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Das Traditionelle Christentum

Ewald Frank

library_books Kapitoly: 32 calendar_month 13. 12. 1992

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Kapitola 29

27. Kapitel: Das römische Weltreich und seine besondere Bedeutung in der Endzeit

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Das Römische Weltreich ist untrennbar mit der römischen Kirche verbunden. In den Tagen Konstantins begann sie als Reichskirche, wurde dann Volkskirche und schließlich Staatskirche. Die religiöse Entwicklung mündete in die staatliche, und aus der religiösen Institution entstand ein Staatsgebilde, nämlich der „Kirchenstaat“, der über Jahrhunderte existierte. Keine andere Kirche, angefangen von der „Ostkirche“ bis zu der großen weltweiten anglikanischen Kirche hat als religiöse Institution Staatscharakter. Die römische Kirche ist ganz offiziell ein selbständiger Staat innerhalb eines anderen Staates, sie ist die wichtigste politische Macht auf Erden. Mit über 100 Ländern unterhält der Vatikan diplomatische Beziehungen, das heißt, den Austausch von Botschaftern, die vom heiligen Stuhl ,Nuntius‘ genannt werden. Warum hat keine andere Landes- oder Volkskirche solche diplomatischen Beziehungen? Warum nur die Kirche Roms? Weil sie ein politisches Staatsgebilde ist und geistlich über alle zu ihr Gehörenden in allen Staaten bestimmt.

Es handelt sich bei den Papstvisiten um den Besuch eines Staats-oberhauptes, das mit allen Ehren empfangen werden muß. Hat Christus das „Römische Reich“ gemeint, das die Päpste vor aller Welt Augen aufgerichtet haben, als Er vom Reich Gottes sprach? Kann diese politische, wirtschaftliche und religiöse Weltmacht die Gemeinde Christi sein? War das der Wille Gottes? War das die Absicht Jesu Christi, als Er die Erlösung auf Golgatha vollbrachte?

Gemäß dem, was der Prophet Daniel in Visionen gezeigt bekam, sind bis ans Ende der jetzigen Zivilisation vier Weltreiche vorgesehen. Das letzte ist das Römische Weltreich (Dan. 2 + 7). Der Verlauf dieser Weltreiche ist geschichtlich belegt: das Babylonische Reich dauerte von 606-538 v. Chr., das Reich der Meder und Perser von 538-330 v. Chr.; darauf folgte das griechische Weltreich unter Alexander d. Großen, das sich von 330-30 v. Chr. erstreckte. Mit dem Jahr 30 v. Chr. übernahm das Römische Weltreich, das bis zum direkten Ende dieser Epoche bestehen wird, die Vorherrschaft. Diese vier Reiche wurden durch vier Tiere in Dan. 7 symbolisiert. In der biblischen Prophetie ist ein Tier immer ein Sinnbild für Macht, für ein Reich bzw. für einen Herrscher, der Macht ausübt (Dan. 7, 17 + 23).

Begonnen hat es mit dem bekannten Mann Nebukadnezar, der plötzlich, beeinflußt von Fanatikern und Größenwahn, den Befehl gab, daß jeder, der sich an einen anderen Gott wendet als an die in seinem Reich anerkannten Götter, des Todes sei. Wer hat nicht von den drei Männern gehört, die in den Feuerofen geworfen wurden, nur weil sie den einen wahren Gott anriefen und Ihm dienten? Die gleiche Anschuldigung wurde gegen den Propheten Daniel erhoben, den man aufgrund dessen den Löwen vorwarf. Aber plötzlich war die Handschrift an der Wand, das „Menetekel“, und der Herrscher bekam es schriftlich aus heiterem Himmel, daß sein Reich gewogen und seine Tage gezählt waren. So wird es am Ende dieser Generation wieder geschehen.

In den letzten zweitausend Jahren ist von Rom die Macht in jeder Weise ausgeübt worden. Zunächst politisch–heidnisch, dann politisch–heidnisch–„christlich“. Ob von Kaisern oder später von Päpsten — immer ging es darum, dieses Reich auszudehnen, zu festigen und zu verteidigen, bzw. wiederherzustellen. Das geschah, je nach Möglichkeit, mit allen Mitteln. Alle anderen Reiche, bis hin zum „British Empire“, zerfielen und mußten sich in die Gesamtentwicklung einfügen. Auch das Sowjetreich ist zerfallen, und der gesamte Ostblock wird neu geordnet, damit dieses eine „Weltreich“ entstehen kann. Diese Entwicklung bezeichnet die Kirche als ihren Sieg über den Kommunismus, wie auf der Europa-Synode in Rom, November/Dezember 1991, verkündet wurde. Der plötzliche Sturz des Weltkommunismus bedeutet den Aufschwung des Weltkatholizismus.

In diesem Römischen Weltreich wurde der römisch-katholische Trinitäts-Glaube ab dem 4. Jahrhundert als allein gültig proklamiert. Kaiser, Päpste, Fürsten und alle, die Einfluß hatten, fühlten sich verpflichtet, nach Kräften für dieses erklärte Ziel zu sorgen. Wer sich nur an den einen wahren Gott wandte, wie zum Beispiel die Juden und Anders-gläubige, wurde rücksichtslos verfolgt. Der Zweck hat die Mittel immer wieder neu geheiligt. Es gab Kreuzzüge und viele sogenannte „heilige und gerechte“ Kriege, weil die „heilige und gerechte“ Kirche dahinter stand.

Es gibt keine Möglichkeit, sich heute alles zu vergegenwärtigen, was wirklich verübt wurde. Wer die Folterwerkzeuge abgebildet sieht, die bei der „heiligen“ Inquisition verwendet wurden, dem wird übel. Die Intoleranz Andersgläubigen gegenüber und der blinde, religiöse Fanatismus, der in tödlichem Haß ausartete, hat jedes Maß überschritten. Autoren haben nur zaghaft dieses dunkle Kapitel zu beleuchten versucht. Es kann nicht deutlich genug gesagt werden, daß all diese Greueltaten verübt und gerechtfertigt wurden aufgrund der verhängnisvollen Einstellung, daß in diesem Römischen Reich nur ein einziger Glaube zu gelten hat, und zwar der, welcher durch die römische Kirche repräsentiert wird.

Päpste und Kaiser teilten sich die Macht. Heute würde man es „joint-venture“ oder „power-sharing“ nennen. Sie herrschten in ihrem Reich zum Teil mit unsagbarer Brutalität. Dieses sogenannte „Heilige Römische Reich“ ist in der Tat nicht heilig, es ist nicht das Reich Gottes. Es wird fälschlicherweise, mit Absicht oder aus Unwissenheit, durch die Benennung nur als solches dargestellt. Zu keinem Zeitpunkt hat sich ein Apostel oder ein vom HErrn berufener Gottesmann in die Politik eingemischt, noch weltliche Macht ausgeübt. Wahre Knechte Gottes haben zu allen Zeiten das Reich Gottes verkündigt und die Politik den Politikern überlassen. Das Römische Weltreich, bestehend aus politischer, wirtschaftlicher und religiöser Macht, erhebt sich jetzt neu vor unseren Augen und breitet sich aus. Ein vereintes Europa ist seit jeher der Traum der Päpste gewesen und spielt in der Endzeitprophetie die größte Rolle.

