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Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
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Kapitola 14
12. Kapitel: … von Gott ausgegangen
14 / 32
Christus wird auch als Anfang der Schöpfung Gottes bezeichnet (Offbg. 3, 14). Adam war ein geschaffener Sohn Gottes, Christus ein gezeugter Sohn. Adam war im Bilde Gottes als Geschöpf; Christus war das Bild Gottes aus dem Wesen Gottes. Adam hatte die gleiche Gestalt wie Gott der HErr (Elohim-Jahweh), doch er besaß nicht Sein Wesen, die Natur Gottes: Er war nicht aus Gott hervorgegangen. Gott aber wollte Söhne und Töchter, die aus Ihm hervorgehen, die Sein Wesen tragen, Seine Natur haben. Der eingeborene Sohn ist aus Gott hervorgegangen, und mit Ihm, dem Erstgeborenen, hat das göttliche Geschlecht begonnen.
Jahweh war Gott selbst; Er war der ICH BIN, der Ewigseiende, der Logos, der Wirkende, der dann Mensch wurde. Was fast alle Theologen unbeachtet ließen, ist eigentlich der Kern, nämlich daß wie Jahweh aus der Urfülle Gottes hervortrat, der Sohn, der Jahweh selber ist, aus dem Vater hervorgegangen ist:
„… Wenn Gott euer Vater wäre, dann würdet ihr Mich lieben; denn Ich bin von Gott ausgegangen .“
„… denn Er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr Mich geliebt und den Glauben gewonnen habt, daß Ich von Gott ausgegangen bin .“
„… denn die Worte, die Du Mir gegeben hast, habe Ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben in Wahrheit erkannt, daß Ich von Dir ausgegangen bin, und haben den Glauben gewonnen, daß Du es bist, der Mich gesandt hat.“
Als den Jüngern dieses Geheimnis geoffenbart wurde, sagten sie: „… jetzt wissen wir, daß Du alles weißt und niemand Dich erst zu befragen braucht; darum glauben wir, daß Du von Gott ausgegangen bist.“ (Joh. 8, 42; Joh. 16, 27; Joh. 17, 8; Joh. 16, 30).
Immer, ob im Alten oder Neuen Testament, handelt es sich um denselben HErrn: dort in der Geistleiblichkeit, hier in der Fleischleiblichkeit. Nicht ein Sohn Gottes, der neben Gott existierte, ist zum Sohn Gottes geworden. Das wäre ein Paradox. Jesus ist von Gott ausgegangen, ist der durch den Geist gezeugte Sohn und deshalb wesensgleich mit Gott. ER hatte Gottes Leben in sich, denn Er war Er selbst. Aus Gott konnte nur Gott hervorgehen und nach Seiner Art hervorbringen. Durch Ihn haben alle Söhne und Töchter Gottes Anteil an der göttlichen Natur empfangen (2. Petr. 1, 4).
In der Theologie wird hauptsächlich das Verhältnis vom Vater zum Sohn und vom Sohn zum heiligen Geist definiert, wobei jeder jedem gegenübergestellt wird. Welchen Sinn das haben soll, ist nicht begreiflich. Gesellt sich zur Theologie noch die Philosophie, wird ein magischer Kreislauf daraus, dem die sich darin Befindenden nicht mehr entkommen. Die biblische „Theologie“ besteht in der Verwirklichung des ewigen Heilsratschlusses Gottes mit der Menschheit durch Jesus Christus, unseren HErrn. Es geht doch nicht um die Klärung der zur Heilsbringung notwendigen Gottes-Offenbarungen in Beziehung zueinander — es geht um die Klärung des Verhältnisses Gottes mit uns: wie steht Er zu uns, und wie stehen wir Ihm gegenüber? Das ist der Kernpunkt. Gott hat Sein Verhältnis mit der Menschheit geklärt!
Die Lehre im sogenannten „Nicäischen Glaubensbekenntnis“ ist einfach unbiblisch. Dort steht: „… Gottes einigen Sohn, der vom Vater geboren ist vor der ganzen Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott geboren, nicht geschaffen …“ (F. Hauss, Väter der Christenheit, S. 40). Da soll nun der Vater den Sohn im Himmel geboren haben. Wie kann man sich das vorstellen? Wo wird ein solcher Gedanke auch nur andeutungsweise in der Heiligen Schrift bezeugt?
