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Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
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Kapitola 26
24. Kapitel: Die Geistestaufe
26 / 32
Wer gläubig geworden ist, läßt sich durch Untertauchen im Wasser biblisch auf den Namen des HErrn Jesus Christus taufen. So bestätigt der Mensch seinerseits Gott gegenüber, den von Ihm gestifteten neuen Bund angenommen zu haben. Die Antwort, die Gott dem Gläubiggewordenen gibt, besteht darin, daß derselbe mit dem heiligen Geist getauft wird. Es handelt sich dabei um ein übernatürliches Erlebnis, das wahrhaft Gläubige seit jenem ersten Pfingsttage machen. Über dieses Thema könnten Bände geschrieben werden. In dieser Darlegung sollen jedoch nur im Telegrammstil die wichtigsten Bereiche des Wirkens des Geistes skizziert werden. Als erstes sind die Verheißungen zu betrachten, die schon im voraus mit Bezug auf den Empfang des heiligen Geistes gegeben wurden. Der Prophet Joel hat das Pfingstereignis in Kapitel 3 beschrieben.
Auf dieses Erlebnis hat kein Mensch Einfluß, es ist ein übernatürliches Ereignis, das dem Menschen von Gott geschenkt wird. Deshalb sagte Petrus: „… hier erfüllt sich die Verheißung des Propheten Joel: ,In den letzten Tagen wird es geschehen, spricht Gott, da werde Ich von Meinem Geist auf alles Fleisch ausgießen, so daß eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden und eure jungen Männer Gesichte schauen und eure Greise Offenbarungen in Träumen empfangen‘ …“ (Apg. 2, 16-17). Mit dem Begriff die „letzten Tage“ sind die letzten zweitausend Jahre gemeint, denn ein Tag bei Gott ist wie tausend Jahre (2. Petr. 3, 8).
Dieses Erlebnis ist übernatürlich und deshalb von Begleiterscheinungen umgeben, die außerhalb von menschlichen Fähigkeiten, Gaben und Talenten liegen. Durch die Ausgießung des heiligen Geistes werden einerseits die neun Geistesgaben, wie sie in 1. Kor. 12, 4-11 beschrieben werden, in der Gemeinde wirksam, und andererseits bewirkt derselbe heilige Geist die neunfache Frucht im Leben des einzelnen, wie sie in Gal. 5, 22-23 aufgelistet ist. Wo der Geist Gottes wirklich ist, da sind Geistesgaben und Geistesfrüchte, durch die das Leben und Wesen Jesu in den Gläubigen offenbar wird. Auf den Gebrauch der Geistesgaben können wir hier nicht näher eingehen; sie dienen jedoch genauso wie die fünf Dienste (1. Kor. 12, 28; Eph. 4, 11) zur Auferbauung der Gemeinde (1. Kor. 12 + 14).
Im Alten Testament hat Gott verheißen, Seinen Geist auf alles Fleisch auszugießen. Im Neuen Testament wird gesagt, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, es ist, der mit Geist und Feuer tauft (Matth. 3, 11). Lukas berichtet von der Ankündigung, die Johannes der Täufer mit den Worten gab: „Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, welcher stärker ist als ich und für den ich nicht gut genug bin, Ihm die Riemen Seiner Schuhe aufzubinden: der wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen“ (3, 16). Aus der Verbindung der Begriffe „mit Geist und Feuer taufen“ entstand das Wort „Geistestaufe“, weil es um ein „Hineintaufen“ geht. Wie Johannes im Wasser getauft hat, so sollten die Gläubigen in die Geistesfülle hineingetauft werden.
Das gesamte Heilsgeschehen ist zentral auf Christus bezogen; Er ist der Mittelpunkt der Heilsgeschichte. In Ihm hat Gott den neuen Anfang gemacht als dem Erstgeborenen, über den der Geist kam, um dann durch Ihn denselben Geist auf alle Erstgeborenen auszugießen: „Es begab sich aber, als das gesamte Volk sich taufen ließ und auch Jesus getauft worden war und betete, daß der Himmel sich auftat und der heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf Ihn herabschwebte …“ (Luk. 3, 21+22). Jesus, der Menschensohn, betete. Der Himmel tut sich auf, und der heilige Geist wird sichtbar, wie Er in 1. Mose 1 sichtbar über der Urtiefe schwebte, jetzt in Gestalt einer Taube. Der Geist Gottes hat keine Gestalt, kann sich aber in einer Gestalt offenbaren.
