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Das Traditionelle Christentum
Ewald Frank
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Kapitola 5
3. Kapitel: Tragische Weichenstellung — Beginn der Unheilsgeschichte
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Solange das Evangelium auf jüdischem Boden und hauptsächlich unter jüdischen Gemeinden blieb, gab es keine Diskussionen über die Gottheit. Nun kam römisches, griechisches, heidnisches Denken über Götter und Göttinnen in die christologischen Auseinandersetzungen hinein. Die geistlich-prophetische Schau, daß im Alten Testament vorschattiert wurde, was im Neuen als Wirklichkeit in Erscheinung tritt, ging immer mehr verloren, obwohl Tertullian noch mit Nachdruck darauf hinwies, „daß Altes und Neues Testament übereinstimmen. Die Weissagung bildet das Band zwischen Altem und Neuem Testament“ (F. Hauss, Väter der Christenheit, S. 30). Das Christentum wurde lehrmäßig immer mehr aus der jüdischen Grundlage gehoben und auf heidnischen Boden gestellt. Das geschah im Gegensatz zu den Aposteln und der direkten nachapostolischen Zeit. Das Alte Testament verwendete man nun, in Verbindung mit Passagen aus dem Neuen Testament, gegen die Juden. Schon im 2. Jahrhundert wurden von geistlich blinden Führern und auch von den römischen Kaisern die Weichen für den Antijudaismus gestellt. (Der Begriff „Antisemitismus“ allein auf die Juden bezogen, ist nicht korrekt. Auch alle arabischen Völker sind Semiten. — Anm. des Verfassers)
Der römische Kaiser Konstantin, ein großer Stratege, machte sich das verweltlichte Christentum zunutze, verdarb es sich aber auch nicht mit dem Heidentum. Er förderte zunächst sowohl den Bau heidnischer Tempel als auch die Errichtung von Kirchen. Bereits im Jahre 315 erklärte Konstantin die Bekehrung zum Judentum als Kapitalverbrechen. Der bekehrende Jude und der zum Judentum bekehrte Christ sollten durch den Tod büßen. 321 wurde die Sonntagsfeier gesetzlich angeordnet. Damit nicht genug: Die Juden wurden unter Androhung von Strafen gezwungen, den Sabbat zu verleugnen und den Sonntag zu „heiligen“. Konstantin proklamierte, was die Bischöfe, die zu der Zeit schon angesehene Persönlichkeiten waren, ihm nahelegten.
Auf dem Konzil zu Nicäa (325 n. Chr.) waren Arius und Athanasius die beiden Hauptredner. Ihre Ausführungen sind in der Kirchengeschichte umfassend überliefert. Offenbar hatte Arius keine Erkenntnis über Christus. Athanasius dagegen bezeugte freimütig, „daß in Jesus Gott selbst uns erschienen ist, Gott selbst sich uns kund getan und uns erlöst hat, wir in Ihm den Vater selbst haben … daß in Jesus der Vater selbst uns erlöst“ (K. D. Schmidt, Grundriß der Kirchengeschichte, S. 98).
Von diesem Zeitpunkt an begann die Konstituierung der römischen Kirche. Zur Zeit des nicäischen Konzils gab es weder einen Papst noch einen Kardinal. Auch trat dort kein römischer Bischof auf, der den Vorrang beansprucht hätte. In dieser Hinsicht ist die Kirchengeschichte teilweise vordatiert, manipuliert oder direkt gefälscht worden. Es war Kaiser Konstantin, der das Konzil einberief und die Schirmherrschaft darüber ausübte. Sein Ziel war es, die verschiedenen Richtungen zu einer Kirche zu vereinen und in den Dienst des Staates zu stellen. Die Vereinigung von Staat und Kirche fand statt, und so entstand die „Staatskirche“.