Der Vater hat durch den Geist den Sohn auf Erden gezeugt (Matth. 1) und so den Anfang eines neuen göttlichen Geschlechts bewirkt. Dem Geiste nach war der Sohn Gott, dem Fleische nach war Er Mensch, um so die Menschheit in den göttlichen Stand versetzen zu können. ER mußte Mensch sein, um sterben zu können; Er mußte Gott sein, um den Tod, die Hölle und den Teufel zu besiegen. „ER, der geoffenbart ist im Fleisch, als gerecht erwiesen im Geist, erschienen den Sendboten, verkündigt unter den Völkern, gläubig angenommen in der Welt, emporgehoben in die Herrlichkeit“ (1. Tim. 3, 16). Paulus befand es nicht für nötig, auch nur im geringsten eine Erklärung über dieses große Geheimnis abzugeben. Ihm genügte die Feststellung: „Und etwas unbestreitbar Großes ist das Geheimnis der Gottseligkeit.“
Die Zeugung des Sohnes hat nicht in der Ewigkeit stattgefunden und auch nicht während der Dauer des Alten Testaments, sondern wie es uns sehr klar und deutlich im Neuen Testament beschrieben wird. In der Verheißung ist deshalb der Begriff „heute“ verwendet worden. Alles, was im Alten Testament in der Prophetie enthalten ist, war damals noch zukünftig. Erst das Neue Testament enthällt die Erfüllung.
Es ist kein Zufall, daß der Begriff „Ratschluß Gottes“ im folgenden Vers verwendet wird: „Laßt mich kundtun den Ratschluß des HErrn! ER hat zu Mir gesagt: ,Mein Sohn bist Du; Ich selbst habe heute Dich gezeugt.‘ “ (Ps. 2, 7) In Hebr. 1, 5 heißt es: „Denn zu welchem von den Engeln hätte Gott jemals gesagt: ,Mein Sohn bist Du: Ich habe Dich heute gezeugt‘?“
Im Hebräer-Brief wird uns dieses angekündigte „Heute“ als ein Tag vor Augen geführt: „… so setzt Gott aufs Neue einen Tag fest, ein ,Heute‘…“ (Kap. 4, 7). Dieses „Heute“ ist der „Tag des Heils“. „… es steht ja geschrieben: ,Zur willkommenen Zeit habe Ich dich erhört und am Tage des Heils dir geholfen.‘ Seht, jetzt ist die hochwillkommene Zeit, seht, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2. Kor. 6, 2; Jes. 49, 8). Der Schreiber der Hebräer-Briefe gibt im Vergleich zu den alttestamentlich Gläubigen, die nicht glaubten, die Warnung: „Ermahnt euch vielmehr selbst an jedem Tage, solange das ,Heute‘ noch gilt, damit keiner von euch durch den Betrug der Sünde verhärtet werde“ (Hebr. 3, 13). Während der gesamten Gnadenzeit, die sich von dem Kommen, der „Epiphanie“ Christi, bis zu Seiner Wiederkunft, der „Parusie“ Christi, erstreckt, leben wir in dem „Tag des Heils“, in dem neutestamentlichen „Heute“.
In Römer 1, 3-4 lesen wir von dem Sohn: „Dieser ist nach dem Fleische aus Davids Samen hervorgegangen, aber als Sohn Gottes in Macht erwiesen nach dem Geist der Heiligkeit auf Grund Seiner Auferstehung aus den Toten.“ Die Auferstehung Christi ist der triumphale Beweis, daß Er dieser verheißene Sohn war und daß sich Psalm 2 so erfüllt hat. „Und wir bringen euch die das Heil verkündende Botschaft, daß Gott die Verheißung, die unsern Vätern einst zuteil geworden ist, für uns, die Nachkommen jener, durch die Auferweckung Jesu zur Erfüllung gebracht hat, wie ja auch im zweiten Psalm geschrieben steht: ,Du bist Mein Sohn, Ich habe Dich heute gezeugt.‘ “ (Apg. 13, 32-33).