Ungeachtet der Regierungsform in den einzelnen Ländern, die zu diesem Römischen Reich gehörten bzw. jetzt gehören, — die Staats- und Regierungsformen kamen und gingen, aber die alles überlebende „Reichskirche“ blieb eisern bestehen. Um der Weltöffentlichkeit zu imponieren, wird der Vatikan auch alle anderen Religionen einbeziehen und die Schirmherrschaft übernehmen. Heute wird nicht mehr verflucht und in den Bann getan, heute werden die Arme allen entgegengestreckt. Der Papst empfängt in der gleichen Woche einen Politiker aus Israel und den Chef der PLO; zu ihm kommen die politisch und religiös Verantwortlichen aus allen Ländern, ungeachtet der Weltanschauung und Ideologie. Alle haben bereits begriffen, daß sie ohne Papstbesuch auch im eigenen Lande nicht die nötige Beachtung finden. Der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, folgte sicherlich seinen Beratern und machte auf seiner Europa-Reise im Mai 1989 als erstes dem Papst die Aufwartung. Michail Gorbatschow und viele andere taten es auch. Dort wurde auch die deutsche Vereinigung politisch entschieden. Nach Einleitung derselben, im November 1989, dankte Bundeskanzler Helmut Kohl von Berlin aus dem Papst öffentlich für seine tatkräftige Mithilfe. So wird Weltpolitik gemacht (Offbg. 17, 2 + 18).

Gemäß der biblischen Prophetie wird nach all den stattgefundenen Kriegen ein Scheinfriede proklamiert werden, historische Feinde werden zu Freunden, auf daß erfüllt werde, was geschrieben steht: „Wenn sie sagen: ,Jetzt herrscht Friede und Sicherheit …‘ “ (1. Thess. 5, 3). Ganz Europa ist im Umbruch begriffen. In Ost und West geht es nur noch um den Frieden, für den Menschen vorher mit Parolen wie „Schwerter zu Pflugscharen“ oder „Frieden schaffen ohne Waffen“ demonstrierten. In jüngster Zeit sind bei den Abrüstungsverhandlungen große Fortschritte erzielt worden. Diesen politischen Frieden wird kein Politiker, sondern der dann amtierende Antichrist, der sich als Friedensstifter und Vermittler präsentiert, ausrufen. Den wahren und bleibenden Frieden wird danach Christus, der wahrhaftige Friedefürst, bringen.

Pfarrer Markmann gibt mit Blick auf die Endzeit die Voraussage eines russischen Sehers wie folgt wieder: „Kurz vor seinem Tode im Jahre 1900 hat der seherische Russe Wladimir Solowjow seine berühmte ,Kurze Erzählung vom Antichrist‘ veröffentlicht. Er läßt darin den ,Menschen der Zukunft‘ vor dem Weltkongreß der Völker diese Worte sprechen: ,Völker der Erde! Meinen Frieden gebe ich euch!‘ Und läßt sie so enden: ,Völker der Erde, die Verheißungen sind erfüllt. Der ewige Weltfrieden ist gesichert … Denn von nun an gibt es auf der Erde eine Zentralgewalt, die stärker ist als die übrigen Gewalten im einzelnen oder in ihrer Gesamtheit. … Und von nun an wird keine Macht sich erkühnen, Krieg zu sagen, wenn ich sage: Friede. Völker der Erde! Friede sei mit euch!‘ “ (O. Markmann, Endzeit, Entrückung, Antichrist, S. 67).

Solche Worte werden aus dem Munde des religiösen Oberhauptes kommen, der die Politik maßgeblich bestimmt. Wenn christliche Apologeten von dem „Supermann“ der Endzeit reden und ihn im Judentum und im Islam suchen, dann zeugt das von Unwissenheit. Dieser Mann wird kein Atheist, kein Jude, kein Moslem und auch kein Buddhist oder Hindu sein. Bei ihm handelt es sich um den gekrönten Mann, der sich als Herrscher über die ganze Welt betrachtet. Derselbe Mann, der sich vorher liebenswürdig gibt, wird zur Stunde X, sobald Satan in ihn wie in Judas hineinfährt und sich seiner bemächtigt, das Maß der Sünde und der Gesetzlosigkeit voll machen.

Die Verwirklichung der biblischen Prophetie betrifft in erster Linie nicht China oder die Vereinigten Staaten, sondern das „Vereinte Europa“. Dazu schreibt Pfarrer Markmann: „Nach dem letzten Krieg hat sich der Vatikan folgerichtig für ein neues geeintes Europa eingesetzt. Papst Paul VI. hat den europäischen Einigungsgedanken stets besonders unterstrichen. Bereits seine Vorgänger Pius XII. und Johannes XXIII. sprachen sich für die Schaffung einer Europa-Union supranationalen Charakters aus. Paul VI. betonte, daß der katholische Glaube es gewesen sei, der Europa einst ,gemacht‘ habe; dieser könne ,in unvergleichlichem Maß dazu beitragen, jener fundamentalen gemeinsamen Kultur, die ein sozial und politisch geeintes Europa beseelen sollte, geistige Vitalität einzuhauchen.‘ Die Notwendigkeit, daß Europa sich zusammenschließe, werde von Tag zu Tag dringlicher, erklärte er 1963.“ (O. Markmann, Endzeit, Entrückung, Antichrist, S. 70).

Der Vatikan ist beim Zustandekommen der Römischen Verträge die treibende Kraft gewesen. Bereits 1970 nahm er diplomatische Beziehungen zur EG Kommission in Brüssel auf. Es wird zu einem vereinten Gesamt-Europa kommen. Der von vielen hoch geschätzte und in der ganzen Welt geachtete Michail Gorbatschow hat den Begriff vom „Bau des europäischen Hauses“, wie er bereits beim Zustandekommen der Römischen Verträge 1957 zum Ausdruck gebracht wurde, neu hervorgehoben. Namhafte Politiker und Kleriker haben ihn in ihr Vokabular übernommen. Alle gewichtigen Stimmen bringen den Einigungsgedanken für ganz Europa in jüngster Zeit mit Entschiedenheit zum Ausdruck.

„Der Papst ruft zu einem ,Europa ohne Grenzen‘ auf. Zum Aufbau eines ,Europas ohne Grenzen‘, das seine christlichen Wurzeln nicht verleugnet, hat der Papst aufgerufen. Dieses ,Projekt eines Europas ohne Grenzen‘ vertraue er der Fürbitte der Gottesmutter Maria an, sagte er am Montag vor rund 6.000 Menschen in Covadonga in Asturien, der letzten Station seiner dreitägigen Spanien-Reise“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.1989).

Wieder ist es der Papst, dem der rechte Gedanke eingefallen ist, um die Kluft von Ost und West zu überbrücken. Das nachstehende Zitat gibt darüber noch mehr Aufschluß: „Das drängende Interesse des Papstes an einem geeinten Europa auf katholisch-religiöser Grundlage kommt auch in der Proklamierung von Schutzheiligen Europas zum Ausdruck. Bereits Papst Paul VI. hatte ,Benedikt von Norcia‘ zum Patron Europas proklamiert. Nunmehr hat Papst Johannes Paul II. für die katholische Weltkirche die heiligen Brüder ,Kyrillos‘ und ,Methodios‘, die im 9. Jahrhundert als Apostel und Lehrer der Slawen gewirkt haben, zu weiteren Schutzheiligen Europas ausgerufen.“

„ ,Johannes Paul II. möchte mit der feierlichen Proklamation der Heiligen Kyrillos und Methodios zu Patronen Europas einerseits deren entscheidenden Beitrag für das Entstehen Europas herausstellen. Zum andern möchte er betonen, daß das geistliche und kulturelle Profil Europas nicht nur von der lateinisch-römischen Zivilisation und den spirituellen Traditionen des Abendlandes geprägt wurde, sondern ebensosehr durch die klassische griechische Kultur und die byzantinische und byzantinisch-slawische Überlieferung.‘

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Josef Höffner, erklärte dazu in Köln, das Wirken der neuen Schutzheiligen als ,Apostel der Slawen‘ könne mit dem verglichen werden, was der hl. Benedikt in West- und Mitteleuropa vollbracht habe. Alle drei Heiligen seien somit die ,geistlichen Bauleute Europas, und zwar des ganzen Europas‘.