In dem Symbol der Taube wird etwas veranschaulicht, wie auch in dem Symbol des Lammes. Der Sohn Gottes hat nicht die Gestalt des Lammes, Er wandelt aufrecht wie wir Menschen. Durch dieses Symbol wurde der göttliche Sinn im Hinblick auf die Erlösung veranschaulicht: das Lamm als Opfertier mit dem sanftmütigsten Wesen unter den Tieren, die Taube, die schon Noah aus der Arche herausließ, als der Vogel des Himmels, der keine Galle hat und rein ist. Deshalb ist hier der Geist Gottes in einer Taube versinnbildlicht, der auf das Lamm Gottes herabkam. Gott kann sich in verschiedener Weise offenbaren und bleibt dabei doch immer derselbe.
Gott ist kein alter Mann mit einem langen Bart. Auch wenn Daniel Ihn als einen ehrwürdigen Greis sah, der zum Gericht Platz nahm (Dan. 7, 9-14). Weil Er nicht den zeitlichen Verhältnissen unterworfen ist, kann Er auch nicht älter werden. Wenn es aber darum geht, daß Er sich als Richter zeigt, daß Er Seine Autorität und Würde kundtut, dann offenbart Er sich, wie Daniel es gesehen hat. Parallel dazu kann man in Offbg. 1 nachlesen und wird vielleicht mit großem Erstaunen feststellen, daß der Menschensohn, der im Propheten Daniel zu dem ehrwürdigen Greise kam, um dann die Macht über alle Völker und Sprachen zu empfangen (Dan. 7), in der Offenbarung als dieser Greis beschrieben wird: „… Sein Haupt aber und Seine Barthaare waren so weiß wie schneeweiße Wolle und Seine Augen wie eine Feuerflamme“ (Offbg. 1, 14).
Es ist überwältigend, in welcher Vielfalt Gott sich offenbart. Der Geist Gottes kam als Salbung und Inspiration über die Propheten des Alten Testaments. Von Johannes dem Täufer wird berichtet, daß er seit seiner Geburt mit heiligem Geist erfüllt war (Luk. 1, 15). Von Simeon heißt es, daß heiliger Geist auf ihm war (Luk. 2, 25-26). Von Zacharias steht geschrieben, daß er mit heiligem Geist erfüllt wurde (Luk. 1, 67). Schon vor Ausgießung des heiligen Geistes gab der HErr Jesus den Aposteln, die Er erwählt hatte, Seine Aufträge durch den heiligen Geist (Apg. 1, 2).
Der heilige Geist wirkt in mannigfaltiger Weise. ER redete, Er offenbarte, Er kündigte an usw. Der vom Geiste gezeugte Sohn Gottes, der zugleich Menschensohn war, hat hier auf Erden zu Beginn Seines Wirkens den heiligen Geist empfangen, um dann allen aus Gott Geborenen, die Er erlösen würde, denselben heiligen Geist, der auch als Geist der Sohnschaft bezeichnet wird, geben zu können (Röm. 8, 15). Dort fand die Einsetzung des Sohnes Gottes in Seinen Dienst statt und hier die Einsetzung der Söhne und Töchter Gottes.
Die Propheten waren gesalbt, erleuchtet, inspiriert; aber sie waren wie jeder andere Mensch durch natürliche Zeugung in diese Welt hineingeboren worden. Das neue göttliche Geschlecht, das mit Jesus Christus seinen Anfang genommen hat, ist himmlischen Ursprungs (1. Kor. 15, 47). Wir sind auf Erden nur Gäste und Fremdlinge, unsere Heimat ist „dort in der Höh’“. An vielen Stellen haben die Propheten von dem Kommen des heiligen Geistes geweissagt, und der HErr Jesus hat das Kommen des Trösters, des Beistandes, in Aussicht gestellt: „Wenn aber der Helfer — Beistand kommt, den Ich euch vom Vater her senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht …“ (Joh. 15, 26).