Maria sagte zu dem Engel Gabriel, der ihr die göttliche Botschaft von dem verheißenen Messias überbrachte: „ ,Wie soll das möglich sein? Ich weiß doch von keinem Manne.‘ Da gab der Engel ihr zur Antwort: ,Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten dich überschatten; daher wird auch das Heilige, das geboren werden soll, Gottes Sohn genannt werden.‘ “ (Luk. 1, 34-35). Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift hat nicht Gott, sondern Maria den Sohn geboren.
Maria wird nicht zur Huldigung und Bewunderung in der Bibel vorgestellt — an ihrem Beispiel wird gezeigt, daß Menschen mit der göttlichen Schöpfung nichts zu tun haben. Der Menschensohn Jesus war durch und durch göttlicher Abstammung; Maria war nur die natürliche Trägerin einer göttlichen Substanz, deren Zeugung voll und ganz ein übernatürlicher Vorgang war.
Es gibt keine religiöse Handlung, die das Wirken Gottes ersetzen könnte. In Matth. 1, 20 steht: „… denn das von ihr zu erwartende Kind stammt vom heiligen Geist.“ Daß der heilige Geist nicht eine Person für sich, sondern der Geist Gottes ist, dürfte daraus hervorgehen, daß Jesus nie Sohn des heiligen Geistes (obwohl vom Geist gezeugt), sondern Sohn Gottes genannt wurde. In Vers 22 wird gesagt, daß es sich hier um die Erfüllung dessen handelt, was Gott durch den Propheten Jesaja angekündigt hatte: „Seht, die Jungfrau wird guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären, dem sie den Namen Immanuel geben wird“ (Jes. 7, 14).
Mit Bezug auf den Sohn heißt es: „Fordere von Mir, so gebe Ich Dir die Völker zum Erbe und Dir zum Besitz die Enden der Erde“ (Ps. 2, 8). Erst dadurch, daß der Vater sich im Sohn offenbarte und so unser Retter wurde, können wir gerettet werden. Deshalb ist der Glaube an den Sohn Gottes die absolute und einzige Voraussetzung, um selig zu werden. Nur da, wo Gott sich mit der Menschheit versöhnte, nämlich in Christus, hört der Zorn Gottes auf. Der Glaube an den Sohn ist zugleich und einzig und allein der Glaube an den Vater. „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater“ (1. Joh. 2, 23). Wer die Gottheit des Sohnes leugnet, hat Gott nicht zum Vater.
Auch der Psalmist spricht in einem Atemzug von Jahweh und dem Sohn. „Dienet dem HErrn (Jahweh) mit Furcht und jubelt Ihm zu mit Zittern! Küsset den Sohn, auf daß Er nicht zürne und ihr zugrunde geht auf eurem Wege! denn leicht entbrennt Sein Zorn. Wohl allen, die bei Ihm Zuflucht suchen!“ (Ps. 2, 11-12). Der Glaube an den Sohn Gottes ist heilsnotwendig, denn nicht als Vater, sondern im Sohn hat Gott uns das Heil gebracht. Deshalb steht geschrieben: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne ungehorsam bleibt, wird das Leben nicht zu sehen bekommen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm“ (Joh. 3, 36).
Gott belehrt uns nicht über sich selbst — Er offenbart sich uns auf mannigfaltige Weise. Die dogmatischen Formulierungen aus dem 4. Jahrhundert über den Sohn Gottes sind Phantasiegebilde. Für die einen war Er „ein gezeugter“ Gott, für die anderen „ein geschaffener“, für die dritten „ein aus Gott geborener“ Gott, und das alles soll schon vor aller Zeit, also in der Ewigkeit, geschehen sein. Was könnte uns ein gezeugter, ein geschaffener, ein geborener Gott nützen? Einen solchen Gott gibt es nicht. Die Zeugung bezieht sich auf den Sohn, so lautet das klare Zeugnis der Schrift, und dieser ist der eingeborene Sohn, der gänzlich von Gott stammt. ER ist nicht Gottes und Marias Sohn, Er ist allein Gottes eingeborener Sohn. Viele Theologen meinen im Hinblick auf moderne Genetik, daß eine Eizelle der Maria eine göttliche Befruchtung erhalten habe durch den heiligen Geist! — Aber dann wäre ja Sündhaftes aus den Chromosomen der Eizelle in die göttliche Genstruktur eingeflossen, und es hätte wieder eine Vermischung stattgefunden. Ausgeschlossen! Eingeboren bedeutet, daß alles, auch die Eizelle, von Gott stammt.