Die Entscheidung des Papstes sei eine Aufforderung an alle, das ,gesamte Europa auch im Rahmen der auf dem Weg zur vollen Einheit zwischen katholischer und orthodoxer Kirche bereits unternommenen entscheidenden Schritte, der Fürsprache dieser drei großen Heiligen anzuvertrauen …‘ “ (O. Markmann, Endzeit, Entrückung, Antichrist, S. 72-73).

Der Vatikan spielt durch seine Organisationen in der Vereinigung Europas in politischer und religiöser Hinsicht die Hauptrolle. Ohne ihn ist die Endzeit-Prophetie nicht denkbar. Seine Strategie hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend dahingehend geändert, jetzt möglichst gewaltlos zu handeln, das Ziel aber bleibt dasselbe. Der Zweite Weltkrieg wird von Eingeweihten als Versuch gewertet, durch militärische Macht ein katholisches Europa gewaltsam zu schaffen.

Der atheistische Bolschewismus wurde vom Vatikan, überhaupt von der gesamten Kurie und den westlichen Regierungen als die große Gefahr für das christliche Abendland gesehen. Mussolini stellte sich in den Dienst der Kirche, als er 1929 den jetzigen „Vatikanstaat“ dem damaligen Papst Pius XI. als selbständiges Hoheitsgebiet überließ. Der Vatikan ist de facto seit der Zeit wieder ein souveräner Staat geworden.

Die Beziehung der Kirche zum Faschismus und Nazionalsozialismus bis 1945 haben Historiker recherchiert. Nachfolgend einige Zitate aus dem Buch „Abermals krähte der Hahn“ von Dr. Karlheinz Deschner, Kap. 67 und 68, der die historischen Fakten rückhaltlos dargelegt hat.

„Der erste Dienst, den der Exsozialist (Mussolini) dem Heiligen Stuhle leistete, war ein finanzieller. Er rettete nämlich die ,Banco di Roma‘, der sowohl die Kurie wie mehrere ihrer Würdenträger hohe Summen anvertraut hatten, vor dem Bankrott, indem er auf Kosten des italienischen Staates mit ungefähr 1,5 Milliarden Lire einsprang. … Der Kardinal Vannutelli, der Dekan des sogenannten Heiligen Kollegiums, erklärte bereits damals von ihm, er sei ,auserwählt zur Rettung der Nation und zur Wiederherstellung ihres Glückes.‘ “

„Papst Pius XI sah sich am 13. Februar 1929 wieder einmal genötigt, Mussolini den Mann zu nennen, ,den uns die Vorsehung geschickt hat‘… In Parenthese sei bemerkt, daß nach Unterzeichnung des Lateranvertrages auch der damalige Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, Mussolini in einem Glückwunsch-telegramm versicherte, sein Name werde in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen ‘.“

„Während aber fast die ganze Welt die faschistische Aggression (auf Abessinien) verurteilte, stellte sich die katholische Kirche, insbesondere der hohe italienische Klerus, auf die Seite Mussolinis. Am 27. August 1935, als die Kriegsvorbereitungen in Italien auf Hochtouren liefen, verkündete der Papst, ein Verteidigungskrieg (!) zum Zweck der Expansion (!) einer wachsenden Bevölkerung könne gerecht und richtig sein. Nur wenige Tage danach, vier Wochen vor dem Überfall, sandten 19 Erzbischöfe und 57 Bischöfe an Mussolini ein im ,Osservatore Romano‘ veröffentlichtes Telegramm, in dem es heißt: ,Das katholische Italien betet für die wachsende Größe seines geliebten Vaterlandes, das durch Ihre Regierung einiger denn je ist.‘ … Der Erzbischof von Tarent nannte die Aggression, nachdem er auf einem Unterseeboot eine Messe gelesen hatte, ,einen heiligen Krieg, einen Kreuzzug‘ … Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Schuster, der im Herbst 1935 die ins Feld rückenden Truppen gesegnet hatte, verglich Mussolini mit Caesar, Augustus und Konstantin und belehrte die italienische Schuljugend, durch das Werk des Duce habe ,Gott vom Himmel geantwortet‘. … Noch am 12. Januar 1938 empfing Mussolini 72 Bischöfe und 2340 Pfarrer im Palazzo Venezia, wo der Erzbischof Nogara in einer Rede Gott bat, dem Duce in allen Schlachten beizustehen, zum Gedeihen des christlichen Italien … ,Mit frommer Begeisterung, mit der Stimme und dem Herzen des Volkes rufen wir: Heil Duce!‘ “

„Bereits 1933 forderten die spanischen Bischöfe in einem Hirtenbrief und der Papst in einer Enzyklika vom 3. Juni einen ,heiligen Kreuzzug für die vollständige Wiederherstellung der kirchlichen Rechte‘. … Francos Schwager, Serrano Suñer, Sekretär der katholischen Jugendorganisation, später spanischer Innen- und Außenminister, war ein Freund Mussolinis und Hitlers, und wurde Ende Juni 1942 vom Papst mit dem Großkreuz des Ordens Pius‘ des IX ausgezeichnet. Zwei Monate zuvor hatte Suñer gegenüber einem dänischen Zeitungskorrespondenten geäußert, daß bereits 15.000 Spanier an der Ostfront kämpften und ihre Zahl, falls es Deutschland nötig habe, auf eine Million erhöht werde. … Die deutschen Bischöfe veröffentlichten schon am 30. August 1936 auf direkte Weisung des Kardinalstaatssekretärs Pacelli einen Hirtenbrief, worin es im Hinblick auf Spanien heißt: ,Welche Aufgabe damit unserem Volk und Vaterland zufällt, ergibt sich von selbst. Möge es unserem Führer mit Gottes Hilfe gelingen, dieses ungeheuer schwere Werk der Abwehr (!) in unerschütterlicher Festigkeit und treuester Mitwirkung aller Volksgenossen zu vollbringen.‘ Und bereits am 3. Januar 1937 bearbeiteten die deutschen Bischöfe, wiederum mit Hinweis auf Spanien, ihre Gläubigen erneut: ,Geliebte Diözesanen! Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat den Anmarsch des Bolschewismus von weitem gesichtet und sein Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, diese ungeheure Gefahr von unserem deutschen Volk und dem Abendland abzuwenden.‘ “

„Im gleichen Jahr (1933) schloß der Katholik von Papen das Konkordat zwischen Nazideutschland und dem Vatikan … In den Jahren von 1934 bis 1938 bereitete Papen als deutscher Botschafter in Wien die nazistische Machtergreifung in Österreich vor.“

„Niemals wandten sich die deutschen Bischöfe gegen die vielen Tausende von Justizmorden an ihren Gegnern, gegen die Verfolgung von Liberalen, Demokraten und Kommunisten, die sie ja gerade wünschten. … Niemals protestierten sie gegen die grauenhaften Judenpogrome, gegen die Zerstörung von mehr als zweihundert Synagogen, gegen die Demütigung, Verschleppung und Vergasung der Juden, die ihre eigene Kirche ja eineinhalb Jahrtausende lang immer wieder verfolgt und getötet hatte. Niemals protestierten sie gegen das System des Nationalsozialismus als solches. Vielmehr erklärten hohe Geistliche wie Kardinal Faulhaber von München, Kardinal Schulte von Köln, Bischof Matthias Ehrenfried von Würzburg u.a. (im Jahre 1935) ihre volle Bereitschaft zur Mitarbeit am Nazismus und bedauerten ihre Ausschaltung.“

