Joh. 3, 36).

Der Herzensglaube muß dem Bekenntnis vorausgehen: „ ,Nahe ist dir das Wort: in deinem Munde und in deinem Herzen‘, nämlich das Wort vom Glauben, das wir verkündigen. Denn wenn du ,mit deinem Munde‘ Jesus als den HErrn bekennst und ,mit deinem Herzen‘ glaubst, daß Gott Ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden“ (Röm. 10, 8-9). Paulus drückt es so aus: „Ich glaube, darum rede ich“ (2. Kor. 4, 13b). Ein Bekenntnis, das nicht im Glauben an Christus, den HErrn, und an das Wort Gottes ausgesprochen wird, ist bedeutungslos.

Der Apostel Johannes führt aus: „Wer anders aber ist es, der die Welt überwindet, außer dem, welcher glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1. Joh. 5, 5).

Am Ende der Versuchungsgeschichte sagte der Teufel, als er neben dem HErrn auf der Tempelzinne stand: „Bist Du Gottes Sohn, so stürze Dich von hier hinab!“ (Luk. 4, 9).

Das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, können alle verwenden, Gotteskinder und Teufelskinder, Christen aller Prägungen, bis hin zum Antichristen. Ein Bekenntnis gilt nur dann, wenn es in der Tat mit dem Gesamtzeugnis der Schrift und dem persönlichen Glauben und Gehorsam Gott gegenüber verbunden ist. Der Mensch muß eine direkte Offenbarung über Jesus empfangen.

Was vielen Exegeten große Not bereitet, findet sich in 1. Joh. 4: „Daran könnt ihr den Geist Gottes erkennen: Jeder Geist, der da bekennt, daß Jesus der im Fleisch gekommene Christus (Messias) ist, der ist aus Gott; und jeder Geist, der Jesus nicht so bekennt, ist nicht aus Gott; das ist vielmehr der Geist des Widerchrists“ (Vs. 2-3). Auch hier geht es wieder um mehr, als äußerlich auf den ersten Blick wahrzunehmen ist. Es geht um die wahrhaftige Erkenntnis, daß Jahweh als Jahschua — Jahweh–Retter, als der Gottgesalbte, als der Christus, welcher der HErr ist, ins Fleisch kam.

Ein oberflächliches Lippenbekenntnis, ein gelerntes oder nachgesprochenes Glaubensbekenntnis geht an dem eigentlichen Kern vorbei. Jeder Geist, der Jesus nicht so bekennt, führt Johannes aus, der ist nicht aus Gott. Das ist vielmehr der Geist des Antichrists. Wer einen anderen Jesus verkündigt, offenbart, daß er keine Gotteserkenntnis hat, die darin besteht, daß Jahweh des Alten Testaments, Jesus des Neuen Testaments ist. Wer das leugnet, dem sagt Gottes Wort mit göttlicher Autorität, daß er dem Geist des Antichrists zum Opfer gefallen ist.

Was Sein Kommen ins Fleisch betrifft, Seine Menschwerdung, so führt Paulus dieses Thema noch gründlicher aus: “Gott hat die Sünde im Fleische verurteilt, indem Er Seinen Sohn in der Gleichgestalt des Sünden-fleisches und um der Sünde willen sandte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes ihre Erfüllung fände in uns, die wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste“ (Röm. 8, 3b-4).

Da der Mensch in diesem Leibe in Sünde gefallen und so dem Tode preisgegeben war, mußte der Erlöser natürlich in die Gestalt des sündigen Fleisches kommen. Die Lehre, daß Maria ohne Sünde war, ist deshalb antichristlich. Christus war heilig — sündlos, unbefleckt (1. Petr. 1, 19). ER mußte aber in sündiges Fleisch kommen, um die gefallene Schöpfung aus dem sündigen Zustand zu heben. ER mußte der Rechtsforderung des Gesetzes Genüge tun und den Fluch auf sich nehmen, der uns getroffen hatte (Gal. 3, 13).

Es gibt keine unbefleckte Empfängnis einer seligen Maria, denn sie war ein Teil der gefallenen Schöpfung, es gibt nur eine Maria, die dazu benutzt wurde, das Sündlose in das Sündige aufzunehmen. Es handelt sich also um einen heiligen, göttlichen Inhalt in einem unheiligen Gefäß. Genauso nehmen die in Sünden geborenen Menschen Christus auf und an. Auch sie tragen, als Teil der gefallenen Schöpfung, diesen himmlischen Schatz in irdenen Gefäßen. Es geht nicht um das Gefäß, sondern um den wertvollen Inhalt. „Wir besitzen aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft sich als Gott angehörend und nicht als von uns stammend erweise“ (2. Kor. 4, 7).