Im Nicänischen Glaubensbekenntnis steht: „Der vom Vater und dem Sohn ausgeht …“ (F. Hauss, Väter der Christenheit, S. 40). Das Wort Gottes aber bezeugt ganz klar: Wie der Sohn als sichtbare Offenbarung Gottes, als Immanuel, von Gott ausgegangen ist, so geht der heilige Geist von Gott aus. Daher ist in beiden Fällen derselbe Bezugspunkt: nämlich Gott als der Endgültige, als der Ursprung. Die Gebetsformel: „Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste“ ist eine unbiblische Erfindung.
Es gibt keine Stelle, in welcher der Geist Gottes angebetet worden wäre. Auch hat der Sohn keine Ehre angenommen, sondern gesagt: „Ehre von Menschen nehme Ich nicht an“ (Joh. 5, 41). Auf die Anrede eines Obersten: „Guter Meister, was muß ich tun, um ewiges Leben zu ererben?“, gab Jesus als Menschensohn die Antwort: „Was nennst du Mich gut? Niemand ist gut als Gott allein“ (Luk. 18, 18-19). Im letzten Vers des letzten Kapitels des Römerbriefes bringt Paulus die rechte Art der Anbetung in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Ihm, dem allein weisen Gott, sei durch Jesus Christus die Herrlichkeit in alle Ewigkeit! Amen.“
Wenn der Geist Gottes an einem Menschen zu wirken beginnt, geschehen hauptsächlich drei Dinge. Sie werden uns in Joh. 16, 7-11 aufgelistet: „Aber Ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß Ich weggehe. Denn wenn Ich nicht weggehe, so wird der Helfer — Beistand nicht zu euch kommen; wenn Ich aber hingegangen bin, werde Ich Ihn zu euch senden. Und wenn Er gekommen ist, wird Er der Welt die Augen öffnen über Sünde und über Gerechtigkeit und über Gericht.“
Auch diese drei Begriffe wurden nicht menschlicher Willkür überlassen! Wenn also der Geist kommt, wird Er dem Sünder die Augen öffnen „über Sünde, daß sie nicht an Mich glauben; über Gerechtigkeit, daß Ich zum Vater hingehe und ihr Mich fortan nicht mehr seht; über Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist“. Es war der Unglaube der ersten Menschen, der durch Ungehorsam zur Übertretung führte. Es ist die Sünde des Unglaubens — nicht die vielen Sünden, die eine Folge des Unglaubens sind, sondern die eine Sünde des Unglaubens, die von Gott und ewigem Leben fernhält. Zwei Schriftstellen sollen dies deutlich machen. Der HErr sprach: „Darum habe Ich euch gesagt, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, daß Ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben“ (Joh. 8, 24). Und: „Wahrlich, wahrlich Ich sage euch: Wer Mein Wort hört und dem glaubt, der Mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tode ins Leben hinübergegangen“ (Joh. 5, 24).
Kommt der Geist Gottes über einen Menschen, beginnt Er bei dem Urübel: dem Unglauben an Gott und Gottes Wort. Der Apostel Johannes schreibt: „Wer Gott nicht glaubt, hat Ihn zum Lügner gemacht“ (1. Joh. 5, 10). In dem Augenblick, wo ein Mensch Gott nicht glaubt und das, was Er in Jesus Christus getan hat, nicht annimmt, macht er Ihn zum Lügner und vertauscht die Rollen: Er stellt sich auf die Seite des Widersachers, gibt ihm recht und stellt ihn somit als Wahrheit hin, setzt Gott dadurch ins Unrecht und stellt Ihn als Lügner hin. Das kann Gott nicht hinnehmen.
Deshalb überzeugt der heilige Geist den Sünder als erstes von der Sünde des Unglaubens, führt ihn zur Buße und damit zum zweiten Schritt, zu der Gerechtigkeit bzw. zur Rechtfertigung. Drittens gelangt er zur Erkenntnis über das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Gott hat das Urteil über Satan selbst gesprochen. Gemäß Joh. 12 war bei dem Vorgang die Stimme Gottes wie ein mächtiger Donner zu hören: „Da sagte die Volksmenge, die dabei stand und zuhörte, es habe gedonnert; andere sagten: ,Ein Engel hat mit Ihm geredet.‘ Da nahm Jesus das Wort und sagte: ,Nicht um Meinetwillen ist diese Stimme erschollen, sondern um euretwillen. Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen werden“ (Vs. 29-31). Satan, der Urheber aller Sünde, ist gerichtet; der Schlange ist der Kopf zertreten worden.