Im Jahre 380 machten Theodosius der Große und Gratian der allgemeinen Religionsfreiheit ein Ende. „Auf dem II. Ökumenischen Konzil (381) sanktionieren die Bischöfe das von Kaiser Theodosius I. im Februar 380 erlassene Edikt, in dem er alle römischen Untertanen zur Annahme des christlichen Trinitätsglaubens auffordert, wie er auf dem Konzil von Nizäa 325 formuliert wurde. … Der Trinitätsglaube, der die Dreieinigkeit von Gottvater, Sohn und Heiligem Geist zum Inhalt hat, ist damit zum für alle Christen gültigen Glaubensbekenntnis und zur staatlich geförderten Religion erhoben worden.“ (B. Harenberg, Chronik der Menschheit, S. 212). „Gregor von Nyssa war eine der zentralen Gestalten auf dem II. Ökumenischen Konzil in Konstantinopel, verteidigte das nizänische Glaubensbekenntnis und formte die Trinitätslehre entscheidend mit“ (B. Harenberg, Chronik der Menschheit, S. 214). „… jeder Bürger war fortan verpflichtet, orthodoxer Christ zu sein; Heidentum und Häresie waren zum Staatsverbrechen geworden“ (K. D. Schmidt, Grundriß der Kirchengeschichte, S. 83). Alle, die aus Gewissensgründen diesem Diktat nicht folgten und dieser „Staatsreligion“ nicht beitraten, wurden als Häretiker gebrandmarkt. Von nun an setzte die Verfolgung von Seiten der christlichen „Reichskirche“ auch gegen die biblische Gemeinde ein.
Unter Leo dem Großen (440-461) erlebte die universelle Kirche einen enormen Aufschwung. Er wird von den meisten Kirchenhistorikern als der erste Papst bezeichnet. Herder führt in der Papstliste, die 264 Päpste bis einschließlich Paul VI. beinhaltet, Leo I. als den 45. Papst auf. Hinter die ersten fünfzehn, die nach seiner Auflistung mit Petrus beginnen, hat er Fragezeichen gesetzt. Die überwältigende Mehrheit der protestantischen Historiker setzt hinter die ersten 44 ein Fragezeichen. Man ist sich darin einig, daß die Papstgeschichte überhaupt erst mit Leo I. begann. Er selbst mußte sich auf dem Konzil zu Chalcedon (451 n. Chr.) noch damit zufrieden geben, mit dem Bischof von Konstantinopel gleichgestellt zu werden. Von einem Primat ist auch hier noch nichts zu sehen, doch es bahnte sich bereits an.
Vollendet wurde die Institution „Staatskirche“ unter Kaiser Justinian (527–565), indem er die Priester als „Staatsbeamte“ einstufte. Es ist offensichtlich, daß nicht Christus der Gründer dieser universellen „Reichskirche“ war, sondern politische und religiöse Herrscher, die an der Machtzusammenballung im gesamten Römischen Reich interessiert waren. Vom vierten und fünften Jahrhundert an haben wir es kirchengeschichtlich gesehen nicht nur mit der Heilsgeschichte der Gemeinde Jesu Christi und den verschiedenen abweichenden Richtungen zu tun, die sich bis zu dem Zeitpunkt entwickelt hatten und in der einen großen Kirche mündeten, sondern vor allem mit der grausamsten Unheilsgeschichte einer „heidnisch-christlichen“ Weltinstitution.
Die Bischöfe wurden zu Würdenträgern, ausgestattet mit religiöser und politischer Macht. Sie trugen allesamt zunächst den gleichen Titel, weil sie sich als geistliche Väter betrachten ließen. Da Rom als Hauptstadt des Abendlandes galt, drängten sich die römischen Bischöfe systematisch vor und beanspruchten nach und nach die verschiedensten Ehrentitel. Begonnen hat es mit dem „Pontifex Maximus“. Diesen Titel trugen vorher die heidnischen Oberpriester und Kaiser im Römischen Reich, sogar Konstantin. Was aber diese Fehlentwicklung der Papstkirche verbunden mit Ansehen und Machtpositionen begleitete, ist in vielfacher Weise unbegreiflich. „Seit Bonifatius VIII. (1294-1303) ist der Glaube an den Papst sogar heilsnotwendig, denn ihm sind alle Bewohner der Erde unterworfen. So sagte auch Gregor VII. (1073-1085) in seinem ,Dictatus papae‘: ,Allein der römische Pontifex wird mit Recht universal genannt‘ “ (H. Heinz, Zwischen Zeit und Ewigkeit, S. 176). Es entstand ein verkirchlichtes „Christentum“, in dem kein Wert mehr auf eine persönliche Beziehung zu Christus gelegt wurde, sondern nur auf die Zugehörigkeit zu dieser Institution. Die Autorität wurde systematisch immer mehr von Christus und dem Worte Gottes weggenommen und dieser Institution und ihren Vertretern übertragen. Wie Christus das Haupt Seiner Gemeinde ist, so wurde der jeweilige Papst das Oberhaupt dieser universellen Kirche.