„Am 11. März 1938 okkupierten Hitlers Truppen Österreich. Kardinal Innitzer von Wien, der im Einvernehmen mit dem Vatikan Schuschnigg die Unterwerfung empfohlen und erklärt hatte: ,Der Anschluß ist unvermeidlich‘, feierte den Einmarsch der Wehrmacht mit Glockengeläut und Hakenkreuzfahnen an den Kirchen und beauftragte seine Geistlichkeit, dasselbe zu tun. Am 12. März verpflichtete er sie zur Abhaltung eines Dankgottesdienstes. Als Hitler am 15. März den Kardinal in einer Audienz empfing und ihm die Wahrung der kirchlichen Rechte zusicherte, forderten alle österreichischen Bischöfe, mit Ausnahme des Bischofs von Linz, das Volk auf, für Hitler zu stimmen, und beschlossen ihren Aufruf mit dem Gruß: ,Heil Hitler‘.“

Angesichts des Tatbestandes, daß die politische Zielsetzung der Weltkirche die gleiche geblieben ist, müssen die Vorgänge aus der Vergangenheit als Warnung für die Zukunft verstanden werden. Das sogenannte „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ bestand aus religiöser und politischer Macht. Diese Formulierung hat ihre Berechtigung insofern, da sich der Vatikan der Deutschen zur Erreichung seiner Ziele in ganz besonderer Weise bedient hat. Auch in dem Vereinigungsprozeß Europas spielt Deutschland die Hauptrolle, es ist die „Lokomotive des gesamten Zuges“, die Drehscheibe von Ost und West. Viele Historiker haben aus Klugheit oder aus Furcht vor der Kirche dieses heikle religiöse Kapitel entweder nicht beschrieben oder nur andeutungsweise zu Papier gebracht.

Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konzentrierte sich der Vatikan auf Deutschland, das immer mächtiger wurde. Es begann im katholischen Bayern, speziell in München, wo Hitler bei seinem Putschversuch 1923 noch gescheitert war. Im Jahr 1924 schloß der Vatikan mit dem Land Bayern ein Konkordat. Es ist schon bemerkenswert, daß der spätere Papst Pius XII. in diesen Jahren Nuntius in München und später in Berlin war.

Schon 1938 waren ca. 40.000 politische Gegner in deutschen Konzentrationslagern inhaftiert, ohne daß ein Würdenträger die Stimme für die Entwürdigten erhoben hätte. Franz von Papen als ergebener Katholik erklärte: „… der Nationalsozialismus ist die christliche Reaktion gegen den Geist von 1789.“ (E. Paris, The secret history of the Jesuits, S. 130). Damit bezog er sich eindeutig auf die französische Revolution, die dazu führte, daß Staat und Kirche getrennt wurden und das Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ herbeiführte. Als im Ausland Stimmen gegen die Vorgänge in Deutschland laut wurden, wehrte sie der Herausgeber des „Stürmer“, Julius Streicher, ab mit den Worten: „… das ist die angelsächsische Propaganda der Protestanten gegen uns.“ Wer sich beim Papst Rückendeckung verschaffte, der fühlte sich einfach über alle Maßen stark.

Eingeweihte wissen auch, daß der Vatikan nicht nur den Bolschewismus als politischen Gegner, sondern auch die abgespaltene Ostkirche als religiösen Rivalen in ihre Schranken weisen bzw. besiegen wollte. Nur wem bekannt ist, daß die SS Hitlers speziell durch Jesuiten in Uniform, zu denen unter anderen auch Goebbels gehörte, organisiert und geleitet wurde, der begreift auch, warum unter dem Einmarsch der deutschen Truppen in Rußland in der römisch-katholischen Ukraine keine religiösen Gebäude beschädigt wurden, während das in dem übrigen Teil Rußlands rücksichtslos geschah. Nachfolgend nochmals einige Zitate aus dem Buch „Abermals krähte der Hahn“ von Dr. Karlheinz Deschner, Kap. 67 und 68:

„Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Jahre 1941 richtete der katholische Feldbischof (Franz Justus Rarkowski), von dem man selbst auf katholischer Seite zugab, daß seine Hirtenbriefe nur so ,strotzen … von national-sozialistischer Kriegsunterstützung‘, ein Hirtenwort an die katholischen Wehrmachts-angehörigen, in dem es u.a. heißt: ,Wie schon oft in der Geschichte ist Deutschland in der Gegenwart zum Retter und Vorkämpfer Europas geworden … Viele europäische Staaten … wissen es, daß der Krieg gegen Rußland ein europäischer Kreuzzug ist … Dieses starke und verpflichtende Erlebnis eures Einsatzes im Osten wird euch zu Bewußtsein bringen, wie unsagbar groß das Glück ist, daß wir Deutsche sein dürfen.‘ “

“Und in einer Denkschrift aller katholischen Bischöfe Deutschlands vom 10. Dezember 1941 bekennen die kirchlichen Würdenträger: ,… Mit Genugtuung verfolgen wir den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus, vor dem wir deutschen Bischöfe in zahlreichen Hirtenbriefen vom Jahre 1921 bis 1936 die Katholiken Deutschlands gewarnt und zur Wachsamkeit aufgerufen haben, wie der Reichsregierung bekannt ist.‘ “

„Der große Friedenspapst schwieg also. Er schwieg aber auch zu der Zerstörung der fast zweitausend Kirchen, über fünfhundert Synagogen und der Ermordung zahlreicher Geistlicher während des Krieges im Osten. Wollte doch der Vatikan wie in den anderen von Hitlers Armeen besetzten Gebieten auch im orthodoxen Rußland nun den Katholizismus verbreiten … Über eine Zusammenarbeit der Jesuiten mit SS und Gestapo waren vom General der Jesuiten, Graf Ledochowski (1866-1942, Ordensgeneral seit 1915), schon 1940 Besprechungen mit Vertretern des Hitlerschen Geheimdienstes geführt worden … Seit 1919, heißt es in dem Dokument, habe der Vatikan versucht, das kommunistische Regime zu stürzen … Der Vatikan beabsichtigte, ,so viele Priester wie möglich in die besetzten Gebiete Rußlands zu schicken, um den Boden für weitergehende Pläne der vatikanischen Politik gegenüber Rußland vorzubereiten‘. Am 8.11.1941 wies das Oberkommando der Wehrmacht alle Oberbefehlshaber der deutschen Armeen im Osten an, mit ,Rücksicht auf das Abkommen mit dem Vatikan … die missionarische Tätigkeit der katholischen Priester in den besetzten Gebieten zu erleichtern‘ … Und ein Leiter des deutschen Geheimdienstes, SS-Oberführer Schellenberg, schreibt in einem fünfseitigen Bericht an das Auswärtige Amt über ein Gespräch mit dem Papst: ,Der Papst wird sein Möglichstes tun, um einen deutschen Sieg zu sichern. Sein Ziel ist die Zerstörung Rußlands.‘ “

„… Dr. Adenauer 20 Jahre später: ,Daher stehen wir dieser (östlichen) Welt, die im Grunde genommen unser Todfeind ist, mit größter Wachsamkeit gegenüber‘ … ,Aber es geht nicht allein um die Sowjetzone, es geht um die Befreiung von ganz Osteuropa hinter dem Eisernen Vorhang ‘… ,Deutschland wird nicht die Beute des atheistischen Kommunismus, sondern ihn zu Fall bringen.‘ “