Am Pfingsttage wurden die Gläubigen, die vorher durch das Wort der Wahrheit gereinigt und geheiligt worden waren, mit heiligem Geist erfüllt. Jeder kann selbst nachlesen, was dabei geschah. Es war der Höhepunkt des göttlichen Heilsgeschehens, das über Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt zur Ausgießung des Geistes führte. Damit dieses Erlebnis auch wirklich alle wahrnehmen konnten, kam „plötzlich ein Brausen vom Himmel her, wie wenn ein gewaltiger Wind daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in welchem sie weilten.“ Doch nicht dieses Hör- und Wahrnehmbare, sondern das, was sich später immer neu wiederholte, ist das Wichtigste: Zungen wie von Feuer ließen sich auf jeden von ihnen nieder. Es wird kein einziges Mal mehr berichtet, daß noch ein weiteres Brausen und ein gewaltiger Sturm gekommen wäre, doch jedesmal, wenn Gläubiggewordene mit Geist und Feuer getauft wurden, gab es ähnliche Auswirkungen wie zu Pfingsten: „… und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und begannen in anderen Zungen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab auszusprechen“ (Apg. 2, 2 + 4).
Zu Pfingsten geschah ein zweifaches übernatürliches Wunder. Das eine bestand darin, daß die Gläubigen durch den Geist in anderen Sprachen redeten, und das zweite, daß ein jeder aus der herbeigeeilten, vielsprachigen Menge jeden in seiner eigenen Sprache reden hörte: „Da wurden sie alle betroffen und fragten voll Verwunderung: ,Sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie kommt es denn, daß wir ein jeder sie in unserer eigenen Sprache reden hören, in der wir geboren sind.‘ “ (Apg. 2, 7 + 8). Am Pfingsttage war die Gabe der Auslegung noch nicht nötig, der Geist Gottes übertrug es direkt von dem Redenden zu dem Hörenden. Die Gabe der Auslegung wird erst später unter den neun Geistesgaben erwähnt. Im Normalfall wurde es so gehandhabt, daß zwei, höchstens drei nacheinander in einer durch den Geist eingegebenen Sprache redeten, und ein anderer die Auslegung gab (1. Kor. 14, 27-28).
Durch den Propheten Jesaja hatte der HErr dies bereits angekündigt: „Jawohl, durch Menschen mit stammelnden Lippen und mit fremder Zunge wird Er zu diesem Volke reden, Er, der zu ihnen gesagt hat: ,Dies ist die Ruhestätte; schaffet Ruhe den Müden, und dies ist der Rastort!‘ doch sie haben nicht hören wollen“ (Jes. 28, 11-12). Selbst dann, wenn der heilige Geist direkt auf übernatürliche Weise durch Menschen zu Menschen spricht, wird es oft nicht angenommen. Am Pfingsttage waren zwei Gruppen unter der Volksmenge: „So waren sie alle betroffen und ratlos und sagten einer zum anderen: ,Was hat das zu bedeuten?‘ Andere aber spotteten und sagten: ,Sie sind voll süßen Weins!‘ “ (Apg. 2, 12).
Petrus ließ sich dadurch nicht entmutigen. Er führte aus, was ihm aufgetragen war, und legte entsprechend dem Heilsplan Gottes dar, was dort geschah. In seiner Ansprache kommt er zu dem Höhepunkt dieses Erlebnisses, indem er bezeugt: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt: dafür sind wir alle Zeugen! Nachdem Er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und den verheißenen heiligen Geist empfangen hat vom Vater, hat Er jetzt diesen, wie ihr selbst seht und hört, hier ausgegossen“ (Apg. 2, 32-33). Derselbe Geist Gottes, der auf den Sohn Gottes gekommen war, kam jetzt am Pfingsttage auf die ersten erlösten Söhne und Töchter Gottes, und seitdem auf alle Söhne und Töchter Gottes, bis die Brautgemeinde ihre Vollendung findet und die Gnadenzeit zum Abschluß gekommen ist. So hat Gott es in Seinem Heilsplan vorgesehen.