In diese Staatskirche wurden die Menschen zwangsweise hineingetauft und später von Geburt an zu Mitgliedern gemacht, ohne jegliche eigene Entscheidungsmöglichkeit. So wurde mit dieser unbiblischen Taufpraxis zur Zwangsmitgliedschaft die Grundlage zur Volkskirche und mit der Einführung der Kirchensteuer die finanzielle Basis und Macht der Kirche geschaffen.
Parallel zu der schon so früh einsetzenden „weg–vom–Worte–Gottes“-Entwicklung fand die Abkoppelung vom Judentum und dann später von den judenchristlichen Gemeinden statt. Dabei blieb es nicht. Schon Justin, Bischof von Smyrna († 167 n. Chr.), hatte sich über die Juden abfällig geäußert. Jetzt waren die Christen das „Israel Gottes“; die Juden dagegen die Abtrünnigen und Abgefallenen. Der Apostel Paulus sah es ganz anders: „Denn weder auf die Beschneidung (Juden) noch auf das Unbeschnittensein (Nationen) kommt es an, sondern nur auf eine, neue Schöpfung‘; und alle, die nach dieser Richtschnur wandeln werden: — über die komme Friede und Erbarmen, nämlich über das Israel Gottes!“ (Gal. 6, 15-16). Der Apostel Petrus hatte zu diesem Thema schon folgendes ausgeführt: „Nun erkenne ich in Wahrheit, daß Gott nicht die Person ansieht, sondern daß in jedem Volk der, welcher Ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, Ihm angenehm ist“ (Apg. 10, 34-35).
Die antijüdische Polemik nahm schon sehr früh ihren Lauf und wurde immer aggressiver. Ignatius von Antiochien (98-117 n. Chr.) begann mit dem Schüren antijüdischer Gesinnung. Was Vertreter der Kirche an judenfeindlichen Parolen schon in den ersten Jahrhunderten geäußert und geschrieben haben, sorgte dafür, daß damals bereits über eine Million Juden als Christus- und Gottesmörder gebrandmarkt und auf diese oder jene Weise getötet wurden. Das Gebot: „Du sollst nicht töten!“ setzte die Kirche für sich außer Kraft.
Der Kirchenlehrer Chrysostomos (354-407), einer der schlimmsten Judenfeinde, lehrte: „… mit Juden darf man so wenig verkehren wie mit dem Teufel, sie seien «nicht besser als Schweine und Böcke » … «Die Synagoge ist nicht bloß ein Theater, sie ist ein Hurenhaus, eine Räuberhöhle und Zufluchtstätte unreiner Tiere, eine Wohnstätte der Teufel» … Christen sollen keine jüdischen Ärzte konsultieren, sondern «lieber sterben», von allen Juden sich abwenden «wie von der Pest und von einer Seuche des Menschengeschlechts».“ (K. Deschner, „Kriminalgeschichte des Christentums“, Bd. I, S. 134).
Cyrill († 444), Patriarch von Alexandrien, stellte die „Endlösung“ der Judenfrage schon in den Raum, die dann im 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hat. Cyprian und Tertullian, Athanasius und Hieronymus, Gregor von Nyssa, Ambrosius, Augustinus, Justinian und viele andere steigerten sich mehr oder weniger in einen Judenhaß hinein, der sich auf den gesamten Klerus aller Zeiten übertrug. Dieser sorgte dafür, daß die Judenhetze sich auch im Bewußtsein des Volkes festsetzte. Für alles wurden die Juden verantwortlich gemacht, so daß man sie mit allen Mitteln auszurotten versuchte. Es erfüllte sich auch allgemein an den Juden, was der Menschensohn Seinen Nachfolgern geweissagt hatte: „Man wird euch in den Bann tun; ja, es kommt die Stunde, wo jeder, der euch tötet, Gott eine Opfergabe darzubringen meint. Und so werden sie verfahren, weil sie weder den Vater noch Mich erkannt haben. Aber Ich habe euch dies gesagt, damit, wenn die Stunde der Erfüllung kommt, ihr daran gedenkt, daß Ich es euch gesagt habe“ (Joh. 16, 2-4).