Bei dem Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien im April 1941 blieben die römisch-katholischen Kroaten verschont, wogegen die orthodoxen Serben massenweise hingemordet wurden. Die faschistisch-katholische Bewegung Kroatiens, die Ustaschis, paktierten mit der katholisch beherrschten Heeresleitung der Besatzungsmacht. Es ist bekannt, daß Erzbischof Stepinac die Koordinierung vorgenommen hat. Er selbst konnte dem Papst berichten, daß 250.000 Serben zum römischen Katholizismus gewaltsam bekehrt wurden. Von der damals ca. 2 Millionen zählenden orthodoxen Bevölkerung Kroatiens wurden nach offiziellen Angaben 600.000 ermordet. Andere schätzen die Zahl der Ermordeten sogar auf 800.000. Nicht nur Juden und andere ethnische Gruppen, sondern auch Minderheiten, die zur gleichen Volkszugehörigkeit zählten, wurden, weil sie eine andere Glaubensüberzeugung hatten, rücksichtslos hingeschlachtet.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen in Polen fand ein Massaker an den deutschen Protestanten statt. Das „Blutbad von Bromberg“ ist zu einem Begriff geworden. Damals war die Rede davon, daß über 40.000 — hauptsächlich Männer — in den unter polnischer Verwaltung stehenden Gebieten hingeschlachtet wurden. Dem Vernehmen nach, kam der Aufruf dazu von den Kanzeln. Neuerdings wird die Zahl der Toten jedoch wesentlich geringer angegeben.

Es ist nicht schwer zu erraten, was Hitler mit dem Ausspruch meinte: „Ich aber brauche zum Aufbau einer großen politischen Bewegung die Katholiken Bayerns ebenso wie die Protestanten Preußens. Das andere kommt später“ (K. Deschner, Ein Jahrhundert der Heilsgeschichte, Bd. I, S. 360). Auch führende evangelische Theologen haben im Gegensatz zu der „bekennenden Kirche“ mitgemacht. Anstatt mit dem ewigen Segen Gottes sind sie so mit dem zeitlichen Fluch belastet. Was später gekommen wäre, hätten wir bei einem Sieg Hitlers erlebt. Der Säuberungsaktion von Juden, ethnischer Minderheiten und politischer Gegner wäre eine zweite, nämlich die der Protestanten, gefolgt.

Noch am 9. April 1945, einen Monat vor Kriegsende, wurde der lutherische Pastor Dietrich Bonhoeffer nach zweijähriger Inhaftierung auf persönlichen Befehl des Katholiken Himmler in Flössenberg hingerichtet. Die protestantischen Jugend-gruppen waren im Dritten Reich verboten. Als erstes hätten es die Wortführer der bekennenden Kirche, die sich gegen die nazional-sozialistische Diktatur offen ausgesprochen haben, und dann alle Gläubigen in Freikirchen und Gemeinschaften zu spüren bekommen. Das Selbstverständnis der römischen Kirche und der ihr ergebenen Herrscher, nämlich die Überzeugung, daß außer ihr kein anderer Glaube eine Existenzberechtigung hat, ist für alle anderen tödlich. Mit Respekt muß erwähnt werden, daß auch auf katholischer Seite das Gewissen mahnte und einzelne ihre Stimme gegen das Unrecht erhoben.

Anhand der Fakten kann ohne weiteres gefragt werden, ob es heute noch eine protestantische Kirche und die Freikirchen in einem unter hitler-deutscher Herrschaft regierten Europa geben würde. Speziell die engagierten Jesuiten und ihre Organisationen wollen doch dem Papst seit der Reformation die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ präsentieren, wie es im katholischen Glaubensbekenntnis formuliert ist. „Papst Benedikt XV. bezeichnet 1915 (!) mitten im Burgfrieden die Bekenner der ,evangelischen Sekte‘ als ,Sendlinge Satans‘, die ,Pestkanzeln‘ errichteten, ihre geistlichen Amtsträger als ,Räuber und Diebe‘.“ (O. Markmann, Irrtümer der katholischen Kirche, S. 22). Unbegreiflich ist für jeden folgendes Zitat: „Der Jesuit Mayrhofer von Ingolstadt lehrte in seinem ,Prediger Spiegel‘: ,Wir werden nicht gerichtet werden, wenn wir das Töten von Protestanten fordern; ebensowenig wie wir es würden, wenn wir die Todesstrafe für Diebe, Mörder, Fälscher und Revolutionäre fordern‘ “ (E. Paris, The secret history of the Jesuits, S. 35).

Die Einstellung — das Verhalten der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg läßt sich aus vielen Dokumentationen entnehmen, bis hin zu dem folgenden Zitat. Am 3. Mai 1945 ließ der Vatikan anläßlich Hitlers Tod von General Franco über die spanische Presse in Madrid folgende Erklärung, die Bände spricht, veröffentlichen: „Adolf Hitler, Sohn der katholischen Kirche, starb in Verteidigung des Christentums. Es ist deshalb verständlich, daß man keine Worte findet, seinen Tod zu beklagen, denn so viele fanden sich, sein Leben zu rühmen. Über seinen sterblichen Überresten steht seine siegreiche moralische Gestalt. Mit der Palme der Märtyrer gebe Gott Hitler die Lorbeeren seines Sieges“ (E. Paris, The secret history of the Jesuits, S. 163).

Viele, die ,Heil Hitler!‘ geschrien haben, wußten wirklich nicht, was sie taten. Hätten es aber die Würdenträger damals nicht wissen müssen? Und doch streckten sie ihren Arm aus und bezeugten mit dem Gruß ,Heil Hitler‘, daß jetzt das Heil von Hitler anstatt von Gott kommen würde. Das habe ich als Jahrgang 1933 noch bewußt miterlebt. Oft genug beobachtete ich das Parade-Marschieren des Heeres! Es klang doch so gewaltig, wenn mit so vielen Stimmen „Sieg Heil! Sieg Heil!“ gerufen wurde.

Spätestens mit dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur wurde vielen bewußt, daß sie zu einer verführten, arglistig getäuschten und betrogenen Kriegsgeneration gehörten. Das Bekanntwerden der Greueltaten und die Enthüllung des Holocaust hat viele sprachlos gemacht. Noch heute gibt es Menschen, die das leugnen, einfach weil sie die Grausamkeiten bis hin zur Vergasung unschuldiger Männer, Frauen und Kinder nicht einordnen und fassen können. Im Namen Gottes und des deutschen Volkes sind im 20. Jahrhundert die abscheulichsten Verbrechen begangen worden. Noch heute klingen die Propaganda-Worte aus der Nazi-Zeit vielen in den Ohren. Manche erinnern sich auch daran, daß mit Begeisterung proklamiert wurde: „… und ein Glaube der ganzen Welt …“ Auf dem Koppelschloß der Soldaten stand „Gott mit uns!“ Welch eine Lästerung!

Über 55 Millionen Menschen sind im Zweiten Weltkrieg „verheizt“ worden, aber die eigentlichen Anstifter blieben verschont. „Kardinal Frings von Köln, der bereits in einer Rundfunkansprache am 16. Dezember 1945 ein allein vom Christentum, das heißt natürlich vom römischen Katholizismus, geprägtes Abendland begehrte, forderte als erster öffentlich in Deutschland auf dem Katholikentag in Bonn am 23. Juni 1950 die Wiederaufrüstung der Deutschen und einen auf der ,Gottesordnung‘ beruhenden Frieden! … So trat Bischof Muench, wie Pius XII., 1945 in einem Hirtenbrief für ,Nachsicht‘ gegenüber den deutschen Kriegsverbrechern ein. 1951 erhielt er vom deutschen Bundespräsidenten das Große Bundesverdienstkreuz und wurde von Papst Johannes XXIII. zum Kardinal ernannt.“ (K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 647-650).