Von den unzähligen Verheißungen der Schrift wird nur eine als „Verheißung des Vaters“ bezeichnet. Am Ende der vierzig Tage, in denen der auferstandene HErr Seinen Aposteln die Belehrung über das Reich Gottes erteilt hatte, gab Er ihnen ein Gebot, nicht nur einen guten Rat: „Als Er so mit ihnen zusammen war, gebot Er ihnen, sich von Jerusalem nicht zu entfernen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, ,die ihr‘ — so lauteten Seine Worte — ,von Mir vernommen habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit heiligem Geist getauft werden, und zwar nicht lange nach diesen Tagen.‘ “ Selbst die Apostel hatten noch nicht ganz verstanden, daß es jetzt nicht mehr allein um Israel, sondern um alle Sprachen, Völker und Nationen geht, aus denen der HErr die Menschen herausrufen würde, denn: „Da fragten Ihn die dort Versammelten: ,HErr, stellst Du in dieser Zeit das Königtum Israel wieder her?‘ ER antwortete ihnen: ,Euch kommt es nicht zu, Zeiten und Fristen zu wissen, die der Vater vermöge Seiner eigenen Machtvollkommenheit festgesetzt hat.‘ “ Nach diesen Worten sprach der auferstandene HErr als Ergänzung zu Seinem Missionsbefehl: „Ihr werdet jedoch Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommt, und ihr werdet Zeugen für Mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde“ (Apg. 1, 1-8).
Der Empfang des heiligen Geistes ist zugleich die Ausrüstung zu einem bevollmächtigten Dienst, der durch die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus bis in alle Welt stattfindet. Wirkliche Zeugen Jesu Christi haben Ihn als den Auferstandenen erlebt und sind mit der Kraft des heiligen Geistes erfüllt worden. Zur Apostelzeit und danach haben Gläubiggewordene das Erlebnis der Geistestaufe gemacht. Es gehörte zum Gläubigwerden. Als Paulus zum erstenmal eine Gruppe von Jüngern in Ephesus besuchte, fragte er sie direkt: „Habt ihr den heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden waret?“ (Apg. 19, 2).
Die Fundamentalisten lehren, daß man den heiligen Geist automatisch beim Gläubigwerden an Jesus Christus empfängt, ohne ein entsprechendes Erlebnis zu benötigen. Paulus fragt hier jedoch sehr deutlich, ob diese Jünger den heiligen Geist empfangen hatten, nachdem sie gläubig geworden waren. „Sie antworteten ihm: ,Nein, wir haben überhaupt noch nichts davon gehört, ob der heilige Geist da ist.‘ Darauf fragte er sie: ,Worauf seid ihr denn getauft worden?‘ Sie antworteten: ,Auf die Taufe des Johannes.‘ Da sagte Paulus: ,Johannes hat eine Bußtaufe vollzogen und dabei dem Volke geboten, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen würde, nämlich an Jesus.‘ Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen des HErrn Jesus taufen; und als Paulus ihnen dann die Hände auflegte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten mit Zungen und sprachen prophetisch“ (Apg. 19, 1-6). Also wurden die Gläubigen im Wasser und mit dem heiligen Geist getauft bzw. erfüllt.
Philippus erlebte eine mächtige Erweckung in Samarien. Dann kamen die Apostel Petrus und Johannes dorthin. „Diese beteten nach ihrer Ankunft für sie, daß sie den heiligen Geist empfangen möchten; denn dieser war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren lediglich auf den Namen des HErrn Jesus getauft worden. Infolgedessen legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist“ (Apg. 8, 15). Evangelisten des 20. Jahrhunderts halten oftmals große Feldzüge, begeistern die Massen, kassieren das große Geld und sind wieder weg. Von Taufe predigen sie nicht, und als Geisteswirken bezeichnen sie ein emotionelles Erlebnis, das sie selbst durch eine gewisse Atmosphäre hervorrufen.
An Kornelius und Petrus wirkte Gott zur gleichen Zeit auf übernatürliche Weise und brachte den Apostel so in das Haus jenes gottesfürchtigen Hauptmanns. Als Petrus gerade auf dem Höhepunkt seiner Predigt angekommen war, fiel der heilige Geist auf alle, die seine Ansprache hörten. „Da gerieten die Gläubigen jüdischer Herkunft, die mit Petrus gekommen waren, in das höchste Erstaunen darüber, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen war; denn sie hörten sie mit Zungen reden und Gott preisen. Da sprach Petrus: ,Kann wohl jemand diesen Leuten, die den heiligen Geist ebenso wie wir empfangen haben, das Wasser versagen, daß diese nicht getauft würden?‘ “ (Apg. 10, 45). Das beweist, daß Geistes- und Wassertaufe bei den Gläubigwerdenden zusammengehören. Die Reihenfolge kann jedoch unterschiedlich sein.