In der Tat waren die Mörder davon überzeugt, Gott und der Kirche einen Dienst zu erweisen, das Trinitätschristentum von dem monotheistischen Judentum rein zu halten. Die Verfolgung wurde auf Christen ausgeweitet, die sich mit Christus verbunden wußten und dieses blutbefleckte System nicht annehmen konnten. Selbst der geschätzte Reformator Martin Luther konnte sich des Judenhasses, der auch ihm als Mönch in Fleisch und Blut gedrungen war, nicht ganz entledigen. Es ist nachzulesen: „Luther sagt noch in seiner letzten Predigt vom 15. Februar 1546 über die jüdischen Ärzte, sie verordneten Mittel, an denen jemand später zugrunde gehen müsse“ (H.-J. Gamm, Das Judentum, S. 64).
Von Jahrhundert zu Jahrhundert steigerte sich der Haß, und die judenfeindlichen Formulierungen wurden immer krasser. Zum Teil hat man Aussprüche der Schrift genommen, um die Grausamkeiten zu rechtfertigen. Wenn Jesus von den ungläubigen Juden spricht, dann ist das eine Sache, und wenn Er von den gläubigen Juden spricht, eine andere.
Angesichts dessen, was die Kirche durch das starre Verfolgen ihres Zieles an Juden, Heiden und Andersgläubigen getan hat, muß sie sich fragen lassen, ob sie Heil gebracht oder Unheil grausamsten Ausmaßes angerichtet hat. Die in ihrem Sinn geführten Kriege kommen noch hinzu. Sie hat verfolgt, enteignet, gemordet und wurde so im Mittelalter zur Besitzerin von einem Drittel des gesamten europäischen Bodens. Von Lebenden und Toten verleibte sie sich das Vermögen ein. Fürsten und Könige wagten nicht, dagegen aufzutreten, im Gegenteil: sie machten eifrig mit. „Rudolf von Habsburg erklärte 1286 die Juden als mit Person, Hab und Gut zu seiner Kammer gehörig“ (H.-J. Gamm, Das Judentum, S. 84).
All die Flüche, die immer wieder speziell von Päpsten, Bischöfen und der Kurie ausgesprochen wurden, haben die Grundlage dafür gelegt, daß Juden und Andersgläubige zu allen Zeiten von der römischen Kirche erbarmungslos verfolgt wurden. Beim Jüngsten Gericht wird geklärt werden, ob die 6 Millionen Juden, die während des „Dritten Reiches“ in Europa ermordet wurden, nur zu Lasten des deutschen Volkes oder auch auf das Konto der römischen Kirche gehen. Für die Katholiken Hitler, Himmler und den Jesuiten Goebbels war der Boden längst vorbereitet. Schon Päpste sprachen immer wieder von der „Vorsehung“, wie es auch der Ver-Führer Hitler tat.
Wer die einschlägige Literatur über die Päpste und ihr Tun bis in die jüngste Zeit hinein liest, ist erschüttert. Juden und Andersgläubige wurden schlicht für nichts geachtet. Der Jesuitenpapst Leo XIII. (1878-1903) erklärte: „Das Anathema über denjenigen, der sagt, der Heilige Geist möchte nicht, daß wir die Häretiker töten!“ (E. Paris, The secret history of the Jesuits, S. 167). Seit wann tötet der heilige Geist? Dem Zeugnis der Schrift entsprechend, macht der Geist lebendig. Von der Kirche aber wurden alle, die nicht linientreu waren, als Irrlehrer und Ketzer bezeichnet, und die Geistlichkeit nahm sich das Recht heraus, diese Menschen zu liquidieren. Von diesem Gesichtspunkt müssen wir auch das Verhalten von Papst Pius XII. gegenüber den Judenmorden vor und im II. Weltkrieg sehen. Einen Steinwurf weit vom Vatikan ging die jüdische Synagoge in Flammen auf, ohne daß der Papst ein Wort dagegen sagte. Der jetzige Papst ließ sich in der neuerbauten Synagoge von den mit Blindheit geschlagenen Juden wie der Messias selbst feiern, indem bei seinem Einzug Psalm 150 gesungen wurde.
Bei der ersten Begegnung des HErrn mit Abraham, gab Er ihm die Verheißung: „ICH will dich zu einem großen Volke machen und will dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen werden. ICH will die segnen, die dich segnen, und wer dich verflucht, den will Ich verfluchen.“ (1. Mose 12, 3). Dieser Ausspruch hätte doch denen, die vorgaben, an Gott und Gottes Wort zu glauben, vor Augen stehen müssen.