Wer also nur oberflächlich sagt: „Jesus ist der Sohn Gottes“, und dabei denkt und glaubt, was er will, hat die Sache, um die es geht, nicht verstanden. Auch wer leichtfertig sagt: „Ich glaube, daß Jesus ins Fleisch gekommen ist“, hat noch lange nicht das zum Ausdruck gebracht, was uns in dem Zeugnis der Heiligen Schrift hinterlassen wurde. ER selbst war ohne Fehl, ohne Sünde; an Ihm hatte Satan kein Anrecht. ER mußte aber für alle zur Sünde gemacht werden und den Lohn bzw. die Strafe, die Gottes Gerechtigkeit um der Sünden willen forderte, entrichten. Deshalb mußte Er für uns sterben, um uns zu erlösen und vom Tode zu befreien. „Denn der Sold, den die Sünde zahlt, ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem HErrn“ (Röm. 6, 23).

Dazu kommt ein zweiter wichtiger Punkt, an dem die antichristliche Lehre und Richtung erkannt wird. Im 2. Johannesbrief, Vers 7, führt der Apostel aus: „Denn viele Irrlehrer sind in die Welt ausgezogen, die Jesus Christus nicht als den im Fleisch Erscheinenden bekennen: darin zeigt sich der Irrlehrer und der Widerchrist.“ Es ist bezeichnend, daß in dem sogenannten apostolischen Glaubensbekenntnis nichts von der leiblichen Wiederkunft Jesu Christi zu finden ist. Darin ist nur zu lesen: „… von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.“ Das Endgericht hat aber mit der Wiederkunft Jesu Christi überhaupt nichts zu tun!

Unmittelbar nach der Himmelfahrt wurde den Jüngern gesagt: „Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel emporgehoben worden ist, wird in derselben Weise kommen, wie ihr Ihn in den Himmel habt auffahren sehen!“ (Apg. 1, 11). Der auferstandene Jesus Christus hatte einen Auferstehungsleib, in dem Er essen und trinken konnte, in dessen Wunden Thomas seine Hand legen konnte (Joh. 20, 27). „Da rief Jesus ihnen zu: ,Kinder, habt ihr nicht etwas als Zukost?‘ … Jesus trat nun hin, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso auch die Fische“ (Joh. 21, 5 + 13).

Wer die Wiederkunft Jesu Christi vergeistlicht, offenbart den antichristlichen Geist und propagiert die antichristliche Lehre. Gemäß Joh. 14 ist der HErr hingegangen, um den Seinen die Stätte zu bereiten, und Er kommt wieder, um uns zu sich zu nehmen. Dann erfüllt sich, was in 1. Kor. 15, vom 51. Vers an, und in 1. Thess. 4, von Vers 13, sowie an anderen Stellen geschrieben steht. Das Verständnis für den Heilsplan Gottes, wie es Propheten und Apostel hatten, ist verlorengegangen, weil es im Verlauf der Kirchengeschichte weder wahre Apostel noch Propheten gab, die in apostolisch-prophetischer Art und Weise die Verkündigung fortgesetzt hätten. Die antichristliche Lehre besteht darin, daß man nicht an die leibliche Wiederkunft Jesu Christi als Bräutigam, der Seine Braut heimholen wird (Matth. 25), glaubt. Es wird auch nichts im Glaubensbekenntnis darüber gesagt, daß bei der ersten Auferstehung die in Christo Entschlafenen in Unvergänglichkeit auferweckt, die in Christo Lebenden leiblich verwandelt und dem HErrn entgegengerückt werden (1. Kor. 15 und 1. Thess. 4), ebensowenig vom Hochzeitsmahl des Lammes (Offbg. 19) oder dem Tausendjährigen Reich (Offbg. 20).

Derselbe Jesus Christus, der gen Himmel gefahren ist, wird wiederkommen, um die Seinen zu sich zu nehmen, ehe die große Drangsals- und Gerichtszeit über diese Erde hereinbricht. In jedem Fall geht es nicht nur um formelle Lippenbekenntnisse, sondern um die wirkliche Offenbarung Jesu Christi, unseres HErrn. Beides muß biblisch sein: unser Zeugnis von Jesus Christus, dem Sohne Gottes, und auch über Ihn, daß Er der HErr ist. Ebenso muß unser Zeugnis von Seinem ersten Kommen (1. Joh. 4) und auch das von Seiner Wiederkunft (2. Joh. 7) stimmen.