Es lohnt sich hervorzuheben, was Petrus in bezug auf dieses Ereignis vor der Gemeindeversammlung zu Jerusalem ausdrücklich betont: „Während ich dann zu reden begann, fiel der heilige Geist auf sie ebenso wie auch auf uns im Anfang“ (Apg. 11, 15). Bei allem, was das Glaubensleben betrifft, müssen wir zum Anfang zurückgehen. Heute sind alle Begriffe verschwommen, verwischt und anders gedeutet worden. Man verwendet gleiche Formulierungen und sagt trotzdem etwas ganz anderes aus.
Es gibt besondere Merkmale, die das Wirken des heiligen Geistes beschreiben. ER ist ein Tröster, Er ist ein Lehrer, Er führt in alle Wahrheit ein. Der HErr sagte: „Noch vieles hätte Ich euch zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener gekommen ist, der Geist der Wahrheit, der wird euch in die ganze Wahrheit einführen; denn Er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was Er hört, das wird Er reden und euch das Zukünftige verkündigen. ER wird Mich verherrlichen, denn von Meinem Eigentum wird Er es nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist Mein; deshalb habe Ich gesagt, daß Er es von Meinem Eigentum nimmt und es euch verkündigen wird“ (Joh. 16, 12-15).
Alles, was Gott gehörte, ist durch Christus erkauft und bezahlt worden und gehört Ihm. Und alles, was Ihm gehört, empfängt Seinen Geist. Deshalb steht geschrieben: „… wenn aber jemand den Geist Christi nicht hat, so gehört ein solcher Ihm auch nicht an“ (Röm. 8, 9). Der Geist der Wahrheit lehrt uns alles, was im Worte Gottes geschrieben steht, offenbart die Zusammenhänge und schenkt Einblick in den direkten Willen und Heilsplan Gottes. Wahre Gotteskinder werden der unmittelbaren Leitung des Geistes unterstellt. „Denn alle, die vom Geiste Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes“ (Röm. 8, 14). Der Geist Gottes leitet immer entsprechend dem Worte Gottes.
Auch im Hinblick auf die erste Auferstehung und Verwandlung der sterblichen Leiber ist die Kraft des heiligen Geistes notwendig. Ohne sie gibt es keine Verwandlung. „Und wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird Er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch Seinen in euch wohnenden Geist“ (Röm. 8, 11). Im Volksmund sagt man: „Wenn das Wörtchen ,Wenn‘ nicht wär’…“. Hier wird uns die Bedeutung dieses Wortes deutlich: Wenn der Geist in uns wohnt, wird geschehen, wie geschrieben steht. Wenn Er aber nicht in uns wohnt, dann können die sterblichen Leiber nicht verwandelt und lebendig gemacht werden. Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken im gleichen Kapitel weiter aus: „Denn das sehnsüchtige Harren des Geschaffenen wartet auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes … daß auch sie selbst, die Schöpfung, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden wird zur Freiheit, welche die Kinder Gottes im Stande der Verherrlichung besitzen werden … Aber nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir doch den Geist als Erstlingsgabe bereits besitzen, seufzen gleichfalls in unserm Inneren beim Warten auf das Offenbarwerden der Sohnschaft, nämlich auf die Erlösung unsers Leibes“ (Röm. 8, 19-23).
Für die Erstlingsschar ist der Geist Gottes die Erstlingsgabe, das Siegel, die Gewißheit, daß nicht nur die Seele erlöst ist, sondern daß die sterblichen Leiber bei der Wiederkunft Jesu Christi verwandelt werden. Als Siegel bzw. Versiegelung wird der Geist Gottes, der auch als Salbung bezeichnet wird, ebenfalls beschrieben. „Der uns aber samt euch auf Christus fest gründet und uns gesalbt hat, das ist Gott, Er, der uns auch Sein Siegel aufgedrückt und uns den Geist als Unterpfand in unsere Herzen gegeben hat“ (2. Kor. 1, 21-22). Jesus ist der „Christus“, ist der „Gesalbte Gottes“ (Apg. 3, 19-21; Apg. 10, 38). Das Wort „Christ“ in sich selbst bedeutet „Gesalbter“. Deshalb können alle, die den heiligen Geist empfangen haben, als „Christen“ bezeichnet werden. Wer nicht auf biblische Weise mit dem heiligen Geist gesalbt worden ist und das göttliche Siegel empfangen hat, dürfte sich deshalb nach dem Zeugnis der Schrift nicht „Christ“ nennen.