Der strikte Monotheismus, der ja zunächst ausschließlich jüdisches Glaubensgut war, stand dem Denken dieser aus dem Heidentum stammenden Bischöfe im Wege. Sie wollten zunächst mit den Juden und dann auch mit dem einen Gott der Juden nichts gemeinsam haben. So wurde aus dem hebräischen Wort „Maschiah“ (Messias) der griechische „Christos“ (deutsch: „Gesalbter“); aus dem hebräischen „Jahschua“ der griechische „Jesus“. Die Formulierungen über die Gottheit entsprangen jetzt dem hellenistischen Denken, in einer dem Volk und dem Gott Israels völlig fremden Weise. Das Neue Testament kennt auch keine Judenfeindschaft, wie manche Historiker es hinstellen. Was ihnen entgangen zu sein scheint, ist der Ausspruch des HErrn: „… das Heil kommt von den Juden“ (Joh. 4, 22).
Schon die Propheten im Alten Testament hatten geweissagt, daß auch die Nationen am Heil Gottes teilhaben würden: „ICH, der HErr (Jahweh), habe dich berufen in Gerechtigkeit und dich bei der Hand gefaßt und habe dich behütet und dich zum Volksbund gemacht, zum Licht für die Völker“ (Jes. 42, 6). „… ICH bestimme dich zum Licht der Heidenvölker, damit Mein Heil bis ans Ende der Erde reiche“ (Jes. 49, 6b). Mit den Juden machte der HErr den Anfang, als Er sprach: „… geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Matth. 10, 6). Petrus erlebte als erster Apostel, daß ein römischer Hauptmann namens Kornelius mit seinem ganzen Hause gerettet wurde (Apg. 10). Dem Paulus rief der HErr zu: „Mache dich auf den Weg, denn Ich will dich in die Ferne zu den Heiden senden!“ (Apg. 22, 21). Im Missionsbefehl hatte der HErr doch schon die klare Weisung gegeben: „Darum gehet hin und macht alle Völker zu Jüngern“ (Matth. 28, 19). Die Gemeinde des lebendigen Gottes besteht aus allen Völkern, Sprachen und Nationen.
Das Römische Weltreich war überall präsent, somit konnte die römische Reichskirche alle weltlichen Mittel einsetzen, um ihr Ziel zu erreichen. In Wirklichkeit hat es nie eine „Christianisierung“ gegeben, wohl aber eine Katholisierung. Die Völker wurden doch nicht durch die Verkündigung des Evangeliums an Christus gläubig, sie wurden gezwungen, die katholische „Staatsreligion“ anzunehmen. Während der ca. tausendjährigen Alleinherrschaft der römisch-katholischen Kirche wurde die Erde mit Blut getränkt. Die Märtyrerzahlen werden unterschiedlich eingeschätzt, insgesamt nimmt man bis zu 68 Millionen an. Alle Andersgläubigen waren Freiwild. Selbst die „Gegenreformation“ war eine blutige, mit weltlichen Mitteln ausgeübte Angelegenheit und hatte nichts mit der Verkündigung des Evangeliums als Heilsbotschaft zu tun — im Gegenteil: es wurde wieder Unheil von kirchlicher und mit ihr vereinter weltlicher Macht angerichtet. Wer hat nicht von der spanischen Inquisition, den Hexenprozessen und Verbrennungen, der Vertreibung der Waldenser und der Mennoniten, von der Verfolgung Andersgläubiger in ganz Europa gehört? In der Bartholomäus-Nacht (23./24. August 1572) wurden anläßlich der sogenannten „Bluthochzeit“ allein in Paris 3.000, in ganz Frankreich über 20.000 Hugenotten ermordet. „Papst Gregor XIII. feiert die Ermordung der französischen Protestanten mit einem »Te deum«“ (B. Harenberg, Chronik der Menschheit, S. 437).
Von dieser Kirche wurden lehrmäßige Veränderungen vorgenommen, so daß vom ursprünglichen Glaubensgut nichts mehr zu finden war. Das Lesen der Heiligen Schrift wurde unter Strafe verboten. Es ist schon erschütternd, daß besonders Juden und bibelgläubige Christen mitsamt der Bibel, die sie lasen, von dieser Kirche verbrannt wurden. Warum muß sie die Bibel so fürchten?
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