Der prophetische Charakter des Alten Testaments in Wort, Bild und in Gleichnisrede ist vorausschauende und vorausweisende Offenbarung, deren Verwirklichung noch ausstand. In dem Zeugnis des Alten Testaments ging es im Kern um das, was „als Offenbarung verkündigt werden sollte“ (Hebr. 3, 5). Die Propheten, durch die der Geist Gottes redete, schauten in die Zukunft; ihnen wurde geoffenbart, daß sie nicht sich, sondern uns dienten (1. Petr. 1, 12). Seitdem der Redende und Wirkende selbst Mensch geworden ist, haben wir es mit einer verwirklichten, zur Erfüllung gelangten, personenhaften Gottesoffenbarung in Christus zu tun. Propheten sagten voraus, was geschehen würde, Apostel bezeugten, daß es geschah. Der sich durch Wortoffenbarung Ankündigende erschien, und „in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol. 2, 9).
Wie aus göttlichen Offenbarungsworten menschliche Lehren entstehen und wie die so majestätische Gottesoffenbarung in Christo philosophisch-trinitarisch gedeutet werden konnte, ist unbegreiflich. Professor Emil Brunner schreibt dazu: „Ebenso ist aber auch der Begriff der drei Personen mehr als fragwürdig. Schon Augustin hat das gespürt. (Vgl. «De Trinitate», V, 9.) Diese Bedenken scheint auch K. Barth zu teilen («Kirchliche Dogmatik», I, I, S. 703). Man mag dem Denken kommandieren: «Du sollst diese drei Personen doch als eins denken» — es hilft nichts: es bleibt ein unsicheres Schwanken zwischen Tritheismus und Monotheismus. Nicht nur der Substanzbegriff, sondern auch dieser Personenbegriff war viel zu hölzern, um das Geheimnis der Einheit von Offenbarer und Offenbartem zu fassen. Das Nebeneinander der drei Personen aber ist die Folge davon, daß man das heilsgeschichtliche Denken nicht mehr verstand. Man beschäftigte sich mit dem transzendenten Hintergrund der Offenbarung an sich, man machte das innertrinitarische Leben zum Hauptgegenstand der Reflexion; das ist das tief Unbiblische der kirchlichen Trinitätslehre“ (E. Brunner, Dogmatik, Band I, S. 243-244).
Propheten und Apostel kannten keine Dreieinigkeit, deshalb steht die Formulierung „dreieiniger Gott“ kein einziges Mal in der Bibel. Wie sollen drei Personen, die sich einig sind, dann ein Gott sein? Das kann wirklich nur als eine der Bibel fremde und heidnische Lehre bezeichnet werden. Der eine, wahre, ewige Gott hat sich in dreifacher Weise kundgetan: im Himmel als Vater, auf Erden im Sohn und durch den heiligen Geist. Das ist das Zeugnis der Heiligen Schrift. Gott ist von Propheten und Aposteln, die Ihn erlebt, gehört, gesehen und gekannt haben, so verkündigt worden, wie Er sich offenbart hat. Theologen haben Gott auf den Kopf gestellt und aus Einem drei gemacht. Die überwältigende Mehrzahl von ihnen gibt zu, daß die Bibel die Trinitäts-Lehre nicht kennt, und trotzdem wird sie von ihnen vertreten. Wie ist das möglich?
Es bleibt für immer wahr, was der HErr sagte: „… und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn Ihn offenbaren will“ (Matth. 11, 27).
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