Da es in allen Bereichen zwei Samen und verschiedene Nachahmungen des Originals gibt, hat der HErr nicht von falschen „Jesussen“, sondern von „falschen Christussen“, von „falschen Gesalbten“ und „falschen Propheten“ gesprochen, die in der Endzeit auftreten werden. Damit bezieht Er sich auf die antichristliche Entwicklung — einerseits gesalbt, andererseits gegen Christus, gegen Sein Wort. „Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder verrichten, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen“ (Matth. 24, 24). Gott gießt Seinen Geist wie einen Regen auf alles Fleisch aus. Es kommt also nicht nur auf den Regen an, sondern auf den Samen, der im Herzensboden des Menschen ist. „Denn Er läßt Seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und läßt regnen auf Gerechte und Ungerechte“ (Matth. 5, 45). Es gibt Gesalbte der Endzeit, die sich nicht in Übereinstimmung mit dem Worte Gottes bringen lassen, wie es schon vor Abschluß der ersten Epoche Gesalbte gab, die falsch waren. „Sie sind aus unserer Mitte hervorgegangen, haben aber nicht zu uns gehört; denn wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben; so aber sollte offenbar werden, daß sie nicht alle von uns sind“ (1. Joh. 2, 19).
In Matth. 7, 21-23 schildert der HErr diese Gruppe, die kraft Seines Namens Großes tut, sich aber nicht in den Heilsplan Gottes einordnen läßt, Ihn nicht erkennt und deshalb auch von Ihm nicht erkannt wird. Sind mit diesen Worten vielleicht die heutigen Fernsehprediger, die charismatischen Bewegungen, die wundertätigen Evangelisten gemeint, die alle in ihre eigenen Richtungen gehen, ohne sich dem Worte Gottes zu stellen und Christus als dem Haupt zu unterordnen, wohl aber Seinen Namen, wo immer es ihnen beliebt, verwenden?
„Denn wenn ein Acker den oftmals auf ihn fallenden Regen in sich eingesogen hat und denen, für die er bestellt wird, nützlichen Ertrag hervorbringt, so macht er sich den von Gott kommenden Segen zu eigen; bringt er dagegen Dornen und Disteln hervor, so ist er unbrauchbar und geht dem Fluch entgegen, dessen Ende zum Feuerbrand führt“ (Hebr. 6, 7+8). Die Berufung auf ein Pfingsterlebnis als solches genügt noch lange nicht. Es muß, wenn es sich um echten Samen handelt, die gleiche Geistesfrucht hervorkommen wie bei den wahrhaft Gläubigen am Anfang. Jesus, unser HErr, sagte deshalb nicht: „An ihren Gaben werdet ihr sie erkennen“, sondern: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“ Gaben findet man in beiden Gruppen; die wahre Frucht des Geistes wird nur in dem echten, göttlichen Samen, der versiegelt wird, zu finden sein. Eine Salbung haben viele; die Versiegelung nur die Erstgeborenen, die sich durch den Geist in Übereinstimmung mit dem Worte Gottes bringen lassen.
Im Epheser-Brief richtet Paulus das Wort an die wahrhaft Gläubigen: „In Ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, die Heilsbotschaft von eurer Rettung, vernommen habt und zum Glauben gekommen seid, mit dem verheißenen heiligen Geist versiegelt worden, der das Angeld für unser Erbe ist für die Erlösung Seiner Eigentumsgemeinde, zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit“ (Eph. 1, 13-14). Hierbei geht es wirklich um keine religiöse Handlung, die ein Amtsträger vollzieht, sondern um ein übernatürliches, direkt von Gott kommendes Erlebnis. Der Apostel mahnt: „Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr auf den Tag der Erlösung versiegelt seid“ (Eph. 4, 30).
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