Besonders aufschlußreich ist auch das folgende Zitat: „Nach dem Zusammenbruch des katholischen Regiments wurden bezeichnenderweise gerade ausländische Franziskanerklöster die Zufluchtsstätten der Massenmörder, in Österreich Klagenfurt, in Italien Modena, aber auch in Frankreich.“ (K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 625). Offensichtlich kannten sie sich genau aus und wußten, wo sie nicht nur offene Türen, sondern auch offene Arme finden. Sogar der französische Helfer des Massenmörders Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, Paul Touvier wurde im Mai 1989 in einem katholischen Kloster festgenommen, in dem er es sich viele Jahre wohlergehen ließ.

Nach der Niederlage des deutschen Heeres bei Stalingrad versuchte der Papst, die Vereinigten Staaten auf seine Seite zu ziehen, um gegen den Bolschewismus anzukämpfen. Die einzige Bedingung, die Präsident Roosevelt stellte, war: Hitler müsse zurücktreten. Der Papst flehte ihn an, um der Sache willen nachzugeben. Doch diesmal stieß er bei dem machtbesessenen Diktator auf taube Ohren. Die katholischen Bischöfe, die Adolf Hitler im März 1933 auf der Konferenz zu Fulda ihre Solidarität bekundet hatten, sagten 1945 etwas ganz anderes und leiteten eine völlig neue Strategie ein, um das gesteckte Ziel eines religiös-politisch vereinten Europas zu erreichen.

Was mit Kriegsgewalt nicht gelang, wird jetzt auf diplomatischem Wege in Kürze Realität sein. Während noch Millionen Menschen, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, in Arbeitslager Verschleppte die Folgen des Krieges zu erdulden hatten, machte es dem Klerus überhaupt nichts aus, umzuschwenken und die Fahne neu nach dem Wind zu setzen. Die Unschuldigen haben gelitten und die wirklich Schuldigen waren in Sicherheit und spielten ihre Rolle mit großer Erhabenheit weiter.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sind die Weichen neu gestellt worden. Die protestantischen Kirchen werden nicht länger verflucht und als Abtrünnige bezeichnet, sondern als getrennte Brüder mit offenen Armen willkommen geheißen. Die Gegenreformation ist beendet. Eigenartig ist nur, daß kein einziger der vielen Flüche, die gegen Protestanten hauptsächlich im Konzil zu Trient formuliert wurden, zurückgenommen worden ist. Bis heute ist kein Wort der Entschuldigung an Juden, Protestanten und Andersgläubige von Papst und Kirche ergangen.

Noch nie spielte bei den Herrschern von Rom das Leben anderer eine Rolle. Wer den Machtansprüchen im Wege stand, ob Erwachsene oder Kinder, ob politische oder religiöse Feinde, wurde beseitigt. Nero, Diokletian, Konstantin und andere machten den Anfang. Dieser Trend hat sich später bei den römischen Päpsten fortgesetzt. Wer sich nicht fügte, wurde verfolgt und ermordet, ungeachtet dessen, ob es sich um Heiden, Juden, Moslems oder um andersgläubige Christen handelte, deren einziges Verbrechen darin bestand, daß sie sich nicht zur römisch-katholischen Kirche bekannten.

Konstantin ist der eigentliche Gründer dieser römischen „Reichskirche“ und deren brutaler Machtausübung. Er will ein feuriges Kreuz am Himmel gesehen haben und daneben die Schrift: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Dieser Mörder, der in der Familie seine beiden Schwäger Licinius und Bassanius, seinen Neffen, den Sohn des Licinius, seinen Schwiegervater Maximilian, seinen Sohn Crispus und seine Gattin Fausta umbringen ließ, war gleichzeitig ein geschickter Politiker. Für ihn stellte die Kirche einen Machtfaktor dar, dessen er sich bediente. Doch er ließ zunächst auch die Heiden gewähren. Von der Zeit an entstand in Verbindung mit Verfolgung und Mord die heidnisch-christliche Reichskirche. Der Kirchenfürst Augustin pries die Kirche bereits 70 Jahre später als „Gottesstaat“. Für ihn war der Satan nun gebunden. Dabei handelte es sich um das Gegenteil: Er war erst richtig losgelassen.

Der Geburtstag des Sonnengottes wurde zum Geburtstag des Sohnes Gottes erklärt. Jupiter, Diana und die anderen Götter und Göttinnen wurden abgesetzt, Petrus, Maria und andere zu Heiligen erklärt und erhöht. Im Grunde genommen hat in dem zu der Zeit entstehenden „Christentum“ eine völlige Übernahme des griechisch-römischen Götterkults und seine Fortsetzung stattgefunden. Die heidnischen Götter wurden nur durch Heilige und Schutzpatrone ausgetauscht. Mit Gewalt wurde die Gesamtbevölkerung unter diese politisch-religiöse Macht gezwungen. Wer nicht wollte oder um des Gewissens willen nicht konnte, wurde beseitigt. Die Zusammenarbeit von Staat und Kirche ließ Andersgläubigen keine Chance. Ob im Geschäftsleben, in den Berufen, den Zünften — überall waren Boykott und Verfolgung an der Tagesordnung.

Erst wenn der Papst und die römische Kirche sich für den Tod der Millionen Menschen entschuldigen, die durch ihr Betreiben aus dem Leben befördert wurden, haben sie das Recht, von dem „Schutz des ungeborenen Lebens“ zu sprechen. Ungeborenes Leben soll geschützt werden, das geborene Leben dagegen war und ist Freiwild! Haben nicht gerade die Päpste zu den Kreuzzügen aufgerufen und die Söldner gesegnet, um deren Leben sie gar nichts gaben? Wurde in diesen Kreuzzügen oder religiösen Kriegen Rücksicht auf Schwangere und Kinder, überhaupt auf das menschliche Leben genommen? Wie fatal, wenn in der Nähe der Klöster immer wieder Kinderskelette zutage gefördert werden!

Im „Katholischen Erwachsenen-Kathechismus“, Seite 256, wird die Kirche als Sakrament erklärt. Daß es in der römischen Kirche sieben Sakramente gibt, ist allgemein bekannt, daß aber die Kirche selbst Sakrament sein soll, dürfte neu sein. Zitat: „Die Kirche als Sakrament des Geistes. Schwierigkeiten mit der Kirche. Auf die Frage nach dem Ort des Heiligen Geistes antwortet das Glaubensbekenntnis der Kirche mit der Aussage: ,Ich glaube (an) die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche‘. Die Kirche bekennt also, daß in ihr und durch sie der Geist Jesu Christi weiterwirkt in der Geschichte. Sie glaubt, daß sie der Ort, ja das Sakrament, d. h. das Zeichen und das Werkzeug des Wirkens des Heiligen Geistes ist.“

Zwischen dem Lippenbekenntnis und der Wirklichkeit besteht ein himmelweiter Unterschied. Nicht der Geist Christi war es, der so grausam in der Kirchengeschichte gewirkt hat. Da auch in dieser Kirche bekannt ist, was alles auf ihr Betreiben hin geschah, mußte auf der gleichen Seite im Katholischen Erwachsenen Katechismus ebenfalls wie folgt dazu Stellung genommen werden: „Kaum eine andere Glaubensaussage erregt so viel Unverständnis, Widerspruch, ja Feindseligkeit wie diese. Auch viele praktizierende katholische Christen haben Schwierigkeiten mit der Kirche. Nicht wenige sagen: ,Jesus, ja — Kirche, nein!‘ Der Haupteinwand gegen die Kirche lautet, sie habe in ihrer Geschichte die ursprüngliche Botschaft Jesu verraten. Denn Jesus — so wird eingewandt — war arm und ist für die Armen eingetreten; die Kirche dagegen sei reich, paktiere mit den Reichen und Mächtigen und habe vor der sozialen Frage versagt. Jesus predigte die Liebe bis zur Feindesliebe; die Kirche dagegen sei intolerant und verfolge, wie vor allem die Inquisition zeigt, ihre Gegner mit brutaler Grausamkeit. … Was soll ein katholischer Christ zu diesem ,Sündenregister‘ sagen? Er braucht nichts zu beschönigen oder zu vertuschen. Gerade die Kirche, die die Vergebung der Sünden verkündet, kann im Vertrauen auf Gottes Vergebung ihre eigene Schuld bekennen wie Papst Hadrian VI. beim Reichstag zu Nürnberg (1522/1523) oder Papst Paul VI. während des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965). Der Christ braucht also die Schattenseiten der Kirchengeschichte nicht zu leugnen.“

So einfach, wie es im katholischen Katechismus steht, wird es bei Gott gewiß nicht gehen. Es kann nur da Vergebung geschehen, wo wirklich echte Reue einsetzt. ER wird diese Greueltaten nicht vergeben, sondern das unschuldig vergossene Blut rächen (Offbg. 6, 9-10; Kap. 18, 7-8), denn es geschah vorsätzlich. Wenn nicht noch eine Verfolgung der bibelgläubigen Christen bevorstünde, könnte man das Kapitel als erledigt betrachten. Doch gemäß der apokalyptischen Prophetie kommt jetzt der religiös-politische Zusammenschluß und danach der Boykott und die Verfolgung, „… daß niemand kaufen oder verkaufen kann“ (Offbg. 13, 17). Wie es den Juden im Dritten Reich und schon zu verschiedenen Zeiten vorher erging, so wird es den bibelgläubigen Christen in einer kurzen Verfolgungszeit ergehen. Ihr Verbrechen wird darin bestehen, daß sie nicht zu einer anerkannten christlichen Denomination und so zum Weltkirchenrat oder zur römischen Kirche gehören. Man wird sie als Ketzer und als für die Gesellschaft unerträglich betrachten. Wenn bei der Arbeitssuche die Religion angegeben werden muß, kann doch z. B. sofort entschieden werden, ob jemand die Arbeit bekommt oder nicht. Wird es den Politikern dann noch gelingen, die Würde und das Leben, besonders des Andersdenkenden und Andersglaubenden, zu schützen?

Um das Bibelwort zu bestätigen, ist diesem Reich, biblisch „Tier“ genannt, ein Stoß versetzt, eine Schwertwunde beigebracht worden (Offbg. 13, 14). Das Schwert des Geistes ist Gottes Wort, und mit dem Worte Gottes haben die Reformatoren dieser Macht eine tödliche Wunde versetzt. Deshalb mußten sie allesamt als Knechte Satans angesehen werden, weil sie eine Störung, sogar Bedrohung dieser Weltmacht bedeuteten. Wie in der biblischen Prophetie angekündigt wird, heilt die Todeswunde jedoch wieder, worüber die ganze Welt staunen wird (Offbg. 13, 12). Dieser Heilungsprozeß ist bereits weit fortgeschritten.

Alle protestantischen Kirchen und Freikirchen haben in ihren Anfängen die Verkündigung des Evangeliums in den Mittelpunkt gestellt. Heute jedoch geht es in der Tat auch bei den meisten von ihnen nur noch um überlieferte Traditionen. Die Führer der einzelnen Denominationen sind geistlich kurzsichtig und merken nicht, wohin der eingeschlagene Weg führt. Auch solche, die sich zu den Fundamentalisten zählen, haben keinen klaren Blick, um die jetzt vor sich gehende biblische Prophetie im Licht des geoffenbarten Wortes einzuordnen. Die einen sind der „Entmythologisierung“ zum Opfer gefallen, andere der „liberalen Befreiungstheorie“. Übrig geblieben ist auch auf protestantischer Seite ein Volks- und Namens-Christentum, ein Tauf- und Trauschein-Christentum. Nur eine verschwindend geringe Zahl hat ein Erlebnis mit Christus gemacht und kann als bibelgläubig eingeordnet werden.

Im Vorfeld des Konzils „Vaticanum Secundum“ wurde 1960 von Papst Johannes XXIII. das Sekretariat für ökumenische Fragen unter Leitung von Kardinal Augustin Bea ins Leben gerufen. Es ist eine ganze Arbeit geleistet worden; die Formulierungen sind auf jede der getrennten Kirchen so abgestimmt, daß sie ohne weiteres ihre eigene Sprache wiederhören und über die nicht zu überbrückenden Unterschiede hinwegsehen. In dem „Lexikon für Theologie und Kirche“, Band 13, S. 12-26, schreibt Herder vom II. Vatikanischen Konzil zu dem Thema „Ökumenismus und Einheit“ sehr aufschlußreich für alle, die es zur Kenntnis nehmen möchten:

„Das Sekretariat ist ein kraft päpstlicher Autorität geschaffener Kanal zur Kommunikation und ein Mittel, das mithilft, in allen nur denkbaren Formen der Zusammenarbeit die volle Einheit zu verwirklichen. … Von einem solchen Verständnis ist auch Paul VI. ausgegangen, wenn er noch als Kardinal bei der Trauerfeier für Johannes XXIII. im Dom zu Mailand am 7.6.1963 von der ,Universalität des katholischen Glaubens‘ und dem ,Ökumenismus der römischen Kirche‘ sprach. … Für ihn bedeutete ,innere Ökumene der Katholizität‘ Einheit in der Vielheit mit großen Möglichkeiten der Entfaltung in einem neuen Abschnitt der Kirchengeschichte.“

„Im Hinblick auf die anderen christlichen Gemeinschaften geht es hier um die reale Anerkennung des christlichen Erbes der getrennten Brüder. Das bedeutet die echte Berücksichtigung aller ,Spuren‘ oder ,Elemente‘ der Kirche, die durch Gottes Gnade bei den getrennten Brüdern bestehen und lebendig sind, dadurch geschieht es, daß diese — wenn auch in verschiedenem Grade — schon real, wenn auch unvollständig und unvollkommen zur Kirche gehören.“

„Im folgenden (§7) wird nun von den Trennungen und Spaltungen gesprochen. Aus ,menschlicher Gebrechlichkeit‘ kam es zu Streitigkeiten, gegenseitiger Unkenntnis und Entfremdung innerhalb der Herde Jesu Christi, so daß Teile der Kirche sich abgetrennt und als unabhängige Gruppen eingerichtet haben. Dadurch ist die Kirche Christi grausam verstümmelt. Weil die Kirche nur eine sein kann, gibt es neben der vom Nachfolger Petri regierten Kirche ,keine andere Kirche, die sich als wahre und einzige zu bekennen vermöchte‘. Keine vom Stuhle Petri getrennte Kirche ist auf dieselbe Weise zu derselben zugleich sichtbaren und himmlischen Kirche gehörig. — In § 8 wird betont, daß die notwendige Einheit mit dem Haupt nicht die Mannigfaltigkeit innerhalb des Leibes ausschließt. Eine allzu große Gleichförmigkeit würde die Schönheit des Leibes beeinträchtigen. Daher die Bedeutung der eigenen Tradition, zumal bei den verehrungswürdigen Kirchen des Orients. Je mehr aber der Verschiedenheit Raum gegeben wird, um so mehr ist eine einzige Autorität erforderlich.“

„Wer in gutem Glauben in einer getrennten Kirche lebt, wird von der wahren Kirche nicht als Fremder betrachtet (§9). Aber er entbehrt so mancher Heilsmittel, insbesondere der Leitung durch das Lehramt, das dazu hilft, Glaube und Sitte vollständig zu bewahren. Die Trennung ist zum Schaden für das innere und äußere Wachstum der Familie Christi. Darum ist es der Wunsch des Konzils, daß alle ,Dissidenten‘ um die vollkommene Einheit der Herde Christi besorgt sind und zu der einen Hürde zusammenkommen (§10). Dabei ist jedoch immer das gemeinsame Erbe zu beachten und die noch bestehende geistliche Verbindung: ,Wir sind Brüder geblieben.‘ “

„Infolge von Irrtümern der Vergangenheit, die von beiden Seiten begangen wurden, sind die Brüder des einen christlichen Volkes nach verschiedenen Seiten auseinandergegangen, ihre Wege haben sich getrennt. Im Geist der Buße und Sühne seitens aller Christen wird es geschehen, daß alle in dem einen Vaterhaus vereinigt werden (§31).“

„Die Christen sollen eine gemeinsame Front gegen den eindringenden Atheismus und Kommunismus bilden (§35).“

„Alle gleichwertigen Teile der Kirche sollen unter dem einen Haupt zusammenwachsen, das weder orientalisch noch abendländisch sei, sondern der Vater aller (§47).“

„Im folgenden werden konkrete Vorbedingungen der Wiedervereinigung genannt, und es wird der Weg zu ihr beschrieben. Die Orientalen sollen wissen: Wenn sie sich anschließen und ihren Platz wieder einnehmen wollen, so soll von den Heimkehrenden nicht mehr gefordert werden, als was nötig ist, um Glied der Kirche zu werden (§48). Sie sollen das Glaubensbekenntnis, worin das Bekenntnis zur Einheit der Kirche enthalten ist, ohne Abschwörung von Irrtümern in einfacher Form ablegen. Den Orientalen wird das Recht zuerkannt werden, ihre eigene Disziplin zu bewahren (§50). Ihre Weihen sind gültig und können weiter ausgeübt werden (§51).“

„Sprechen wir also mit unseren Brüdern diese evangelische Sprache, die sie verstehen und die sie anrührt. Sagen wir ihnen, daß der Primat des Petrus zuerst eine Diakonie ist, eine pastorale Aufgabe, ein Dienst, den der Führer der Apostel von Christus empfangen hatte, nicht um Macht auszuüben noch um zu herrschen, sondern um die Herde Christi zu weiden, denn schließlich ist doch die juridische Vollmacht des Petrus auf seine pastorale Aufgabe hingeordnet. … Dies ist das echte Bild des souveränen Hirten in der Kirche, das auf eigenartige Weise seine Anziehungskraft auf die getrennten Brüder ausübt, die nur durch die Liebe mit starker Hand zu der einzigen Herberge Christi hingeleitet werden, die da ist die katholische Kirche.“

„Dem heute überall den getrennten Gemeinschaften der Christen von Gott eingegebenen Wunsch zur Einheit aller gelte es sein wahres Ziel zu zeigen: die Kirche als die einzige Heilanstalt für alle.“

„Der nächste Abschnitt (§50) richtet einen Appell an jeden einzelnen Christen, der Einladung der Mutter Kirche zu folgen. Das Vorhandensein von Elementen der Kirche bei ihnen wird nur als Anruf gesehen, zur Einheit der katholischen Kirche hinzuzutreten. Das gilt besonders für die Heilige Schrift und die Sakramente, die der Kirche Christi gehören und Mittel zur Einheit sind. Die Christen werden dabei nicht nur als einzelne angesehen, sondern auch ,vereint in ihren Gemeinschaften‘.“

„Es muß jedoch, ,wer dem Willen Christi aus ganzem Herzen gehorchen und im Grade der Ökumenizität wachsen will, unter Führung des Geistes Christi mehr und mehr hinzutreten zu jener Kirche, die das eine Haus Gottes mit verschiedenen Wohnungen ist, in der Einheit des Glaubens, der Leitung und der Gemeinschaft unter dem Statthalter Christi‘, dem römischen Papst.“

„Alle Getauften bildeten jetzt schon eine Gemeinschaft in Christus. Auch die Katholiken sollen ihre Schuld an den Spaltungen bekennen und Gott bitten, daß er auf seine Weise sein geteiltes Volk zur vollkommenen Einheit zurückführe.“

„Die Notwendigkeit, zur wahren und einen Kirche zu gehören, sei im I. Kapitel über den katholischen Ökumenismus als Grundprinzip aufgestellt und in einer Weise dargelegt, die die Schwierigkeiten und Besorgnisse der getrennten Brüder überwinden solle.“

„Die Ökumenische Bewegung habe es nur mit der ,Vorbereitung‘ von Wegen zu tun, die schließlich zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen in der Herde Christi führen sollen.“

Es ist sehr interessant die Dokumente und die Erklärungen des gesamten Zweiten Vatikanischen Konzils in dem bereits vorher genannten Werk von Herder nachzulesen. Auf Seite 747 steht dann zum Schluß: „Rom, bei St. Peter, am 7. Dezember 1965. Ich Paulus Bischof der katholischen Kirche.“ Alles ist so perfekt zugeschnitten, daß den getrennten Kirchen Tür und Tor geöffnet und die Arme von der Mutterkirche her entgegengestreckt werden. Alle, die mit der trinitarischen Formel getauft wurden, werden von der Kirche als gültig getauft anerkannt. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall.

Die Stunde der Entscheidung ist da, der Augenblick nahe, von dem an es kein Zurück mehr gibt. Die letzte Warnung aus dem Himmel lautet: „… gehet aus ihr hinaus, ihr Mein Volk, damit ihr an ihren Sünden keinen Anteil habt und von ihren Plagen nicht mitbetroffen werdet“ (Offbg. 18, 4). Wer zu dem Zeitpunkt des völligen religiösen Zusammenschlusses in der großen „Einheitskirche“ ist, kann nicht zur Gemeinde Jesu Christi gehören. Das betrifft auch alle, die Mitglieder in Freikirchen und protestantischen Glaubensrichtungen sind, deren Denominationen über den Weltrat der Kirchen in den Schoß der römischen Kirche zurückkehren. Jede Denomination trägt automatisch das Malzeichen — das Erkennungszeichen der „Mutterkirche“. Wer die römisch-katholische Trinitätslehre anerkennt und in der unbiblischen Formel getauft wurde, gehört nach dem Verständnis der Kirche zu ihr, ohne einen Beitritt zu vollziehen.

Der moderne Einheitsgedanke stützt sich auf ein Mißverständnis: Im hohenpriesterlichen Gebet hat der Erlöser um die Einheit der Erlösten gebetet. ER meinte damit die Seinen, nicht eine Einheit von verschiedenen Glaubensrichtungen in der Kirche Roms unter dem Papst. So lauten die Worte Seines Gebetes: „… damit sie eins seien, wie wir eins sind: ICH in ihnen und Du in Mir, auf daß sie zu vollkommener Einheit gelangen, damit die Welt erkenne, daß Du Mich gesandt und sie geliebt hast, wie Du Mich geliebt hast“ (Joh. 17, 22-23). Nur wer wirklich wiedergeboren wurde, kann in diese göttliche Einheit einbezogen werden. Es geht einerseits um die biblische Einheit mit Christus und Seiner Gemeinde, andererseits um die unbiblische Einheit in der Kirche Roms. Jeder entscheide für sich selbst, wohin er gehören möchte.